Formel 1 - Ecclestone liebäugelt mit Abschied

Keine Lust auf Ethik-Ausschüsse

Bernie Ecclestone liebäugelt mit einem Abschied. Doch dafür sei nicht der bevorstehende Prozess, sondern moderne Unternehmensstrukturen verantwortlich.
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Motorsport-Magazin.com - 83 Jahre ist Bernie Ecclestone alt. Noch in diesem Jahr feiert der Formel-1-Zampano seinen 84. Geburtstag. Ein Alter, in dem die meisten wohl nicht mehr an Arbeit denken. Ecclestone leitet noch immer die Geschicke der Formel 1. Doch das könnte bald zu Ende sein. Nachdem feststand, dass in München Anklage gegen das Urgestein erhoben wird, trat er bereits von seinem Amt zurück - jedoch nur formal, Ecclestone leitet weiterhin die Geschicke.

"Am Ende des Jahres bin ich 84 und ich muss dann einmal Überlegungen anstellen", so Ecclestone gegenüber britischen Medien und führte weiter aus: "Will ich in meinem 85. Jahr das machen, was ich zuvor verdammt noch mal wie viele Jahre gemacht habe? Das ist etwas, worüber ich ernsthaft nachdenken muss."

Kein Zusammenhang mit Bestechungs-Prozess

Dem Ehtik-Ausschuss Rede und Antwort stehen? Nicht mit Bernie Ecclestone - Foto: Sutton

Mit dem Prozess, der schon bald vor dem Münchner Landgericht verhandelt wird, sollen diese Gedanken aber nichts zu tun haben. Vielmehr stören ihn die Arbeitsabläufe des heutigen Business. "Damals kannte ich so etwas wie Unternehmensführung, verschiedene Gremien oder Ethik-Ausschüsse nicht und musste nicht an weiß Gott noch welche Aufsichtsräte berichten. Ich habe nie jemandem berichtet", gestand Ecclestone.

So kommt es und das gefällt mir nicht.
Bernie Ecclestone

Der Brite kann sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, nur mit eingeschränkter Macht den Zirkus zu lenken. "Mit der Zeit werden wir immer weiter eingeschränkt. So ist es nun einmal. So kommt es und das gefällt mir nicht." Seit seinem formalen Rücktritt verfügt der 83-Jährige nicht mehr über uneingeschränkte Macht, muss wichtige Entscheidungen mit der Unternehmensführung abstimmen.

Gerüchten, wonach CVC, der kommerzielle Rechteinhaber der Formel 1, seine Anteile verkaufen soll, sieht Ecclestone gelassen entgegen. "Wir hatten in den letzten 15 Jahren fünf oder sechs verschiedene Aktionäre. Das bedeutet fünf oder sechs verschiedene Bosse. Und ich habe das Unternehmen immer so geleitet, wie ich es dachte, dass es zu leiten wäre."

Keine Tracht Prügel

"Sobald das einmal nicht mehr so sein sollte, werde ich aufhören", kündigte er an. Ecclestone nimmt es locker, finanziell ist er schließlich mehr als unabhängig: "Wenn Donald [McKenzie, Mitbegründer und Vorsitzender von CVC] seine Anteile an jemand anderen verkauft und ich mit dem Käufer nicht einverstanden bin, dann gehe ich. Ich muss ja nicht bleiben."

So dass man nicht mit einer anständigen Tracht Prügel aus dem Ring geht.
Bernie Ecclestone

Großartig Probleme hätte Ecclestone mit einem Rücktritt aber nicht nur aus finanzieller Sicht nicht. Gefragt, ob es ihm wie vielen großen Sportlern schwer falle, die große Bühne zu verlassen, meinte er nur schlicht: "Wie sie wissen, machen sie es trotzdem. Das wichtige daran ist nur zu wissen, wann man die Handschuhe an den Nagel hängt. So dass man nicht mit einer anständigen Tracht Prügel aus dem Ring geht."


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