Hallo, eigentlich wollte ich mich ja mit einem Bericht aus der Formel-3-Euroserie als neuer motorsport-magazin.com-Kolumnist vorstellen - aber manchmal kommt es eben im Rennsport ein bisschen anders als geplant. In dem Fall war es für mich eine sehr schöne Überraschung, dass ich am Monaco-GP-Wochenende zu meinem ersten Einsatz in der GP2-Serie gekommen - womit ich jetzt schon eine Menge zu erzählen habe.

Als Ammermüller-Ersatz hatte Buemi schon beim ersten Rennen die Nummer 1., Foto: Red Bull/GEPA
Als Ammermüller-Ersatz hatte Buemi schon beim ersten Rennen die Nummer 1., Foto: Red Bull/GEPA

Ich bin ja erst 18, auch wenn ich schon recht lange im Rennsport unterwegs bin - manche von Euch kennen mich vielleicht schon aus den Zeiten in der Formel BMW... Da war es für mich schon aufregend, als ich am Mittwoch Nachmittag vor Monaco einen Anruf von Dr. Helmut Marko bekam, dass ich so schnell wie möglich nach Monte Carlo kommen solle, um den ART zu fahren, weil Michael Ammermüller wegen seiner Handverletzung aus Bahrain noch nicht fit genug war. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch in der Nähe von Salzburg im Trainingszentrum von Red Bull, bin gleich ins Auto gesprungen und nach München gefahren, weil es von dort am ehesten noch Flüge nach Nizza gab. Nachts um halb elf war ich dann endlich in Monaco, habe noch kurz bei den Ingenieuren von ART vorbei geschaut, dann war ich am Donnerstag früh um halb sieben wieder dort, um den Sitz zu machen - ich hatte ja noch nie in dem Auto gesessen.

Im Vorfeld hatte niemand wirklich mit mir darüber gesprochen, dass ich als Ersatz für Michael zum Einsatz kommen könnte, aber natürlich habe ich ein bisschen daran gedacht... Ich wusste ja, dass in Monaco auch die Renault World Series fährt und damit die Leute aus dem Red Bull-Kader, die dort normalerweise unterwegs sind, wie etwa Mikhail Aleshin, der ja in Barcelona einsprang, eigentlich schon mal wegfallen. Und eigentlich kommen ja nur World-Series- oder F3-Fahrer für so etwas in Frage... Aber ich habe nicht wirklich daran geglaubt, dass es passieren würde - schließlich ging es ausgerechnet um Monaco, wo ich ja vorher noch nie gefahren bin. Und in einem GP2-Auto hatte ich auch noch nie gesessen. Als der Anruf dann kam, habe ich mich im ersten Moment zwar riesig gefreut. Aber dann habe ich schon auch gedacht, oh Gott, das wird schwer. So etwas ist ein bisschen wie Poker. Es kann sehr gut fürs Image sein, aber auch sehr schlecht, wenn es nicht gut läuft.

Sébastien konzentriert sich jetzt voll auf den F3ES-Titelgewinn., Foto: Sutton
Sébastien konzentriert sich jetzt voll auf den F3ES-Titelgewinn., Foto: Sutton

Ich denke, dass es für mich am Ende schon sehr gut war, vor allem mit dem vierten Platz im Qualifying. Damit habe ich wohl schon einige Leute überrascht. Und auch das Rennen mit dem siebten Platz war neutral betrachtet sicher nicht so schlecht, auch wenn ich direkt danach schon ein bisschen enttäuscht war. Ich habe halt ein paar kleine Fehler gemacht am Start, beim Boxenstopp - die sich dann zum Verlust von ein paar Plätzen aufsummiert haben. An sich hätten wir schon ein Auto gehabt, das fürs Podium gut gewesen wäre, auch wenn es ein paar kleinere Probleme mit Untersteuern gab. Aber es ist halt schon sehr schwer, beim ersten Rennen gleich alles richtig zu machen. Ich muss meine Fehler analysieren und für die Zukunft daran arbeiten, dass sie nicht mehr passieren. Rein körperlich hatte ich keine Probleme, ich kenne Rennen in dieser Länge ja auch aus der A1GP-Serie. Sicher ist Monaco ein bisschen schwieriger als andere Strecken - aber das Hauptproblem liegt eher im Kopf, weil man mental immer hundertprozentig da sein, voll konzentriert sein muss. Ein einziger Fehler kann das Rennen sofort beenden.

Die größte Umstellung für mich war eigentlich die Sitzposition im Auto. Ich habe viel näher am Lenkrad gesessen als in der Formel 3, aber nach ein paar Runden hatte ich mich auch daran gewöhnt. Dann sind da natürlich die Karbonbremsen, die haben wir in der A1-Serie auch nicht. Aber die waren wirklich sehr gut, man kann damit sehr hart bremsen, ich habe schnell ein gutes Feeling bekommen. Auch die mehr PS waren kein Problem, ich habe mich auf Anhieb im Auto sehr wohl gefühlt. Ich glaube, dass mein Fahrstil sehr gut zur GP2 passt und wenn dann auch noch wie hier das Team und das Auto sehr gut sind, dann ist es kein so großes Problem. Für die Zukunft war es jedenfalls schon mal sehr viel versprechend, dass ich auf Anhieb so gut zurecht gekommen bin.

Wie ein Pokerspiel: ohne den Test direkt in den GP2-Boliden., Foto: GP2 Series
Wie ein Pokerspiel: ohne den Test direkt in den GP2-Boliden., Foto: GP2 Series

Aber jetzt geht es erst einmal darum, meine "normalen" Einsätze so gut wie möglich zu erledigen. Von Monaco aus bin ich dann noch mal zurück nach Salzburg, nach Fuschl, zu einer weiteren Trainingswoche. Schließlich will ich absolut fit sein, wenn es am kommenden Wochenende in das zweite Rennwochenende der F3-Euroserie geht. Endlich - nach fast zwei Monaten, die Pause war für alle, die nichts anderes fahren, wirklich extrem lang. Am ersten Wochenende in Hockenheim lief es für mich und das Mücke-Team mit einem Sieg und einem dritten Platz gleich sehr gut, ich liege in der Meisterschaft in Führung und das soll natürlich so bleiben. Denn trotz der GP2-Erfahrung, zu der ich jetzt so schnell gekommen bin - das Hauptziel in dieser Saison ist und bleibt der Titel in der F3-Euroserie. Darauf bin ich im Moment voll konzentriert. Es ist wichtig, in jedem Rennen Punkte zu machen - die Konkurrenz ist ja auch da sehr groß. Letztes Jahr war ich in der Formel 3 auch schon öfters sehr schnell, aber es kommt ja auch darauf an, keinen Fehler zu machen, um am Ende in der Meisterschaft ganz vorne zu sein. Und wenn das klappt, dann wird sicher auch der weitere Weg nach oben, etwa endgültig in die GP2, einfacher.