Wie bewertest du die Dakar 2007?
Dirk von Zitzewitz: Von der Strecke her wird es, grob gesagt, wie immer. Die Dakar ist nie einfach, sie ist immer schwierig. Es sind drei Etappen dabei, die ich als besonders schwer einschätze. Das ist von Zouerat zum Ruhetag nach Atar. Die davor wird auch nicht ohne sein, aber diese wird besonders schwer. Schwer für die Navigation, anspruchsvoll für das Auto und die Technik und auch körperlich sehr anspruchsvoll. Das sehe ich genauso für die beiden Etappen nach dem Ruhetag, die werden es auch besonders in sich haben. Ansonsten denke ich, dass das Rennen extrem schwer wird, schwerer als in der Vergangenheit, weil es mittlerweile noch mehr gute Autos gibt. Noch mehr Teams, die hervorragend vorbereitet sind.

Wie viele Fahrer haben Chancen auf den Sieg?
Dirk von Zitzewitz: Vor fünf Jahren gab es drei, vier Autos, die eine Chance hatten, zu gewinnen. Jetzt sind wir mindestens zwölf, die eine Chance auf den Tagessieg haben. Wenn nicht sogar 15! Ich würde sogar die Schlesser-Buggys noch dazuzählen. Wenn man sich dann die Fahrerpaarungen anschaut, so kommen durchaus sechs bis acht Autos in Frage, die die Dakar gewinnen können. Das hat es in meinen Augen noch nie gegeben. Die Autos werden immer stabiler, immer schneller, immer besser. Das heißt, das Rennen wird deutlich enger werden. Du musst immer näher ans Limit rangehen und dadurch wird das Risiko höher, etwas falsch zu machen oder kaputt zu fahren.
Was denkst du ist wichtiger: ein erfahrener Fahrer oder erfahrener Beifahrer?
Dirk von Zitzewitz: Beides ist wichtig. Vielleicht ist der erfahrene Beifahrer etwas wichtiger. Denn wenn du einen erfahrenen Beifahrer hast, der auch menschlich gut mit dem Fahrer umgehen kann, dann kannst du auch einen unerfahrenen Piloten relativ gut durchlotsen. Hingegen wäre ein routinierter Fahrer, dem der Co nicht sagen kann, wo er lang fahren soll, ziemlich aufgeschmissen. Der weiß zwar, wie er über die Dünen drüber fahren soll, aber nicht in welcher Richtung und kommt so nicht weiter. Wenn ich wählen müsste, würde ich immer auf die Konstellation erfahrener Beifahrer und neuer Fahrer setzen, die ist sicher erfolgreicher.

Wie sieht das bei dir und Giniel aus?
Dirk von Zitzewitz: Ich habe mit Giniel zum ersten Mal einen erfahrenen Piloten an meiner Seite. Ich bin vorher mit Robby Gordon gefahren, der mit mir seine erste "Dakar" absolviert hat. Mit Mark Miller hatte schon zwei "Dakar" erlebt, ist mit mir zusammen zum dritten Mal gefahren. Damit war unser Erfahrungslevel auf dem gleichen Niveau. Aber nach zwei Rallyes gehörst du noch nicht zu den erfahrenen Hasen. Zusätzlich bin ich schon dreimal mit dem Motorrad gefahren. Wir sind auch gut durchgekommen, aber jetzt habe ich einen Fahrer, der schon viermal die "Dakar" gefahren ist. Zudem ist Giniel im Off-Road zuhause und das merke ich schon. Wenn ich Ansagen mache, werden die von Giniel sehr schnell umgesetzt. Wenn ich sage: "Hier links über die Düne", dann biegt er links ab und fährt über die Düne." Er macht das einfach und bei einem unerfahrenen Fahrer ist es dann auch schon mal so: "Meinst du wirklich? Die sieht so hoch aus?" Dann denkst du selbst: "Vielleicht hat er ja Recht?" Und schon zögerst du und hast Zeit verloren. Du wirst schon irgendwie durchkommen, aber das sind halt die kleinen Momente, die den Unterschied ausmachen, ob du ganz vorne bist oder nur im Mittelfeld.
Wie ist dein Tagesablauf bei der Dakar?
Dirk von Zitzewitz: In der Regel ist es so, dass wir gegen acht Uhr starten und für mich heißt das, zwei Stunden vorher aufzustehen. Ich nehme mir das Roadbook immer noch einmal vor. Dann muss ich zusehen, dass ich noch etwas zu Essen bekomme und checken, ob am Auto alles klar ist. GPS schon mal anschalten und schon geht's los. Natürlich darf ich auch nicht vergessen, mein Zelt noch abzubauen usw. Ich schaue auch morgens noch mal auf die Karte, um die Erinnerung aufzufrischen. Danach fahren wir zur Verbindungsetappe oder direkt zur Prüfung, je nach Vorgabe. Wir haben einen festen Zeitplan und ich muss sehen, dass wir den einhalten. Ich muss im Ernstfall auch schon mal meinen Fahrer suchen und ihn antreiben, dass er auch wirklich rechtzeitig fertig ist. Zwischen 16 und 18 Uhr kommen wir gewöhnlich ins Ziel.
Was passiert im Biwak?
Dirk von Zitzewitz: Dort bekomme ich mein Roadbook für den nächsten Tag und dann kommen wir in unserem Teambiwak an. Dort geben wir in der Regel zuerst Interviews, anschließend ein kurzes De-Briefing vom Tag. Zuerst mit den Technikern, an dem ich, je nachdem was angefallen ist, teilnehme, da ich mir Auffälligkeiten und Probleme zwischendurch auch notiere. Dann machen wir Co-Piloten ein kurzes De-Briefing und gehen alles noch mal durch. Wer welche Probleme wie gelöst hat oder ob ein anderes Team ganz anders gefahren ist. Dann siehst du zu, dass du zwischendurch etwas zu Essen bekommst und dich duschst. Danach setze ich mich an den Tisch und fange mein Roadbook für den nächsten Tag an. Das ist dann meistens zwischen sechs und acht Uhr. Ich "personalisiere" mir mein Roadbook und brauche dafür durchaus vier, fünf Stunden. Zwischendurch ist auch noch richtiges Abendessen und wir reden auch noch mit unserem Kartenspezialisten, der uns hilft die Karten, die wir vorbereitet haben, zu optimieren. Damit bin ich zwischen elf Uhr und Mitternacht fertig. Dann geht's ab in die Falle und dort blättere ich das Roadbook noch mal durch.

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