Nach einer langen Pause und einem Gastspiel in der GP2 Serie bin ich in Brands Hatch endlich wieder Formel 3 gefahren. Dank des vielen freien Trainings am Donnerstag und Freitag vor dem Rennen war es kein Problem, sich wieder an das Auto zu gewöhnen. Bei mir dauert das nur ein paar Runden, maximal fünf. Schon letztes Jahr bin ich häufig zwischen verschiedenen Serien gewechselt, ich bin es also gewöhnt, häufiger in anderen Cockpits zu stecken. Der einzige Unterschied zwischen GP2 und Formel 3 ist die unterschiedliche Sitzposition, denn in der GP2 sitzt man viel näher am Lenkrad.
Brands Hatch ist schon eine komische Strecke. Sie ist klein und sehr eng, fast so wie Monaco, nur ohne Leitplanken. Wenn man am Limit fährt, bemerkt man die Leitplanken am Rand nach einer Zeit sowieso nicht mehr. Man darf einfach nicht daran denken und muss sich auf das Fahren konzentrieren.
Da man in Brands Hatch eigentlich immer lenkt, ist es für uns Fahrer eine sehr anstrengende Strecke. Es gibt keine Gerade, auf der man sich ausruhen und auf die nächste Runde konzentrieren kann. Wenn man einen Fehler macht, verliert man sofort viel Zeit, viel mehr als auf anderen Kursen. Das liegt an der geringen Länge. Die Autos fahren sehr oft durch die Kurven und neben der Ideallinie sammelt sich viel Dreck an. Wenn man dort drauf kommt, rutscht man sofort. Das ist wie Eis.
Das größte Problem war der Verkehr. Im Training konnte ich noch die schnellste Zeit fahren, aber in der Qualifikation habe ich dann einfach keine freie Runde gehabt, unsere Strategie war auch nicht gerade perfekt. Im ersten Rennen startete ich als Achter und konnte nur einen Platz gutmachen. Im zweiten Lauf am Sonntag habe ich es am Start nicht geschafft, Edoardo Mortara zu überholen. Und das, obwohl wir wirklich schnell waren. Im Rennen habe ich die zweitbeste Runde des Feldes gefahren, nur Mailleux war etwas schneller unterwegs, weil er mit frischen Reifen ganz hinten fuhr und freie Bahn hatte. Da wir in der Qualifikation so viel Pech hatten, konnten wir unser Potential nicht zeigen. Trotzdem, ich bin jetzt in vier Rennen drei Mal auf das Podium gefahren und ich führe die Meisterschaft an. Es war kein schlechtes Wochenende, aber auch kein gutes.

Das Überholen ist in Brands Hatch so schwierig, weil es keine lange Gerade gibt und alle Kurven mit 100 bis 120 km/h gefahren werden. Immer wenn man es in den Windschatten schafft, kommt die nächste Kurve. Ganz schlimm ist die Paddock Hill Bend. Wenn man da direkt hinter dem Vordermann fährt, verliert man richtig viel Grip auf der Vorderachse und muss mit Untersteuern kämpfen. Man kann einfach nicht den selben Speed fahren wie ohne die Dirty-Air.
Besonders schlimm ist das für die Zuschauer. Sie müssen sich ein ganzes Rennen ansehen, in dem nicht überholt wird. Auch uns Fahrern macht das natürlich nicht so viel Spaß, aber man muss trotzdem konzentriert bleiben, denn ein Fehler passiert schnell.
Als nächstes kommen wir zum Norisring. Der Stadtkurs ist ebenfalls sehr eng, aber komplett anders als Brands Hatch oder Monaco. Die Qualifikation ist nicht so wichtig, auch vom vierten Startplatz kann man das Rennen noch gewinnen. Ganz im Gegenteil zu Brands Hatch. Dort war es die vielleicht wichtigste Qualifikation im ganzen Jahr. Mein Ziel ist es in Nürnberg ein Rennen zu gewinnen. Wenn man Meister werden will, muss man siegen. Viel wichtiger ist es jedoch, konstant in die Punkte zu fahren. Das hat bei mir oberste Priorität, man kann sich einfach keine Nullrunde erlauben.

diese Formel 3 EM Kolumne