Es war genau wie immer in Zandvoort. Schon auf dem Weg unter der Brücke durch ins Fahrerlager empfing mich diese besondere Atmosphäre. Es ist zwar alles schon etwas älter, aber es hat dieses besondere Flair. Ich habe mich gleich wieder sehr wohl gefühlt. Es waren auch einige Zuschauer da und deswegen hat das Wochenende in Zandvoort wieder einen riesigen Spaß gemacht.

Im Qualifying lief es leider nicht ganz rund. Wir hatten zwei Sätze neue Reifen und damit zwei Versuche, eine gute Zeit zu erzielen. Beide Male bin ich hinausgegangen, habe die Reifen aufgewärmt und auf den Grip gewartet. Doch sie haben einfach keinen Grip aufgebaut. Ich hatte das Gefühl, als hätte ich 300 Kilometer alte Reifen drauf. Ich bin teilweise über alle vier Räder gerutscht, habe den Grip gesucht, ihn aber nicht gefunden. Nach meinem Gefühl hätte ich so auch 100 Runden fahren können und wäre nicht wirklich schneller geworden. Das war insofern eigenartig, weil es im freien Training richtig gut ging. Wir sind viel gefahren, das Auto fühlte sich gut an und ich war zufrieden. Mit den neuen Reifen kam aber die Enttäuschung und bei den Zeiten hat leider einiges gefehlt.

Was der Grund für das Problem war, war schwer herauszufinden. Mein Teamkollege Kamui Kobayashi hatte mit seinem zweiten Satz die gleichen Schwierigkeiten. Er konnte zumindest mit der ersten Garnitur eine gute Zeit fahren, danach ging aber auch bei ihm nichts mehr. Er hat danach dasselbe gesagt wie ich. Auch Sebastien Buemi erlebte diese Probleme. Bei ihm ging mit dem ersten Reifensatz gar nichts, da war er Elfter. Er konnte sich mit dem zweiten Satz verbessern. Bei mir hatten aber beide Reifensätze keinen Grip. Ich weiß jetzt nicht, ob es nur an den Reifen lag, es ist aber schon komisch, dass es mehreren Fahrern so ging wie mir.

Am Sonntag lief es von Start bis Ziel sehr gut, Foto: F3 Euro Series
Am Sonntag lief es von Start bis Ziel sehr gut, Foto: F3 Euro Series

Am Samstag ging es deswegen nur vom achten Startplatz los. Ich konnte aber gleich Dani Clos überholen und war auch schon neben Franck Mailleux. Doch da war die Mauer, ich und Mailleux und es war links und rechts nicht viel Platz. Deswegen habe ich ein wenig zurückgezogen, weil ich nicht schon wieder einen Crash nach den ersten paar hundert Metern riskieren wollte. Es war wichtiger, das Rennen zu Ende zu fahren, unter die ersten Acht zu kommen und dann wenigstens am Sonntag vorne zu stehen. Aus der ersten Kurve kam ich hinter Yelmer Buurman heraus, merkte aber schon, dass das Auto wirklich gut lag und ich richtig viel Grip hatte. Deswegen konnte ich Yelmer auch gleich richtig unter Druck setzen und ihn auf der Geraden außen herum überholen. Er hat fair mitgespielt und wir haben uns gegenseitig Platz gelassen.

Ich kam dann schnell wieder zu Mailleux, doch ihn zu überholen, wurde schwierig. Ein Mal hat er mit Yann Clairay gekämpft, beide waren innen, ich entschied mich für außen und war wieder neben ihm. Am Ausgang hat aber leider die Lenkung aufgemacht und es hat mich rausgedrückt. Sonst wäre ich wahrscheinlich vorbei gewesen. Ich war zwar ein bisschen neben der Bahn, habe aber keinen Platz verloren. Dafür steckte ich weiter hinter Mailleux fest. Ich hätte schneller gekonnt, bin aber leider nicht vorbei gekommen. So nah hinter dem Heck des Gegners verliert man einfach zu viel Abtrieb, weswegen es schwer ist, aus den Kurven heraus, nahe am Hintermann zu bleiben. Da wird schnell die Vorderachse leicht, man bekommt Untersteuern und segelt in Richtung Kiesbett. Wenn man da nicht lupft, steckt man schnell neben der Strecke. Wenn man aber vom Gas muss, holt der Vordermann seine zwei, drei Meter, die am Ende der Geraden fehlen. Das Rennen war aber nicht schlecht; das Auto ist gut gelaufen, ich hatte einen guten Start, ich habe alles probiert, um anzugreifen. Mailleux hat mit seinen 22 Jahren aber schon viel Erfahrung und ist intelligent gefahren.

Aber am Sonntag hatte ich durch den sechsten Rang vom Samstag Startplatz drei und konnte mich gleich an die Spitze setzen. Ich war also vorne unterwegs, das Wetter sah aber so aus, dass man nie wusste, ob es regnen würde oder nicht. Nach fünf Runden kam der Regen schließlich und ich habe über Funk gleich gesagt, dass es mit den Slicks ziemlich rutschig wird. Die Box hat gemeint, dass es auch dort ziemlich regnet und wir haben uns entschieden, dass ich reinkommen soll. Das war dann auch die richtige Entscheidung. Der Stopp hat super funktioniert und ich bin wieder raus. Yelmer hat gegamblet und blieb auf Slicks draußen. Doch es war so nass, dass ich ihn bald wieder überholen konnte und den Sieg nachhause fuhr.

Jetzt geht es für mich zum Masters of Formula 3 in Zolder, das zu den wichtigsten Rennen des Jahres gehört. Mit dem Formel BMW habe ich an der Strecke schon einmal getestet und das ist auch noch eine echte Naturstrecke, die den alten Flair hat. Man fährt auch durch den Wald und es gibt nicht besonders viel Auslaufzone. Bei meinem Test hat es mir dort richtig Spaß gemacht. Die Strecke ist sehr flüssig und es gibt richtig schnelle Passagen. Ich freu mich drauf. Die Konkurrenz wird aber richtig groß sein. Die ganzen starken Jungs aus der Euroserie sind dabei und es kommen auch viele gute Teams aus der englischen Formel 3. Die haben im Frühjahr bereits dort getestet, weswegen sie einen kleinen Vorteil haben. Denn wir haben nur zwei Mal 20 Minuten Training, was nicht sehr viel ist. Am Samstag gibt es noch ein Pre-Qualifying und dann das richtige Qualifying. Von daher muss alles sitzen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir recht gut aussehen sollten, wenn nicht alles schief geht.