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Formel 1 - Favoritencheck: Benzin hilft Williams

Vettel gegen Williams oder Vettel gegen Mercedes?

Der Kanada GP verspricht ein Leckerbissen zu werden. Nicht nur Rosberg gegen Hamilton wird spannend. Motorsport-Magazin.com macht den Favoritencheck.
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Motorsport-Magazin.com - Der Große Preis von Kanada ist für spannende Rennen bekannt. Die vier Geraden, auf denen Geschwindigkeiten deutlich über oder knapp an die 300 Stundenkilometer erreicht werden versprechen Windschattenduelle, wie es sie heute nur mehr selten gibt. Die Abstände sind unglaublich knapp, die Reifen ein Rätsel und überhaupt ist alles angerichtet für einen großartigen Grand Prix. Motorsport-Magazin.com macht den Favoritencheck für den Großen Preis von Kanada.

Hamilton oder Rosberg?

Geht es um den Rennsieg, stellt sich seit Melbourne nun schon zum siebten Mal die gleiche Frage: Gewinnt Lewis Hamilton oder Nico Rosberg? Nach den bisherigen Vorstellungen von Lewis Hamilton in Montreal war das Qualifying-Ergebnis fast etwas überraschend - zumal Nico Rosberg auf der Ile Notre-Dame noch nie wirklich glänzen konnte.

Nico RosbergLewis Hamilton
Starts76
Beste Platzierung5 (2013)1 (2007, 2010, 2012)
Bester Startplatz1 (2014), zuvor 4 (2013)1 (2007, 2008, 2010)
Punkte2160
Teamkollegen-Duell Qualifying7:16:1
Teamkollegen-Duell Rennen3:44:2

Auch in den Trainingssitzungen deutete sich die Qualifying-Reihenfolge bei Mercedes so nicht an. Erst im letzten Qualifikationssegment drehte Rosberg die Reihenfolge. Doch es waren wieder nur Nuancen, die über Sieg oder Niederlage entschieden. 79 Tausendstel waren es genau. Hätte Hamilton seine Zeit im zweiten Sektor aus dem ersten Versuch reproduzieren können, würde der Brite von Startplatz eins ins Rennen gehen.

Hätte, wäre, wenn: Rosberg startet von der Pole und hat damit nominell die besten Chancen auf den Sieg. Doch auch wenn es die Mercedes-Piloten nicht wahrhaben wollen, Überholen in Montreal ist kein Hexenwerk - schon gleich nicht mit DRS. Die Reihenfolge ist also nicht wie in Monaco schon nach dem Start in Stein gemeißelt.

Kommt Hamilton nicht am Start vorbei, hat er noch 70 Runden lang die Möglichkeit, die Reihenfolge auf der Strecke umzudrehen. Aber auch in der Box: Ein, zwei oder gar drei Stopps? So richtig scheint das niemand zu wissen. Fest steht nur: Der Reifenverschleiß auf den superweichen Reifen wird entscheidend sein, die Primes halten gut. Und hier hatte Hamilton am Freitag einen kleinen Vorteil gegenüber Rosberg: Wie die Longrun-Analyse von Motorsport-Magazin.com zeigt, war er gut zwei Zehntelsekunden pro runde Schneller.

Auch der Benzinverbrauch spricht für den Verfolger: Schon über die ganze Saison zeigt sich, dass Hamilton etwas weniger des guten Petronas-Gemisches verbrennt als Rosberg. In Monaco war das mangels Überholmöglichkeiten noch kein Problem. Doch Montreal ist Spritfresser Nummer eins im Kalender. In Summe gehen Lewis Hamilton und Nico Rosberg mit gleichen Chancen ins Rennen: Die Speed-Fakten sprechen für Hamilton, die Startreihenfolge für Rosberg.

Vettels einzige Hoffnung: Windschatten

Mindestens so überraschend wie sich Rosberg vor Hamilton qualifizierte, sicherte sich Sebastian Vettel Startplatz drei. Der Abstand auf die Mercedes-Piloten ist groß, doch ganz hat man die Hoffnung im Lager von Red Bull noch nicht aufgegeben. "Unsere Hoffnung ist, dass sich die beiden Mercedes-Piloten bekriegen und wir dann in einer guten Position sind", so Motorsportberater Dr. Helmut Marko.

