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Formel 1 - Interview - Maldonado: Viele Menschen vermissen Pastor

Einer der wichtigsten Siege für die Formel 1

Unvergessen: Pastor Maldonados Sensationssieg 2012 in Spanien. Fünf Jahre später treffen wir ihn in Barcelona und wollen wissen: Wann fährt er wieder Rennen?
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Zum Sieg-Jubiläum: Die Top-5 Maldonado Moves: (00:48 Min.)

Pastor Maldonado - keine Formel-1-Pilot hat Genie und Wahnsinn wohl so sehr in einer Person vereint wie der Venezolaner. Seine Abflüge sind legendär, aber auch sein Sieg beim Spanien GP vor exakt fünf Jahren. Am Jahrestag des Sieges tauchte Maldonado plötzlich wieder im Fahrerlager auf. Mit Motorsport-Magazin.com schwelgt er nicht nur in Erinnerungen an seine Sternstunde, sondern verrät auch, warum er aktuell nicht in der Formel 1 fährt.

Pastor, vor genau fünf Jahren hast du den Spanien Grand Prix gewonnen. Welche Erinnerungen hast du an diesen Tag?
Pastor Maldonado: Wow, schon fünf Jahre her. Die Zeit vergeht so schnell... Jetzt bin ich wieder hier auf dieser tollen Strecke - nur in einer etwas anderen Position. Aber ich genieße das gerade sehr. Ich habe so viele Nachrichten über mich gelesen. Niemand weiß, was ich in Zukunft machen werde und so weiter. Aber ich genieße die Zeit mit meiner Familie gerade immer mehr und habe entschieden, noch mehr Zeit mit ihnen zu verbringen. Das ist das erste Jahr, wo ich mich zu 100 Prozent ihr widme, weißt du. Aber vielleicht wache ich in Zukunft auf und entscheide mich dafür, zurückzukehren. Und dann werde ich das auch machen.

Kommen wir zurück zu Spanien 2012 - hattest du damals gedacht, dass du gewinnen kannst?
Pastor Maldonado: Ah, das war so ein besonderes Wochenende! Schon nach dem Qualifying war ich überzeugt gewesen, dass wir das Rennen gewinnen können. Das Rennen werde ich mein Leben lang in meinem Herzen tragen.

Kannst du dir heute erklären, warum du so unglaublich schnell warst?
Pastor Maldonado: Schwer zu sagen, wir haben es einfach zusammenbekommen. Ich erinnere mich noch daran, dass wir zu dieser Zeit ein neues Aero-Package bekommen haben. Wenn du normalerweise einen neuen Frontflügel, Heckflügel oder Unterboden bekommst, nutzt du nur ein Teil davon am Auto. Anschließend gehen die Teile zur Revision wieder in die Teamfabrik. Es dauert also normalerweise zwei bis drei Rennen, bis du alles zusammen hast. Aber in diesem Rennen hat alles sehr gut funktioniert und alle Bedingungen haben uns in die Karten gespielt. Damals hatte Red Bull das schnellste Auto im Feld, die waren zwei Sekunden schneller als der Rest. Aber bei uns hat es einfach gepasst und ich bin auch gut gefahren.

Unvergessen: Maldonados einziger Sieg in der Formel 1 - Foto: Sutton

Dann hat es damals auch noch bei euch in der Garage gebrannt...
Pastor Maldonado: Ja, das war so traurig mit dem Feuer. Wir waren alle zusammen in der Boxengasse, als es zur Explosion kam. Der Kerl, der sich dabei eine Verbrennung zugezogen hat, tat mir sehr leid. Zum Glück war der Schaden letztendlich nicht allzu groß. Dann haben wir natürlich den Sieg gefeiert. Vielleicht war das in jüngerer Zeit einer der wichtigsten Siege für die Formel 1.

Irgendwann kehre ich vielleicht zurück, mir fehlt das Rennfahren ja.
Pastor Maldonado

Hast du im Moment keine Lust, Rennautos zu fahren?
Pastor Maldonado: Doch, natürlich. Ich habe mein gesamtes Leben mit Rennfahren verbracht. Mit sechs Jahren habe ich angefangen und nie wieder aufgehört. Ich vermisse das Racing. Mit der Zeit habe ich aber etwas entdeckt, was ich vorher so noch nicht kannte: die Familie. Um ehrlich zu sein: Aus diesem Grund habe ich etwas aufgehört. Vielleicht länger als erwartet. Aber irgendwann kehre ich vielleicht zurück, mir fehlt das Rennfahren ja. Andererseits möchte ich vielleicht auch einfach mehr Zeit mit der Familie verbringen.

2012 gelang Maldonado der Coup beim Rennen in Barcelona - Foto: Sutton

Im Winter gab es Gerüchte, dass du gern Nico Rosberg bei Mercedes ersetzt hättest...
Pastor Maldonado: Na ja, ich habe es nicht so sehr darauf angelegt, wieder Formel 1 zu fahren. Es gab nicht nur Mercedes, sondern auch andere Teams. Aber das war nicht mein Fokus. Ich wollte mehr bei meiner Familie sein, das ist der wahre Grund. Wenn ich hätte rennfahren wollen, wäre das ansonsten nicht so schwierig gewesen - auch nicht in einer anderen Serie. Wenn ich zurückkomme, dann möchte ich gut vorbereitet sein und ein spannendes Projekt haben, das mir Spaß macht und mit dem ich gewinnen kann.

In welcher Serie würdest du denn gern fahren?
Pastor Maldonado: Ach, das sehen wir dann. Das kann ich dir jetzt nicht sagen. Ich muss ein gutes Projekt finden, alles analysieren und darüber nachdenken. Dann fahre ich vielleicht wieder, aber nur, wenn ich einen guten Kompromiss finde. Denn aktuell genieße ich das Leben.

Ich denke schon, dass viele Leute Pastor in den Rennen vermissen.
Pastor Maldonado

Ist es wegen der aktuellen Situation in Venezuela schwierig für dich, genügend Budget aufzutreiben?
Pastor Maldonado: Das ging auch anderen Ländern schon so in der Vergangenheit. Wir müssen diese schwierige Zeit überstehen. Hoffentlich erholt sich die Ökonomie bald wieder, Venezuela ist ein sehr reiches Land. Mir geht es dabei aber nicht um den Motorsport, sondern um die Gesundheit meines Landes. Wir müssen alle zusammenarbeiten und versuchen, so schnell wie möglich wieder aus dieser Lage herauszukommen.

Wir haben Pastor in Barcelona erwischt - Foto: Motorsport-Magazin.com

Glaubst du, dass dich viele Menschen im Motorsport vermissen?
Pastor Maldonado: Ich denke schon, dass viele Leute Pastor in den Rennen vermissen. Ich war ein Fahrer, der immer mehr als 100 Prozent gegeben hat. Das wussten alle Teams, mit denen ich gearbeitet habe, von Beginn an. Meine Aufgabe war immer, das Bestmögliche aus diesen Teams herauszuholen. Und ich bin sehr gute Rennen gefahren. Natürlich würden die Leute gern sehen, dass ich wieder Rennen fahre - in der Formel 1 oder irgendwo anders.

Die neuen Autos in der Formel 1 gefallen mir sehr gut - du brauchst richtig große Eier dafür - und die habe ich! Die Autos würden mir liegen. Aber du siehst schon, dass einige hier damit Probleme haben, die Unterschiede zwischen einigen Teamkollegen sind riesig. Das kann es in der Formel 1 eigentlich nicht geben...


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