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Formel 1 - Saisonbilanz 2013: Sauber

Saisonziel deutlich verfehlt

Die Saison ist beendet und alle Titel wurden vergeben. Motorsport-Magazin.com analysiert die Leistungen der Fahrer und Teams 2013. Heute: Sauber.
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Motorsport-Magazin.com - Für den Schweizer Formel-1-Rennstall Sauber entpuppte sich das Jahr 2013 als 'Geschichte der zwei Hälften'. Eine deutliche Steigerung nach der Sommerpause verhinderte zwar ein blamables Abschneiden, dennoch blieb das Team weit hinter den eigenen Erwartungen zurück. Nach vier Podestplätzen, 126 Punkten und WM-Rang sechs im Vorjahr lautete Saubers Devise, mit allen Mitteln eine weitere Verbesserung zu erzielen. Viele negative Entwicklungen verhinderten jedoch ein besseres Abschneiden, sodass WM-Rang sieben letztlich Schadensbegrenzung und ein mit Blick auf den Saisonverlauf versöhnliches Ergebnis bedeutete.

Das Team: Sauber stand in der abgelaufenen Saison vor einer großen Herausforderung: mit begrenzten finanziellen und personellen Mitteln musste das Team den Spagat zwischen der Weiterentwicklung des aktuellen Autos sowie dem massiven Reglementumbruch 2014 bewältigen. "Ein Privatteam kann es sich nicht leisten, das Auto bei mangelndem Erfolg zu Gunsten des nächstjährigen Boliden aufzugeben", stellte Teamchefin Monisha Kaltenborn Mitte der Saison klar. "Unsere Zukunft hängt vom diesjährigen Resultat ab, denn wir müssen über die Endplatzierung so viel Geld erwirtschaften wie möglich."

Esteban Gutierrez hatte in seiner ersten Formel-1-Saison wenig zu lachen, fühlte sich zu Beginn regelrecht überfahren - Foto: Sutton

In der Tat waren neben den lediglich sieben WM-Punkten in der ersten Saisonhälfte vor allem große finanzielle Sorgen für Sauber Grund zur Beunruhigung. Erst im Juli rettete ein Sponsoren-Deal mit einem russischen Konsortium das Team vor dem finanziellen Aus. Die mangelnde Konkurrenzfähigkeit in den ersten Monaten dürfte jedoch noch nicht allzu sehr auf die Entwicklungsarbeit für 2014 zurückzuführen gewesen sein. Vielmehr stellten die neuen Pirelli-Reifen, Aerodynamik-Probleme, die Eingewöhnung auf die neuen Fahrer Nico Hülkenberg und Esteban Gutierrez, der Wechsel in der Führungsebene von Peter Sauber zu Kaltenborn sowie eine komplette Umstrukturierung in der Technikabteilung das Team vor große Herausforderungen, die erst nach und nach bewältigt werden konnten.

Das Auto: Trotz umfangreicher und intensiver Tests vor der Saison fuhr der C32 direkt vom ersten Rennen an den Vorschusslorbeeren und dem eigenen Anspruch hinterher. Mit einem neuen Chassis-Design sowie einer komplett neuen Hinterradaufhängung wollte Sauber einen deutlichen Schritt nach vorne machen. Dabei setzten die Designer auf extrem schmale Seitenkästen, welche die Anbringung der Kühler zu einem wahren Entwicklungspuzzle verkommen ließ. Das größte Problem des C32 war jedoch, die neuen Pirelli-Reifen ins optimale Arbeitsfenster zu bringen. Dies gelang in der Anfangsphase der Saison weder auf einer schnellen Runde noch auf Long Runs. Zudem erzielten mehrere aerodynamische Updates, wie etwa ein neuer Heckflügel in Barcelona, nicht die gewünschte Wirkung. Mittelmäßige Startpositionen und lediglich drei Punkteankünfte in der ersten Saisonhälfte waren das Resultat.

