Mehr Rallyes - Jännerrallye: Der Favoritencheck

Selbstproduziertes Blitz-K.o. oder Machtdemonstration?

Die Jännerrallye 2014 erlebt ein großes Feld von Sieganwärtern. Drei Österreicher jagen den polnischen Star Robert Kubica.

Motorsport-Magazin.com - Noch ein Tag, bis die entscheidende Frage "Wer gewinnt den Auftakt zur Rallye-Europameisterschaft 2014?" ihrer Antwort im wahrsten Sinn des Wortes entgegenfährt. Lacht ein völlig neues Gesicht von der ewigen Jännerrallye-Siegerliste? Oder darf sich einer, der sich schon einmal bzw. sogar öfters in diese eintragen konnte, bei der Siegerehrung am 5. Jänner in der prallgefüllten Freistädter Messehalle bejubeln lassen? Kann der Topstar der Rallye, Robert Kubica, seiner Favoritenrolle gerecht werden?

Wenn ich eine Rallye bestreite, dann will ich diese auch gewinnen.
Raimund Baumschlager

Robert Kubica muss und kann als WRC2-Weltmeister wohl auch mit der Rolle des Sieganwärters Nummer 1 leben. Der Pole mit Formel-1-Vergangenheit testet in Freistadt für seinen neuen Arbeitgeber M-Sport mit einem Ford Fiesta S2000 für den kommenden WM-Auftakt in Monte Carlo. Ursprünglich hat sein Team noch keinen Beifahrer genannt, doch dieser steht nun fest. Der 40-jährige Copiloten-Routinier Maciek Szczepaniak wird seinen Landsmann durch die Rallye leiten und weiß wohl auch, worauf er sich dabei einlässt. Denn wer Robert Kubicas Rallye-Karriere bisher verfolgt hat, kennt sein offensichtliches Leitmotiv, das "Siegen oder Fliegen" heißt. Eine Machtdemonstration des Polen ist ebenso denkbar wie ein selbstproduziertes Blitz-K.o.

Eisiger Wind bläst Robert Kubica bei der Jännerrallye aus seinem eigenen Land entgegen. Kajetan Kajetanowicz steht in der Größe der Betreuungs-Crew dem Favoriten in nichts nach, fährt mit dem gleichen Sponsor (Lotos), und dessen Logo ziert sogar noch die Motorhaube eines motorisch stärkeren Ford Fiesta R5. Kajetan Kajetanowicz ist vierfacher Meister seiner Heimat, gewann die Polen-Rallye 2013 und stellte sich auch den Fans in Österreich bereits eindrucksvoll vor, als er bei der letzten Waldviertel-Rallye im November der Konkurrenz auf und davon fuhr.

Gespannt darf man auf den Auftritt von Pavel Valousek sein. Der tschechische Champion des Jahres 2010 lasst wie Kajetanowicz in einem Ford Fiesta R5 die Muskeln spielen. Mit diesem Auto war er auch letzte Saison in der EM unterwegs. Mit Vaclav Pech steht ein weiterer Tscheche auf der Liste der Sieganwärter. Er ist nicht irgendwer, sondern der fünffache Champion seines Landes. Der Mini-S2000-Pilot kennt die Jännerrallye in- und auswendig, hat im Mühlviertel nicht nur viele Fans, sondern dort auch bereits dreimal (2005, 2007 und 2008) gewonnen.

Aus rotweißroter Sicht dürfen Raimund Baumschlager, Andreas Aigner und Beppo Harrach als Favoriten-Trio gehandelt werden. Baumschlager lenkt seinen Skoda Fabia S2000 mit der Routine eines 11-fachen Staatsmeisters, mit der Klasse eines dreifachen Jännerrallye-Siegers (2004, 2006, 2009) und mit einem unmissverständlichen Motto: "Wenn ich eine Rallye bestreite, dann will ich diese auch gewinnen."

Mit einem durch und durch konkurrenzfähigen Auto orientiere ich mich natürlich nach vorne.
Andreas Aigner

Aigner gilt für viele Fans als schnellster Rallyefahrer der Alpenrepublik. Unterstrichen hat er diese Meinung mehr als eindrucksvoll - erst PWRC-Weltmeister und als Draufgabe noch ein aktueller Production-Cup-Europameistertitel. In Freistadt sitzt der Steirer in einem Peugeot 207 S2000 aus dem Stall von Ex-Gruppe-N-Weltmeister Manfred Stohl, der seinem Schützling mit Rat und Tat zur Seite stehen wird. Aigner blickt auf eine vielversprechende Testserie zurück. "Ich freue mich auf eine tolle Jännerrallye. Mit einem durch und durch konkurrenzfähigen Auto orientiere ich mich natürlich nach vorne."

Als Dritter im Bunde der österreichischen Hoffnungsträger hat Harrach mit seinem Mitsubishi Evo IX R4 nicht erst einmal die vermeintlich stärkere S2000-Konkurrenz schlecht aussehen lassen. Der Ex-Staatsmeister aus Niederösterreich konnte die Jännerrallye 2011 gewinnen und kehrt nach einer unfallbedingten Zwangspause frisch gestärkt und hochmotiviert in die Rallyeszene zurück.

Als Vorbereitung für die Jännerrallye wählte er am letzten Wochenende einen Start bei der Szilveszter Rallye in Ungarn. Dort belegte er unter mehr als 250 Teilnehmern hinter einem ungarischen S2000 Piloten den hervorragenden zweiten Gesamtrang. "Das war ein absolut gelungener Test hinsichtlich Reifen und Setup. Wir sind mehr als zufrieden und diesen Optimismus brauchen wir auch. Das Starterfeld in Freistadt ist unglaublich stark. Das ist natürlich ein großer Ansporn, ganz vorne mitzufahren", sagt Harrach, der 2013 nach der Jännerrallye den von der FIA vergebenen Preis für die kämpferischste Performance entgegennehmen durfte.


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