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Formel 1 - Technik-Check: Der neue Ferrari SF70H

Seitenkasten-Revolution am Ferrari

Bei der Schönheit reiht sich der neue Ferrari im Mittelfeld ein. Doch wie steht es um die Technik des Ferrari SF70H? Die ist durchaus interessant - die Analyse.
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Ferrari SF70H: Technik-Check im Schnelldurchlauf: (04:36 Min.)

Am Freitagmorgen präsentierte Ferrari den Boliden für die Formel-1-Saison 2017. Das neue Auto hört wegen des 70. Geburtstags der Scuderia auf den Namen SF70H. Beim Aussehen wird der Ferrari dem Spitznamen der Roten Göttin nicht gerecht, doch in Maranello wird Schönheit durch Erfolg definiert. Was steckt technisch hinter dem SF70H? Der Technik-Check.

Die Nase leiht sich der 2017er Bolide vom Vorgänger. Mercedes ist damit nach wie vor das einzige Team, das ohne den unästhetischen Vorsprung auskommt. Williams, Sauber, Renault, Force India und McLaren haben allesamt einen Zapfen aus der Nase wachsen. Wobei Renault als einziges Team über den Winter das Konzept geändert hat, 2016 fuhren die Franzosen mit einer Mercedes-ähnlichen Nase.

Ferrari-Nase mit Lufteinlass an der Unterseite - Foto: Ferrari

Neu am Ferrari: Ein S-Schacht. Als eines der ersten Teams hatte Ferrari 2008 die Luftdurchführung, doch seit dem Comeback des Technik-Tricks vor zwei Jahren verzichtete Ferrari darauf. Die Luft wird wie beim Mercedes über ein Haifisch-Maul unter der Nase eingesaugt. Ausgeblasen wird die Luft direkt über der Vorderradaufhängung, noch vor dem Übergang von Nase zu Chassis.

Ferrari bleibt bei Pushrods

Bei der Vorderrad-Aufhängung setzt Ferrari wieder auf eine Druckstrebe. 2016 war Ferrari auf das konventionellere Design zurückgekehrt, nachdem es die Jahre zuvor vermehrt Probleme bei der Abstimmung und dem Feedback für die Fahrer gab.

Die Bremsbelüftung ist auch beim 2017er Auto äußerst voluminös , wahrscheinlich wird hier wieder Luft für die durchblasene Radnabe gesammelt. Beim präsentierten Auto war die Radnabe noch geschlossen, bei der ersten Ausfahrt in Fiorano war wie in den letzten Jahren eine große Öffnung zu sehen.

Wie die anderen Boliden ist auch der Ferrari hinter der Vorderachse extrem gewachsen. Um diverse Leitbleche anzubringen, ist das Chassis nun deutlich länger. Im Vergleich zum Mercedes sieht das Bargeboard relativ unspektakulär aus, dafür wird es dahinter umso spannender.

Seitenkastenflügel: Ferrari schießt Vogel ab

Der Seitenkasten hat einen zusätzlichen Einlass - Foto: Ferrari

Ferrari hat bei den Leitblechen um den Seitenkasten herum den Vogel abgeschossen. In der Seitenansicht sieht es fast so aus, als wäre ein zweites Bargeboard eine Stufe höher angebracht. Doch das wirklich interessante sind die Öffnungen der Seitenkästen an sich. Sie sind extrem weit oben und schmal und vor allem direkt in ein Leitblech integriert. Der hintere Teil des zweigeteilten Bügel-Flügels ist nur halb so lang, so dass auf der Oberseite noch ein zusätzlicher Lufteinlass Platz hat.

Spektakuläre Seitenkästen am Ferrari - Foto: Ferrari

Fraglich, ob der zusätzliche Einlass die Kühler mit Luft beliefert, die auch die Hauptöffnungen beliefern, oder ob es sich um einen eigenen Kanal handelt. Solche verschiedene Kanäle sind bei anderen Teams in den Airboxen gut zu erkennen. ERS, Batterie, Getriebe und Co. haben eigene Kühl-Leitungen.

Die Seitenkästen gehen fließend in die Motorabdeckung über, ziehen sich zum Heck hin ähnlich eng zusammen wie beim Mercedes. An der Unterseite der Motorabdeckung sind kleine Luftleitbleche zu erkennen, die wohl den Luftfluss zum Diffusor verbessern sollen. Solche Elemente haben wir bisher noch nicht an der Motorabdeckung gesehen, sondern nur auf der Oberseite des Unterbodens.

Doppelter Schönheitsfehler: Finne und T-Flügel

Wie die meisten anderen Autos verfügt auch der SF70H über eine große Finne auf der Motorabdeckung. Durch die weiße Lackierung sieht die zwar relativ elegant aus, allerdings sorgt ein T-Flügel auf der Finne für den optischen Eklat. Mercedes experimentierte am Nachmittag des Launch-Tages mit einem solchen Flügel, der mangels Heck-Flosse auf einem eigenen Steg installiert war. Der T-Flügel soll den Luftfluss zum Heckflügel verbessern.

Heckflosse, T-Flügel und doppelte Heckflügel-Befestigung - Foto: Ferrari

Als bisher einziges Team setzt Ferrari bei der Befestigung des Heckflügels auf zwei Streben. Die anderen Autos haben nur eine zentrale Strebe, die allerdings durch das zentrale Auspuffrohr führt. Auch einen Monkey-Seat, der weit hinten auf der Crash-Struktur des SF70H sitzt, hat Ferrari bislang als einziges Team am 2017er Auto gezeigt.

Ferrari zeigt mit dem SF70H ein durchaus aggressives Auto. Vor allem die Lufteinlässe der Seitenkästen sind innovativ. In den letzten Jahren zeichnete sich Ferrari nur noch selten durch eigene Innovationen aus.


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