Unsere Zukunft hängt vom diesjährigen Resultat ab, denn wir müssen über die Endplatzierung so viel Geld erwirtschaften wie möglich
Monisha Kaltenborn

Als besonders problematisch entpuppte sich das neue Design hinsichtlich der aerodynamischen Performance, die das Reifenproblem noch verschärfte. "Der Luftfluss ist nicht exakt der, den die Ingenieure erwartet haben", räumte Hülkenberg mit Blick auf Saubers größte Schwachstelle in der ersten Saisonhälfte ein. Erst nach dem Wechsel auf die Vorjahres-Reifenkonstruktion zur Mitte der Saison und den entsprechenden Anpassungen im aerodynamischen Bereich blühte der C32 endlich auf. Ausschlaggebend war hierbei unter anderem der Wechsel von einer Semi-Coanda-Auspuff-Variante auf eine Voll-Coanda-Version aus dem Jahr 2012 bei den Young Driver Tests in Silverstone. Dieser Auspuff harmonierte bereits im vergangenen Jahr blendend mit den Pirelli-Reifenkonstruktionen von 2012.

Die Fahrer: Nico Hülkenberg war ohne jeden Zweifel einer der Fahrer der zweiten Saisonhälfte. Nachdem sein Arbeitsgerät konkurrenzfähiger war, blühte Hülkenberg auf. Platz fünf in Italien von Startrang drei stellte den Beginn einer beeindruckenden Serie bis zum Saisonende dar, in deren Verlauf Hülkenberg in weiteren sieben Rennen fünf Mal punktete und sich zudem fünf Mal in Folge zwischen die Startplätze vier und sieben qualifizierte. Hülkenberg erntete in der zweiten Saisonhälfte den Lohn für seine vorherigen Mühen und erzielte mit dem zehnten Platz in der Gesamtwertung seine bis heute beste Endplatzierung in der Formel 1. Die Redaktion von Motorsport-Magazin.com honorierte seine starken Leistungen mit dem siebtbesten Notendurchschnitt von 2,47.

Nico Hülkenberg hatte in der zweiten Saisonhälfte gut Lachen - Foto: Sutton

Rookie Esteban Gutierrez (Notendurchschnitt 3,57, Platz 17) hatte gegen Teamkollege 'Hulk' über die gesamte Saison hinweg einen schweren Stand und war größtenteils hoffnungslos unterlegen. In 19 Rennen platzierte sich der junge Mexikaner nur fünf Mal vor Hülkenberg und gewann gar nur ein einziges Qualifying-Duell - gleichbedeutend mit der schlechtesten Bilanz im Formel-1-Feld. Trotz stark verbesserter Performance des C32 in der zweiten Saisonhälfte reichte es für Gutierrez lediglich zu einer Punkteankunft in seinem Debütjahr - Rang sieben in Japan. Seine Zukunft im Team ist nach aktuellem Stand der Dinge mehr als fraglich. Nach Hülkenbergs Rückkehr zu Force India könnte Sauber somit im zweiten Jahr in Folge ein doppelter Fahrertausch bevorstehen.

Fazit: Sauber blickt richtungsweisenden und aufregenden Monaten entgegen und muss so schnell wie möglich Klarheit und eine deutliche Struktur hereinbekommen, soll die nächste Saison nicht ähnlich katastrophal beginnen wie die vergangene. Zumindest hat der Schweizer Rennstall bereits im Bereich der neuen Antriebsstränge Klarheit, denn schon vor einigen Wochen wurde diesbezüglich die weitere Zusammenarbeit mit Ferrari bekanntgegeben. Dem sympathischen Schweizer Rennstall bleibt zu wünschen, dass zum einen die extrem anspruchsvolle Entwicklungsarbeit für 2014 gelingt sowie bald eine schlagkräftige Fahrerpaarung für die nächste Saison präsentiert werden kann. Je länger Sauber ohne Piloten dasteht und noch mit Problemen an finanzieller Front kämpft, desto schwieriger erscheint eine Fortsetzung der starken zweiten Saisonhälfte. Samy Abdel Aal


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