Italien hielt für mich beim Rennwochenende in Mugello leider keine Geschenke parat. Dabei hat mir die Umgebung der Rennstrecke sehr gut gefallen. Sie ist wirklich in einer wunderschönen Landschaft. Wenn man schon auf der Autobahn Richtung Strecke unterwegs ist, sieht man wie traumhaft schön die Gegend in der Toskana ist. Die Strecke ist auch sehr malerisch und es macht Spaß, dort zu fahren, weil sie recht flüssig ist. Sie ist technisch und fahrerisch anspruchsvoll.
Die Strecke in Mugello ist aber auch recht eigen. Es gibt viele schnelle Kurven, der Asphalt ist recht rau: Die Temperaturen haben es zusätzlich schwer gemacht, die Reifen konstant zu nutzen. Es gab immer einen großen Peak auf den neuen Reifen. Es ging maximal ein, zwei, drei Runden gut und dann haben sie schon stark abgebaut. Deswegen haben wir in den Trainings auch einiges probiert und das hat zunächst auch ganz gut funktioniert. Im freien Training am Samstag war ich auch nur zwei Hundertstel hinter Romain Grosjean auf Platz zwei. Es sah also gut aus.
Im Qualifying hatten wir aber leider schlechtes Timing. Wir sind ein bisschen in den Verkehr gekommen und dann passiert es schnell, dass man nicht mehr vorne dabei ist. Der fünfte Platz war zwar keine Schande, aber auch nicht das, was wir uns erhofft hatten. Denn wir hatten damit gerechnet, um die Pole mitfahren zu können. Wenn man etwas weiter hinten steht, ist das Risiko einer Kollision beim Start auch etwas größer und das durfte ich im ersten Rennen auch gleich bemerken. Alle kamen normal weg, aber in der ersten Kurve hat Kamui Kobayashi Tom Dillman umgedreht. Tom war genau vor mir und ich hatte keine Chance auszuweichen und wir sind kollidiert. Schuld will ich dabei aber keinem zusprechen, es war eben ein Rennunfall.

Durch die Kollision musste ich durch das Kiesbett, konnte aber weiterfahren. An der Vorderseite meines Autos war aber einiges kaputt, also musste ich an die Box und mir eine neue Nase holen. In dieser Zeit wurde ich bereits überrundet und fuhr mit einer Runde Rückstand aus der Box. Das Rennen habe ich zwar zu Ende gefahren, aber ein gutes Ergebnis war nicht mehr möglich. Das war schade, denn der Speed war da, ich fuhr die schnellste Rennrunde und das Auto lief auch sehr gut.
Am Sonntag mussten wir leider trotzdem von hinten starten. Das ist eben das Harte: wenn einem am Samstag etwas passiert, ist eigentlich das ganze Wochenende kaputt - es ist ja nicht jede Strecke so überholfreundlich wie der Norisring. Beim Start habe ich mich in der ersten Kurve für die Außenbahn entschieden, weil es innen bereits einen Stau gab und konnte mich dadurch auch an zwei, drei Leuten vorbei bremsen. Innen hat es aber leider gekracht und ich wurde nach außen durch das Kiesbett mitgenommen. Ich konnte zwar auch diesmal weiterfahren, lag aber am Ende des Feldes und am Auto war hinten etwas kaputt. Deswegen hatte ich ziemliche Probleme mit der Balance und konnte nicht mehr angreifen, weil die Pace nicht mehr gestimmt hat. Vor allem in Mugello merkt man es sofort, wenn an der Aerodynamik etwas fehlt. In den schnellen Kurven braucht man den Abtrieb, sonst muss man vom Gas, so wie ich im zweiten Rennen.
Doch das ist jetzt auch abgehakt und mittlerweile war ich auch schon wieder testen und habe mich auf die nächsten Rennen vorbereitet. Vergangene Woche war ich mit dem Team in Nogaro und habe viele Kilometer abgespult. Wir haben dabei viel probiert. Es war ein ständiges Rein und Raus, Veränderungen am Auto und wieder Runden drehen. Ich bin an dem Tag über 100 Runden gefahren und ich denke, wir haben ein bisschen etwas gefunden. Ich war jedenfalls zufrieden.
Und das ist auch gut, denn am kommenden Wochenende ist in Zandvoort ja fast mein Heimrennen. Ich fahre nur eineinhalb Stunden dorthin, da ich direkt an der niederländischen Grenze wohne. Ich habe sehr gute Erinnerungen an die Strecke aus der Formel BMW und der A1. Sie zählt zu meinen Lieblingsstrecken. Es macht sehr viel Spaß dort zu fahren, mit dem Auf und Ab in den Dünen. Es gefällt mir dort sehr gut, auch weil es in Zandvoort so eine besondere Atmosphäre gibt, wenn man ins Fahrerlager hineinkommt. Ich freue mich jetzt einfach auf das Wochenende und wir werden motiviert angreifen.

diese Formel 3 EM Kolumne