Über vier Jahre nach seinem ersten Sieg im Speedway GP thront Anders Thomsen wieder an der Spitze und gewinnt wie aus dem Nichts im schwedischen Malilla. Dabei deutet nach einer eher unauffälligen Vorrunde nichts darauf hin, dass der Däne die Topfavoriten in die Schranken weisen würde, doch im Finale kommt alles anders. Nach seinem Sieg feiert Thomsen ausgelassen und lässt dabei – im wörtlichsten Sinne – alle Hüllen fallen.
Anders Thomsen jubelt nach Sieg in Unterwäsche
Nachdem er in den Vorrunden nur acht Punkte gesammelt hatte, blühte Thomsen beim einsetzenden Sonnenuntergang plötzlich auf. Zunächst setzte er sich im LCQ vom dritten Gate gegen die eigentlich favorisierten inneren Startpositionen durch und sicherte sich somit den Einzug ins Finale. Dort ging er von ganz außen ins Rennen - eigentlich die unbeliebteste Position - und schlug volles Kapital daraus, dass Bartosz Zmarzlik und Robert Lambert sich in der ersten Kurve auf sich gegenseitig konzentrierten. Dadurch kam er vorbei und sein Weg zum Sieg war frei.
Anschließend präsentierte sich Thomsen in bester Partie-Manier und wiederholte seinen ungewöhnlichen Jubel, mit dem er schon 2022 den Sieg in Gorzow zelebriert hatte. Thomsen zog sich bis auf die Unterhosen aus und drehte danach auf seinem Bike eine Ehrenrunde rund um die Skrotfrag Arena.
Thomsen verfügt in diesem Jahr eigentlich über gar keinen Stammplatz in der Speedway-Weltmeisterschaft, aber er steht trotzdem seit der zweiten Meisterschaftsrunde schon ununterbrochen am Start, da gleich eine Reihe an Stammfahrern aktuell auf der Verletztenliste stehen, nämlich mit Dan Bewley, Freddie Lindgren und seit Breslau auch Jack Holder gleich drei Toppiloten.
Platz 2 ging in Malilla an Robert Lambert, der mit der perfekten Ausbeute von 15 Punkten in der Vorrunde unschlagbar war, dann aber eben im Finale gegen Thomsen den Kürzeren zog. Rang 3 belegte WM-Leader Bartosz Zmarzlik, der damit seinen Vorsprung in der Meisterschaft ausbaute. Allerdings nur um zwei Punkte, da Brady Kurtz Vierter wurde.
Speedway GP 2026 - Der WM-Stand
Kurtz hatte sich genauso wie Thomsen durch einen Sieg im Last-Chance-Qualifier noch ins Finale gerettet, zeigte sich dort aber ungewohnt zahnlos. In der WM bedeutet das, dass Weltmeister Zmarzlik nun vier Stationen vor Saisonende mit fünf Zählern vor dem Vize-Champion führt.
Platz 5 ging an Andzejs Lebedevs vor Patryk Dudek und Leon Madsen. Wildcard-Fahrer Kim Nilsson, der in der Abwesenheit des verletzten Lindgren der einzige Lokalmatador im Feld war, schaffte es auf eine gute achte Position. Die beiden letzten Plätze in den LCQs und damit P9 und P10 in der Endabrechnung gingen an Dominik Kubera und Jan Kvech.
Speedway GP Malilla - Das Ergebnis
Bitterer Abend für Kai Huckenbeck: Sturz und P16
Kai Huckenbeck, der ebenfalls wie Thomsen und Kvech als Reservist in Malilla im Einsatz war, erwischte einen eher gebrauchten Abend. Er kam in der Vorrunde nicht über zwei dritte Plätze in den fünf Heats hinaus und landete damit auf der 16. und somit letzten Position.
Besonders unglücklich verlief dabei sein letztes Heat, als sich der Niedersachse einen harten Zweikampf mit Kvech um die Führung lieferte, schließlich aber ohne Berührung zu Sturz kam. Dabei blieb er offenbar unverletzt und konnte selbständig wieder die Unfallstelle verlassen. In der WM steht Huckenbeck nach drei Starts bei elf Punkten.
Tai Woffinden beendet Speedway-Karriere
Denkwürdig war der Samstag für den Speedway-Sport nicht nur aufgrund des Sieges von Anders Thomsen beim GP in Malilla, sondern auch aus einem anderen Grund. Der dreifache Weltmeister Tai Woffinden gab am Nachmittag auf Social Media in einem emotionalen Video-Statement offiziell seinen Rücktritt bekannt.
Woffinden kann auf die WM-Titel 2013, 2015 und 2018 zurückblicken und sammelte in seiner illustren Karriere insgesamt elf GP-Siege. In den letzten Jahren war die Laufbahn des Briten von zahlreichen Verletzungen geprägt. So lag er im Vorjahr nach einem Horrorunfall bei einem Test-Match im polnischen Krosno mehrere Wochen lang im künstlichen Koma, kämpfte sich aber wieder zurück. Nach einem viel umjubelten Comeback in diesem Jahr verletzte sich der 35-Jährige im Mai allerdings erneut.



diese Motorradsport Nachricht