Kaum einer im Feld der Dakar ist bereits so viel herumgekommen wie Jean-Louis Schlesser. Der 58-jährige verdiente sich seine ersten Meriten nämlich in Formel-Rennwägen, fuhr auch bei den Touren- und Sportwägen mit und engagierte sich zudem auch schon recht früh im Offroad-Bereich, woran er nach einigen Jahren als Teilnehmer der Dakar schließlich mehr und mehr Freude gewann.
Doch beginnen wir vorne. Ende der 70er begann der Aufstieg von Schlesser, als er sich mit Alain Prost die Krone in der französischen Formel 3 teilte. 1981 vollbrachte er das Kunststück dann auch noch in der europäischen Formel 3 und beendete im gleichen Jahr die 24 Stunden von Le Mans auf dem zweiten Rang. Damit schien er auf dem klassischen Weg in Richtung Formel 1. 1982 wechselte er in die Formel 2 und 1983 erhielt er beim Grand Prix von Frankreich die Chance, sich im RAM-Ford zu qualifizieren. Doch er scheiterte und war damit weg vom Formel-1-Fenster.
Da er aber vielseitig interessiert und vor allem talentiert war, bremste das Schlesser nur wenig ein. Er war Mitte der 80er in Touren- und Sportwagen anzutreffen. 1985 gewann er die französische Supertouring Meisterschaft in einem Rover Vitesse und steuerte zudem noch einen Werks-Jaguar in der Sportwagen Weltmeisterschaft.

1988 folgte schließlich seine zweite Chance in der Formel 1. Diesmal sollte er beim Grand Prix von Italien Nigel Mansell im Williams ersetzen. Dabei blieb er aber vor allem deswegen im Gedächtnis, weil er zwei Runden vor Schluss Ayrton Senna im McLaren in der ersten Schikane abschoss und Ferrari damit zu einem Doppelsieg verhalf. Für die Roten aus Maranello war das ein besonderer Sieg, weil einige Wochen davor Enzo Ferrari gestorben war. Schlesser beendete das Rennen einen Platz hinter dem noch gewerteten Senna auf Rang elf.
1988 schloss sich Schlesser aber auch Sauber-Mercedes an, für die er den deutschen Supercup und die Sportwagen WM-Titel 1989 und 1990 gewann. 1989 war auch das Jahr, in dem er begann, regelmäßig an der Rallye-Dakar teilzunehmen. Zwar war er 1984 schon einmal mitgefahren, aber so wirklich erfasste ihn der Langstrecken-Virus erst später. Es dauerte nicht lange und der Franzose begann seine eigenen Buggys zu bauen. 1992 debütierte der von einem Porsche-Motor getriebene Schlesser Original in der Baja Portugal 1000. Gleich beim ersten Antreten gewann Schlesser mit einem zweirad-getriebenen Auto ohne Beifahrer.
Und der Erfolg blieb ihm auch treu. Sieben Mal gewann er mit seinem eigenen Auto die Dakar-Wertung für zweirad-getriebene Fahrzeuge. Von 1998 bis 2002 holte er sich den Titel bei der World Cross Country Rallye Championship und 1999 und 2000 feierte er seine größten Erfolge. In diesen beiden Jahren holte er den Gesamtsieg bei der Dakar. Auch bei anderen Langstrecken-Rennen konnte er mehrfach gewinnen oder in die vorderen Plätze fahren. Zuletzt bei der UAE Desert Challenge im November, wo er Platz drei im Gesamtklassement belegte. Auch mit 58 ist Jean Louis Schlesser immer noch sehr schnell.

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