Motorsport-Magazin.com Plus
Dakar Rallye

Rallye Dakar: Marokko-Test verlangt Audi RS Q e-tron viel ab

Audi schickte das neue Dakar-Auto RS Q e-tron zum ersten Mal in die Wüste. Für den Test wählte man bewusst einen Ort mit extremen Bedingungen.
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - Audi hat sein Testprogramm mit dem neuen RS Q e-tron fortgesetzt. Nachdem das Fahrzeug für die 2022er Ausgabe der Rallye Dakar im Juli in Deutschland und im August in Spanien ins Gelände geschickt wurde, erprobten es die Fahrergespanne Stéphane Peterhansel und Edouard Boulanger, Carlos Sainz und Lucas Cruz sowie Mattias Ekström mit seinem Co-Piloten Emil Bergkvist nun fast zwei Wochen in Marokko. Bei heißen Bedingungen wurde der Elektro-Prototyp erstmals in einer Wüste eingesetzt. Die Fahrer wechselten sich am Steuer des Fahrzeugs ab.

Der Testpremiere in den Dünen verlief für das Audi-Werksteam Q Motorsport erwartungsgemäß nicht störungsfrei ab. "Das Thermometer kletterte zeitweise auf weit über 40 Grad Celsius", sagt Teamchef. "Auch Sandstürme behinderten die Testfahrten. Bei den hohen Temperaturen traten zudem erwartungsgemäß einige neue Probleme auf, die immer wieder für Testunterbrechungen sorgten und die es bis zum nächsten Test zu lösen gilt."

Bei der Rallye Dakar, die zwischen 2. und 14. Januar 2022 wie in den beiden Vorjahren in Saudi-Arabien stattfinden wird, erwartet Audi auf den zwölf Etappen deutlich niedrigere Temperaturen. Andreas Roos, bei Audi Sport für die werkseitigen Motorsport-Projekte verantwortlich, erklärt: "Wir sind dennoch bewusst nach Marokko gegangen, um unser Konzept unter extremsten Bedingungen zu erproben. Komponenten wie die MGU wurden von Haus aus zum Beispiel nicht für den Einsatz bei derart hohen Umgebungstemperaturen entwickelt. Aber auch Getriebe und andere Komponenten wurden durch die Hitze an ihre Grenzen oder auch darüber belastet. Die Erkenntnisse, die wir in Marokko gewonnen haben, sind sehr wertvoll. Sie zeigen uns aber auch, dass wir bis zur Rallye Dakar noch eine Menge zu tun haben und die Zeit knapp wird."

Beim Rallye-Auto des Ingolstädter Autobauers werden technische Komponenten eingesetzt, die in der Vergangenheit in der Formel E und der DTM erprobt wurden. So besteht der elektrische Antrieb unter anderem aus zwei Motor-Generator-Einheiten (MGU) aus der Formel E. Die von Audi Sport neu entwickelte Hochvoltbatterie wird während der Fahrt über einen Energiewandler aufgeladen. Dieser stammt aus dem TFSI-Motor aus der DTM und einer weiteren MGU.

Audi Erfahrungen für die Serienentwicklung sammeln

Die beim Test vorherrschende Hitze nutzte Audi auch, um diese Komponenten unter extremen Bedingungen zu erproben. "Es geht um das optimale Temperaturmanagement und darum, die maximale Performance der Batterie abrufen zu können", sagt Roos. "Hier lernen wir bei jedem Test dazu. Und genau das ist der Grund, warum wir mit einem elektrifizierten Antrieb in die Wüste gehen: Wir sammeln unheimlich viele Erfahrungen, die wir mit unseren Kollegen in der Serienentwicklung teilen."

Die vorherigen Testfahrten in Aragonien fielen deutlich kürzer aus als die in Marokko. Er erstreckte sich auf lediglich acht Tage, an denen Dakar-Rekordsieger Peterhansel mit Boulanger die ersten Kilometer abspulte. Nach drei Tagen griff der zweifache DTM-Champion Mattias Ekström ins Lenkrad, ehe der zweifache Rallye-Weltmeister Carlos Sainz an den letzten drei Tagen im Fahrzeug saß.

Bei den Vorbereitungsfahrten für den Einsatz bei der 44. Ausgabe der Rallye Dakar geht es unter anderem darum, dass Fahrer und Co-Pilot in der neuen Arbeitsumgebung zu einer Einheit verschmelzen. "Das war einer von vielen Punkten, die wir nach dem Test in Saragossa in unserem Lastenheft hatten", sagt Roos. Für den Test in Marokko haben wir Modifikationen vorgenommen, damit Fahrer und Beifahrer im engen Cockpit mehr Platz haben und auch besser miteinander kommunizieren können. Das Feedback war positiv."

Audi baut erstes Einsatzfahrzeug auf

Audi Sport arbeitet aktuell daran, im Firmensitz in Neuburg an der Donau ein erstes Einsatzfahrzeug aufzubauen, welches bei der Dakar im kommenden Jahr eingesetzt werden könnte. Es trägt die Chassisnummer 104. Benedikt Brunninger verantwortlicher Projektmanager für die Rallye Dakar erklärt: "Beim Testträger handelt es sich um einen Prototyp, bei dem noch nicht alles perfekt passte. Bei den Einsatzfahrzeugen streben wir bei der Passgenauigkeit absolute Perfektion beim Aufbau an."