Ein Mercedes-AMG CLE muss nicht zwangsläufig ein komfortables Coupé für die schnelle Langstrecke sein. Das zeigt jetzt ein neues Sondermodell aus Affalterbach. Der Mercedes-AMG CLE 646 Spezialanfertigung wurde deutlich weiterentwickelt als ein gewöhnliches Performance-Derivat: weniger Gewicht, mehr Leistung, Hinterradantrieb und jede Menge Carbon sollen aus dem Coupé ein möglichst kompromissloses Fahrerauto machen.
Vom CLE zum Einzelprojekt
Die Geschichte hinter dem Auto beginnt laut Mercedes-AMG nicht mit einem klassischen Entwicklungsauftrag. Ein kleines Team innerhalb der AMG-Entwicklung begann zunächst mit einem Prototypen. Aus dem ursprünglichen CLE sollte dabei kein weiteres Sondermodell entstehen, sondern ein Fahrzeug, das konsequent auf Fahrdynamik ausgelegt ist.
Als technische Basis dient das CLE 53 Coupé. Davon bleibt allerdings deutlich weniger übrig, als die Bezeichnung vermuten lässt. Die Rohkarosserie wurde umfangreich angepasst, die Spur an Vorder- und Hinterachse um jeweils 60 Millimeter verbreitert und zahlreiche Komponenten wurden neu entwickelt.

Das Ergebnis ist ein komplett in Affalterbach aufgebautes Fahrzeug. Und auch beim Namen geht Mercedes-AMG einen ungewöhnlichen Weg: Der CLE 646 ist Teil der neuen Mythos Serie, in der besonders exklusive und streng limitierte Fahrzeuge entstehen.
V8 statt Kompromisse
Unter der Haube arbeitet der weiterentwickelte 4,0-Liter-V8-Biturbo M177 EVO. Die 646 PS sind nicht nur eine beeindruckende Zahl, sondern gleichzeitig Namensgeber des Fahrzeugs. Das maximale Drehmoment von 850 Nm liegt zwischen 2.500 und 4.500 U/min an.

Für spontane Reaktionen setzt AMG unter anderem auf eine Flat-Plane-Kurbelwelle. Sie reduziert die rotierenden Massen und soll das Ansprechverhalten verbessern.
Auch thermisch wurde der V8 für hohe Belastungen ausgelegt. Drei getrennte Kühlkreisläufe kümmern sich um Motor, Ladeluft und Getriebeöl sowie die 48-Volt-Komponenten. Die Kühlsysteme wurden für den Einsatz auf der Rennstrecke und hohe Außentemperaturen entsprechend verstärkt.

Passend dazu gibt es eine spezielle High-Performance-Abgasanlage. Das sogenannte Cold-End wurde gemeinsam mit Akrapovič entwickelt, Titan hilft gleichzeitig beim Gewicht sparen.
Allrad raus, Hinterradantrieb rein
Eine der interessantesten Änderungen betrifft den Antrieb. Das beim Ausgangsmodell eingesetzte AMG Performance 4MATIC+ entfällt komplett. Stattdessen werden die 646 PS ausschließlich über die Hinterräder auf die Straße gebracht.
Für die Kraftverteilung zwischen den Hinterrädern ist ein elektronisch geregeltes Sperrdifferenzial zuständig. Unter entsprechenden Bedingungen soll es auch kontrollierte Driftmanöver ermöglichen.

Geschaltet wird über das AMG SPEEDSHIFT TCT 9G mit neun Gängen. Die Launch Control wurde ebenfalls an den Hinterradantrieb angepasst. Für den Sprint von 0 auf 200 km/h nennt Mercedes-AMG 11,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 310 km/h.
Gewindefahrwerk statt Komfortprogramm
Auch beim Fahrwerk geht AMG deutlich weiter als beim normalen CLE. Gemeinsam mit KW automotive wurde ein spezielles Stahl-Gewindefahrwerk entwickelt.
Die vierfach verstellbaren Dämpfer lassen sich jeweils in Low- und Highspeed-Zug- sowie Druckstufe anpassen. Damit soll das Fahrwerk sowohl auf unterschiedliche Strecken als auch auf den persönlichen Fahrstil abgestimmt werden können.
Bei den Bremsen wird ebenfalls nicht gekleckert: Die AMG Keramik-Hochleistungs-Verbundbremsanlage besitzt vorne 420-Millimeter-Scheiben mit Sechskolben-Festsätteln. Eine speziell entwickelte Bremsenkühlung soll auch bei intensiver Rennstreckennutzung für konstante Verzögerungsleistung sorgen.
305er vorne, 335er hinten
Optisch dürfte der CLE 646 kaum mit einem normalen CLE verwechselt werden. Die Karosserie wurde massiv verbreitert, zahlreiche Bauteile bestehen aus Carbon. Dazu gehören unter anderem die Kotflügelverbreiterungen, Motorhaube, Dach, Front- und Heckschürze sowie der Heckflügel. Auch die hinteren Seitenscheiben und die Heckscheibe bestehen aus Polycarbonat.
Unter den verbreiterten Kotflügeln sitzen 20-Zoll-Schmiederäder. Vorne sind 305/30 ZR 20, hinten sogar 335/30 ZR 20 montiert. Die Reifen basieren laut Mercedes-AMG auf einer Weiterentwicklung der Technologie des Mercedes-AMG ONE.

Für zusätzlichen Abtrieb sorgen unter anderem Frontdiffusor, Kotflügel-Louvres, Unterboden und Heckflügel. Der Frontdiffusor lässt sich manuell zwischen den Einstellungen „Street“ und „Race“ verstellen. Letztere ist ausschließlich für die Rennstrecke vorgesehen. Bei Höchstgeschwindigkeit soll das gesamte Aerodynamikkonzept einen Abtrieb von mehr als 250 Kilogramm erzeugen.
Innenraum wird zum Leichtbauprojekt
Auch im Innenraum wurde gestrichen, was nicht unbedingt benötigt wird. Die Rücksitze verschwinden ebenso wie zusätzliches Akustik-Dämmmaterial. Komfortfunktionen und Teile des Soundsystems werden eingespart.

Stattdessen gibt es ultraleichte Rennschalensitze, einen Überrollbügel und Leichtbau-Türverkleidungen aus Carbon. Optional sind außerdem Sechspunktgurte erhältlich.
Selbst bei den Bedienelementen wurde angesetzt: Durch den Wegfall verschiedener Fahrprogramme und Assistenzsysteme wird auch das AMG Performance Lenkrad auf das Wesentliche reduziert.

Nur 30 Stück – und bereits ausverkauft
Der Mercedes-AMG CLE 646 Spezialanfertigung ist allerdings nicht einfach nur ein besonders teures Performance-Coupé. Er ist auf 30 Exemplare limitiert und bereits vor der Weltpremiere ausverkauft.

Damit ist das neue AMG-Modell tatsächlich ein Sammlerstück, bevor die ersten Fahrzeuge überhaupt bei ihren Besitzern stehen.
Der Preis wurde allerdings bisher nicht genannt. Fest steht dagegen, was Käufer bekommen: einen von Hand in Affalterbach aufgebauten CLE mit 646 PS, welches mit dem ursprünglichen Gedanken eines komfortablen Coupés nur noch wenig zu tun hat.



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