Unsere Hoffnung ist, dass sich die beiden Mercedes-Piloten bekriegen.
Dr. Helmut Marko

Unmöglich ist dieses Szenario nicht, nicht nur, wenn es zum Crash kommt: Wenn sich Hamilton und Rosberg gegenseitig pushen und am kalkulierten Benzinlimit fahren und gegen Ende des Rennens eine Safety-Car-Phase das Rennen neutralisiert, könnte Vettel - sollte er noch Benzinreserven haben - der lachende Dritte sein.

Doch selbst dann scheint es unwahrscheinlich, dass der Red-Bull-Pilot am Mercedes vorbeifahren kann. Die Topspeed-Unterschiede sind weiterhin eklatant. Alleine auf der langen Geraden vor Start und Ziel verliert Vettel eine halbe Sekunde. Während Hamilton mit 334 Stundenkilometer die Lichtschranke passierte, hatte Vettel an der gleichen Stelle nur 325,1 km/h auf dem Display stehen. Mit Windschatten kam Vettel am Freitag übrigens auf Rang 8 in der Topspeed-Wertung, im Qualifying reicht es nur zu Platz 18.

FahrerGeschwindigkeit [km/h]Motor
1. Sergio Perez337,7Mercedes
2. Felipe Massa337,5Mercedes
3. Valtteri Bottas335,6Mercedes
4. Lewis Hamilton334,0Mercedes
5. Nico Rosberg333,6Mercedes
6. Nico Hülkenberg333,4Mercedes
7. Daniil Kvat332,0Renault
8. Jean-Eric Vergne331,7Renault
9. Kevin Magnussen331,5Mercedes
10. Jenson Button330,3Mercedes

Angesichts dieser Werte muss der Blick eher nach hinten gehen. "Es wird für uns eine Herausforderung, in den ersten Runden vor Williams zu bleiben. Sie haben den besten Topspeed überhaupt", weiß Marko. "Wenn sie auf der Geraden hinter uns sind, dann fahren sie unweigerlich vorbei." Das Ziel muss es sein, bis Runde drei mehr als eine Sekunde Vorsprung auf Bottas und Massa zu haben - sonst drohen Attacken mit DRS.

Doch den Williams nur auf seine hohe Endgeschwindigkeit zu reduzieren, wäre nicht ganz fair. Bei den Longruns zeigte Felipe Massa auf dem Soft-Reifen eine unglaublich gute Vorstellung. Der Brasilianer war deutlich schneller als alle anderen Mercedes-Verfolger. Da im Rennen wohl überwiegend der weiche Reifen zum Einsatz kommt, ist Williams alleine schon deshalb ein heißer Kandidat für das Podium.

Und dann kommt noch ein entscheidender Faktor dazu: der Spritverbrauch. Der Niedrige Luftwiderstand hat nicht nur guten Topspeed zur Folge, sondern auch einen niedrigeren Spritverbrauch. Williams ist in dieser Disziplin Klassenprimus, auch besser als Mercedes. Auf der für das Benzinlimit von 100 Kilogramm schwierigsten Strecke im Kalender ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Was macht Ferrari?

Die Aussichten für Ferrari sind nicht rosig - Foto: Sutton

Ein Ferrari auf dem Podium? Unwahrscheinlich bis unmöglich. Alonso ist nur marginal schneller auf der Geraden als Vettel - dazu fehlt einfach weiterhin Downforce. Auch die Longrun-Analyse hat gezeigt, dass Ferrari wohl nicht mit Williams mithalten kann - hier war noch eher Red Bull in Reichweite. Die höheren Temperaturen am Samstag scheinen der Scuderia nicht gut bekommen zu sein. Am Sonntag soll es noch wärmer werden.

Mercedes, Red Bull und Williams scheinen für die Mythosmarke außer Reichweite zu sein. Da helfen auch die zahlreichen Updates nichts, auf welchen alle Hoffnungen von Ferrari ruhten. Vor allem Kimi Räikkönen wird sich wohl eher mit Jean-Eric Vergne, Jenson Button und Nico Hülkenberg abgeben müsse. Und Räikkönens Spezialfreund Kevin Magnussen steht direkt hinter dem Finnen.


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