Tipp

Formel 1 - Kommentar: Leichter fährt schneller

Trainier mehr, iss weniger

In der Formel 1 hält der Gewichtswahn Einzug. Nach dem Motto 'leichter fährt schneller' versuchen die Piloten möglichst wenig zu wiegen.
von

Motorsport-Magazin.com - "Moment, sehe ich etwa fett aus?", fragt Nico Rosberg im Scherz als ein Journalist Teamkollege Lewis Hamilton auf seinen Gewichtsverlust im Winter anspricht. Doch der neue Gewichtswahn in der Formel 1 ist alles andere als ein Spaß. Hamilton scheint nach seiner Diät weniger Körperfett zu haben als Immer-Mal-Wieder-Freundin Nicole Scherzinger. "Trainier mehr, iss weniger", bringt Valtteri Bottas den aktuellen Lifestyle der Piloten auf den Punkt.

Hamilton hat sichtlich abgenommen - Foto: Sutton

Zwar wurde das Maximalgewicht von Auto und Fahrer aufgrund des deutlich schwereren Antriebsstrangs auf 691 Kilogramm (früher 642 kg) angehoben, dennoch hielt sich jeder Fahrer über die Wintermonate an einen strikten Fastenplan. Seit 2009 - der Einführung des KER-Systems - hält der Gewichtswahn in der Königsklasse des Motorsports Einzug. Robert Kubica war einer der Ersten, die erkannten wie entscheidend eine gute Gewichtsverteilung im Auto ist und welchen Einfluss eine gute Ballastverteilung auf die Balance hat.

Der Pole nahm damals innerhalb von sechs Wochen sieben Kilo ab. Die einfache Rechnung: was der Pilot an Kilogramm verliert, kann in Form von Ballast hinzugefügt werden - das macht das Auto schneller. Bei einer Größe von 1,85 m wog Kubica 69 Kilo - 16 Kilo unter Normalgewicht. Heutzutage wird das Gewicht des Fahrers genauso streng gehütet wie die Telemetriedaten. "Im Fahrerlager gibt niemand auf die Gewichtsfrage eine ehrliche Antwort. Fakt ist, dass das Reglement so aggressiv ist, dass es kein Team mit dem Auto auf das Mindestgewicht schaffen wird. Deshalb muss der Fahrer so leicht sein, wie es nur geht", betont Rosberg.

Durchtrainierte Sportler nicht mehr im Trend

Im Fahrerlager wird vermutet, dass der Mercedes-Pilot bei einer Größe von 1,78m nur noch 65 Kilogramm wiegt. Der Trend der vergangenen 30 Jahre hin zum durchtrainierten Sportler hat damit endgültig sein Ende gefunden. Als konsequentester Vorreiter galt Michael Schumacher, der in seinem transportablen Studio jede freie Minuten an der Optimierung seiner körperlichen Fitness arbeitete. Niki Lauda suchte nach seinem Feuer-Unfall 1976 Rat bei Österreichs Gesundheitsguru Willi Dungl und dessen Askese-Lehre. In den Jahren darauf folgten diesem Beispiel Top-Stars wie Ayrton Senna, Jacques Villeneuve, Mika Häkkinen oder eben Schumacher.

In der aktuellen Formel 1 bekommt der von vielen Fahrern gern genutzte Spruch 'Ich bin hungrig auf den Titel' eine ganz neue Bedeutung. Es bleibt zu hoffen, dass der Magerwahn nicht solche Auswüchse annimmt wie in manch anderen Sportarten. Im Skispringen fand das Wetthungern erst ein Ende, nachdem Fotos eines deutschen Springers in Badehose auftauchten und nachhaltig schockierten. Der Leistungssportler sah wie ein Kind in Afrika aus, für das Karlheinz Böhm dringend Spenden sammeln muss.


Weitere Inhalte:

Facebook
Wir suchen Mitarbeiter
x