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Formel 1 - Interview - Ex-Renningenieur: Rosberg musste Egoismus lernen

Mischung aus Schumacher & Frentzen

Peter Sieber, Nico Rosbergs Renningenieur aus Formel BMW-Zeiten, sprach mit Motorsport-Magazin.com über dessen Entwicklung.
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Motorsport-Magazin.com - Sie waren Nico's Renningenieur in Formel BMW-Zeiten (2002), haben damals mit ihm die Meisterschaft gewonnen. Heute kämpft er um den WM-Titel in der F1. Würden Sie ihr Geld auf ihn wetten?
Peter Sieber: Ja, ich würde auf Nico wetten. Lewis Hamilton hat einen unglaublichen Speed - das steht außer Frage. Aber Nico ist sehr intelligent. Ich bin überzeugt, dass er noch einige Sachen herausfiltern und sich noch steigern wird.

Konnte man damals schon sein Talent erkennen?
Peter Sieber: Auf jeden Fall hat man seinen Grundspeed und seine Intelligenz gesehen. Ich bin damals frisch ins Team dazu gestoßen - mit jedem Rennen haben Nico und ich besser zusammengearbeitet und uns gesteigert.

Seinen Grundspeed und seine Intelligenz hat man damals schon gesehen
Peter Sieber

Heute gilt Nico als technisch sehr versiert. Hat er sich damals schon für die Technik der Autos interessiert?
Peter Sieber: Vom Kopf her war er damals schon sehr ausgereift. Ein Interesse an der Technik war da. Er hat alles, was man ihm gesagt hat, aufgesaugt.

Sie pflegen bis heute ein freundschaftliches Verhältnis mit Nico. Hat er sich mit den Jahren verändert?
Peter Sieber: Das letzte Mal habe ich ihn in Hockenheim beim DTM-Saisonauftakt getroffen. Natürlich hat er sich verändert, allerdings zu seinem Vorteil. Er ist ein junger Mann geworden. Als wir zusammengearbeitet haben, war er noch ein Jugendlicher. Mit den Jahren ist er reifer geworden. Jetzt weiß er genau, was er will.

Bis zu seinem Parkmanöver im Monaco-Qualifying hat man Rosberg stets vorgeworfen zu nett zu sein.
Peter Sieber: Als ich Nico kennengelernt habe, war er ein sehr netter und fairer Sportsmann. Ich denke, er musste noch lernen egoistischer zu sein und für sich zu arbeiten. Mit Freundschaft und dem Versuch es jedem Recht zu machen, kommt man nicht weit. Ich denke, dieses Umdenken entwickelt sich gerade bei ihm.

Nico musste noch lernen egoistischer zu sein und für sich zu arbeiten
Peter Sieber

Sie haben in Ihrer Motorsport-Laufbahn auch mit Michael Schumacher und Heinz-Harald Frentzen zusammengearbeitet. Wenn Sie die Drei im Nachhinein vergleichen - wer stach heraus?
Peter Sieber: (lacht) Alle Drei sind verschieden gewesen. Ich würde sagen, Nico ist eine Mischung aus Heinz-Harald und Michael. Heinz-Harald hatte einen unfassbaren Speed, Michael war unglaublich fleißig und hat es verstanden in seine Richtung zu arbeiten. Er hat wichtige Komponenten herausgefiltert und es sehr früh verstanden, das Team auf seine Seite zu ziehen. Michael war chemisch gereinigt wie man so schön sagt und Heinz-Harald war vom Speed her ein sehr, sehr schneller Mann.

Auch mit Michael Schumacher verbindet Sie ein freundschaftliches Verhältnis. Verfolgen Sie seinen Gesundheitszustand?
Peter Sieber: Sicher. Was mit ihm passiert ist, ist sehr tragisch. Wir beide haben unsere Motorsportkarrieren zusammen gestartet, damals in der Formel Ford und Formel König. Dort haben wir unsere ersten Erfolge gefeiert, später dann auch in der Formel 3. Bei ihm ging der Weg weiter in die Formel 1, bei mir schlug der Weg eine normalere Richtung ein. Das letzte Mal habe ich ihn beim F1-Test in Barcelona gesehen. Ich wünsche mir für Michael, dass er irgendwann so fit ist, dass er für seine Familie da sein kann. Das ist das Wichtigste.


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