Formel 1 - Schumacher/Hamilton: Unterdrückte Emotionen

Wachablösung bei Mercedes

Während Michael Schumacher einen gelungenen Abschluss seiner Karriere feiert, hatte Nachfolger Lewis Hamilton in Brasilien Pech. Mercedes läutet neue Ära ein.
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Motorsport-Magazin.com - 110 Rennen, 21 Siege, 26 Pole Positions und Weltmeister 2008. So lautet Lewis Hamiltons Bilanz nach sechs Jahren bei McLaren in der Formel 1. Gern hätte er seinem Team in Brasilien einen Sieg zum Abschied geschenkt, doch Nico Hülkenberg machte dem Briten mit seinem Crash einen Strich durch die Rechnung. Nach dem Rennen herrschte bei Hamilton ein Wechselbad der Gefühle: traurig über das Rennen, traurig über den Abschied, gleichzeitig aber auch gespannt auf die neue Herausforderung mit Mercedes. "Ich fühle mich persönlich wohl und freue mich jetzt auf den Winter", so Hamilton. "Ich glaube, dass ich einen guten Job gemacht und mein Bestes gegeben habe."

Eine bessere Arbeit hätte er seiner Meinung nach nicht abliefern können. Er beendete die Saison auf dem vierten Platz im Gesamtklassement - zwei Punkte vor seinem Teamkollegen Jenson Button. Sechsmal sah Hamilton im Jahr 2012 nicht die Ziellinie, in allen anderen Rennen fuhr er in die Punkteränge. "Ich hatte dieses Jahr ein bisschen Pech, es ging auf und ab", meinte er. "Aber so spielt das Leben." Trotz des Ausfalls bereitete das Team Hamilton einen emotionalen Abschied. Als er an die McLaren-Box kam, standen die Teammitglieder geschlossen auf und applaudierten dem scheidenden Hamilton.

Ich versuche, mich unter Kontrolle zu halten. Aber wenn ich zuhause bin, erwischt es mich wohl.
Lewis Hamilton

"Das Team hat mich so toll unterstützt und ich wünsche ihnen für die Zukunft alles Gute", bedankte sich Hamilton. "Ich weiß, dass McLaren nächstes Jahr ein sehr starkes Auto haben wird." Im Fahrerlager von Interlagos machte Hamilton trotz der Umstände einen relativ entspannten Eindruck. Die Trauer über seinen McLaren-Abschied ließ er sich kaum anmerken. Allerdings räumte er ein, eine gewisse Zeit zu brauchen, um alles zu realisieren. "Ich versuche, mich unter Kontrolle zu halten. Aber wenn ich zuhause bin, erwischt es mich wohl", sagte er mit einem Lächeln.

Abschied von Michael Schumacher: (2:00 Min.)

Wegen seines Vertrages muss Hamilton bis Januar warten, erst dann darf er die Arbeit bei seinem neuen Team beginnen. "Vielleicht lässt mich Martin ja früher gehen", richtete er eine indirekte Bitte an Teamchef Whitmarsh. Hamilton war gespannt darauf zu erfahren, wie weit Mercedes mit der Entwicklung des W04 Silberpfeils ist. Sein neuer Teamkollege Nico Rosberg erhoffte sich vom neuen Auto eine Verbesserung und die Chance, wieder anzugreifen. "Ich mag Nicos Optimismus und freue mich darauf, mit ihm zu arbeiten", sagte Hamilton über seinen Kart-Kollegen aus vergangenen Zeiten.

Vielleicht wird es etwas sentimentaler, wenn ich nachher einen Drink mit den Mechanikern nehme und sie umarme - aber ich freue mich auch auf das Leben nach der Formel 1.
Michael Schumacher

Der eine kommt, der andere geht. Michael Schumacher macht bei Mercedes Platz für Hamilton und freut sich darauf, etwas Abstand zur Formel 1 zu gewinnen. Mit speziellen T-Shirts und etwas Sekt feierte die Truppe den Abschied des erfolgreichsten F1-Piloten der Geschichte. Während Nachfolger Hamilton in Brasilien ausfiel, kämpfte sich Schumacher trotz beschädigtem Unterboden auf den siebten Platz vor. Trotzdem gab es Parallelen zu Hamilton, denn der 43-Jährige versuchte ebenfalls, cool zu bleiben. "Vielleicht wird es etwas sentimentaler, wenn ich nachher einen Drink mit den Mechanikern nehme und sie umarme - aber ich freue mich auch auf das Leben nach der Formel 1", so Schumacher.

Für den scheidenden Champion gab es zum Abschluss warme Worte. Norbert Haug sagte, dass das Team Schumacher stets als echten Teamplayer in Erinnerung behalte und Ross Brawn lobte seinen langjährigen Weggefährten, mit dem er so viele Erfolge verbuchen konnte. "Es war eine große Ehre für alle Teammitglieder - nur wer mit Michael zusammenarbeitet, versteht wirklich, warum er etwas Besonderes ist und sieben Weltmeistertitel gewonnen hat", so der Teamchef. "Wir werden Michael sehr vermissen und wir wünschen ihm für seine Zukunft alles erdenklich Gute."


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