Formel 1 - Riesen-Rennkalender: Top-Stars wehren sich

Dann hört Alonso auf

Bigger is better, heißt es in den USA. Ob das auch für den Rennkalender der Formel 1 gilt? Jetzt gibt es ersten Gegenwind für die Zukunftspläne von Liberty.
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Motorsport-Magazin.com - Die neuen Besitzer der Formel 1 haben bislang vieles richtig gemacht. Doch nun stößt Liberty erstmals auf Gegenwind. Streitpunkt: der Rennkalender der Zukunft. Das US-Unternehmen stellt sich mehr als 21 Rennen pro Jahr vor, wie Marketingchef Sean Bratches kürzlich deutlich durchblicken ließ.

Dabei war schon die Steigerung von 20 auf 21 Rennen im vergangenen Jahr ein riesengroßes Streitthema gewesen. Die Belastung für die Teammitglieder sei zu groß, hieß es fast unisono im Fahrerlager. Von den steigenden Kosten für Reisen und Schichtarbeit ganz zu schweigen. Doch in den USA gilt nun einmal: Bigger is better.

2018 wieder 21 Rennen

In der kommenden Saison soll der Rennkalender wieder 21 Grands Prix umfassen, danach die Schlagzahl erhöht werden. Doch jetzt schlagen die ersten Fahrer Alarm wegen der ambitionierten Expansionspläne. "Wenn es weiter 20 oder 21 Rennen sind, dann bleibe ich - wenn wir so viele bekommen wie in der NASCAR, dann höre ich auf", formulierte es Fernando Alonso ziemlich drastisch.

Der NASCAR-Kalender umfasst gar 36 Rennen, die allerdings alle auf amerikanischem Boden. Die Formel 1 hingegen jettet jährlich quer durch die Weltgeschichte. "20 bis 21 Rennen sind genug", meinte Alonso am Rande des Kanada Grand Prix. "Wenn wir 25 oder so bekommen sollten, würde ich mir überlegen, ob eine gute Lebensqualität nicht doch besser ist. Wir sind schon bei einer Zahl angekommen, die ziemlich fordernd ist."

Deutschland soll 2018 in den F1-Rennkalender zurückkehren - Foto: Sutton

Das Leben verschwindet

Als Alonso damals im Jahr 2001 seine ersten Schritte in der Formel 1 machte, ging er mit Minardi bei 17 Rennen an den Start. In der Folgezeit wuchs der Rennkalender immer weiter an, erreichte seinen vorläufigen Höhepunkt in der vergangenen Saison mit 21 Austragungsorten. "Das ist eine Zahl, bei der man noch eine normale Lebensqualität hat", sagte der McLaren-Pilot. "Aber mit Sponsoren-Terminen, Simulator-Tests und Testfahrten verschwindet dein Leben."

Zustimmung erhielt Alonso von Lewis Hamilton, der vermutlich noch mehr unterwegs sein dürfte als sein früherer Teamkollege. Die Rennen sind die eine Sache - all die Verpflichtungen als Top-Fahrer in der Formel 1 noch mal eine andere. Zeit zum Ausruhen finden die Fahrer heute kaum noch. "Ich habe noch nicht darüber nachgedacht", sagte Hamilton angesichts eines potenziellen Riesen-Kalenders. "Aber ich verstehe, was Fernando sagen will, und ich stimme ihm zu."

Das sind Libertys Pläne

Liberty ist sich der Umstände bewusst und möchte den Teams entgegenkommen. Die Sommerpause soll nach wie vor heilig sein. Zudem strebt der US-Investor vermehrt Kontinental-Pakete an, um die Reiseaufwände möglichst gering zu halten. Das lässt sich mit bestehenden Verträgen allerdings nicht ganz so einfach bewältigen. Wie der Plan funktionieren soll, weniger direkt aufeinanderfolgende Rennen zu planen, ist ebenfalls unklar.

"Man muss es nur richtig organisieren", sagte Haas-Teamchef Günther Steiner. "Wenn es aus kommerzieller Sicht funktioniert, warum nicht? Die Idee ist nicht schlecht und würde das Leben mit Blick auf die Reisen vereinfachen. Ich sage jetzt nicht: 'Hurra, wir fahren 25 Rennen, ich kann es kaum erwarten'. Ich sage aber auch nicht: 'Oh nein, jetzt höre ich auf, weil ich nicht vier Rennen mehr fahren kann'. Damit müssen wir klarkommen."

Sicher ist unterdessen, dass es künftig mehr Rennen in den USA geben soll. Traditionsorte wie Deutschland und Frankreich - die 2018 zurückkehren - sollen unterdessen unangetastet bleiben. Neuen Ländern ist Liberty ebenfalls nicht abgeneigt. "Wir wollen etwas proaktiver sein und in die Offensive gehen, was die Märkte angeht, in die wir eintreten", sagte Sean Bratches kürzlich.

Vorhandener Vertrag mit der Formel 1 für 2018

Datum Grand Prix Strecke Ort
Australien Albert Park Circuit Melbourne
Russland Sochi Autodrom Sochi
Spanien Circuit de Barcelona-Catalunya Barcelona
Monaco Circuit de Monaco Monaco
Kanada Circuit Gilles Villeneuve Montreal
Aserbaidschan Baku Street Circuit Baku
Österreich Red Bull Ring Spielberg
Großbritannien Silverstone Circuit Silverstone
Ungarn Hungaroring Budapest
Belgien Circuit de Spa-Francorchamps Spa-Francorchamps
Italien Autodromo Nazionale Monza
Frankreich Circuit Paul Ricard Le Castellet
Deutschland Hockenheimring Hockenheim
Japan Suzuka International Racing Course Suzuka
USA Circuit of the Americas Austin
Mexiko Autodromo Hermanos Rodriguez Mexico City
Brasilien Autódromo José Carlos Pace São Paulo
Abu Dhabi Yas Marina Circuit Abu Dhabi

Kein Vertrag mit der Formel 1 für 2018

Grand Prix Strecke Ort
Bahrain Bahrain International Circuit Sakhir
China Shanghai International Circuit Shanghai
Singapur Marina Bay Street Circuit Singapur

Potenzielle Interessenten

Grand Prix Strecke Ort
Türkei Istanbul Park Circuit Istanbul
Katar ? ?
Finnland Kymi Ring Iitti
Südafrika ? ?
Las Vegas ? Las Vegas

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