Formel 1 - Das Problem mit der Testbeschränkung und dem V6

Genügt das Testen auf dem Prüfstand?

Dank Testbeschränkungen könnte es schwierig werden, die neuen V6-Motoren vor Beginn der Testsaison 2014 zu testen. Ein Problem?
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Motorsport-Magazin.com - Die Teams der Formel 1 müssen sich mit einem relativ interessanten Problem befassen: wie wollen sie mit neuen Motoren in die Saison 2014 gehen, wenn sie vorher eigentlich keine Gelegenheit hatten, sie zu testen? Denn 2013 wird es keinen Saison-Test mehr geben, es wird nur vor Saisonbeginn getestet und weitere Testfahrten sind nicht geplant - mit Ausnahme des Young Driver Tests höchstens. "Es wurde viel darüber gesprochen, ob wir etwas machen, was als Mule Car bezeichnet wird, um damit nächstes Jahr den Motor einzusetzen", sagte McLaren-Technikdirektor Paddy Lowe.

Eigentlich sind sich die meisten Teams einig, dass wir keine Mule Cars haben werden
Paddy Lowe

Dazu gab er aber zu bedenken, dass es sehr teuer ist, ein Mule Car zu bauen, also ein Auto, das nicht völlig neu ist, aber so modifiziert wurde, um den neuen Ansprüchen gerecht zu werden. Das betrifft nicht nur den Umbau an sich, sondern auch die dafür benötigten personellen Ressourcen. "Eigentlich sind sich die meisten Teams einig, dass wir keine Mule Cars haben werden. Die Regeln würden aktuell ohnehin verhindern, dass ein Mule Car einen Vorteil bringt und wir planen nicht, einen neuen Test einzuführen, der mit Mule Cars gefahren wird. Daher ist die Frage: können wir in eine Saison mit einem neuen Motor gehen, ohne ihn auf der Strecke getestet zu haben?", stellte Lowe die Frage.

Prüfstände besser als früher

Dadurch wäre viel Gewicht auf die Prüfstand-Tests gelegt, wobei der Technikdirektor betonen musste, dass im Vergleich zur Einführung früherer Motoren heutzutage die Test-Technologie viel besser ist. "Ich glaube, die Hersteller und Teams sind der Meinung, dass es realistisch ist, diese Triebwerke einzuführen, ohne dass man spezielle Autos braucht, damit man etwas über sie herausfindet. Wir werden aber sehen. Wenn es näher an den Start geht und die Angst größer wird, werden vielleicht verschiedene Abkommen getroffen, aber im Moment scheint man sich einig zu sein." Nicht ganz zustimmen wollte ihm dabei Mattia Binotto, der bei Ferrari auf Motorenseite agiert.

Die ganze Dynamik des Autos, die Gangwechsel, Bodenwellen, was auch immer. Das ist alles anders als am Prüfstand
Mattia Binotto

Er betonte, dass er durchaus Interesse daran hätte, ein neues Triebwerk schon vorzeitig auf der Strecke begutachten zu können, da die Erkenntnisse am Auto immer anders sind als am Prüfstand. "Die ganze Dynamik des Autos, die Gangwechsel, Bodenwellen, was auch immer. Das ist alles anders als am Prüfstand, also haben wir alle Angst, dass man zu Beginn der Saison ein großes Problem mit dem Motor und dem Antriebsstrang hat und es keine Zeit gibt, das zu beheben. Andererseits ist es für alle Hersteller gleich, also wie auch immer entschieden wird - und das werden die Teams entscheiden -, wir werden es akzeptieren und das Beste draus machen", sagte er.

Cross-Nutzung

Eine andere Idee wäre es, ein Formel-1-Auto mit Verkleidung auszustatten und damit in Le Mans mitzufahren. Ross Brawn fand das durchaus interessant, wobei er auch da große Investitionskosten sah. "Ich glaube, nicht viele von uns würden so etwas machen, denn ein Langstreckenmotor kann etwas anders als ein F1-Motor sein. Wir müssen unsere Motoren aber langlebiger machen, also gehen wir in diese Richtung. Die Cross-Nutzung des Motors in verschiedenen Kategorien ist sehr gut und könnte bei den Investitionen in neue Triebwerke helfen", sagte der Mercedes-Teamchef. Lowe ergänzte dazu, dass so etwas aber nie diskutiert wurde, wobei er die Richtung aber auch gut fand, da die Formel 1 ja Technologien bringen soll, die relevant für Autohersteller sind. "Wenn dem so ist, dann muss das auch in anderen Motorsport-Serien so sein. Wenn wir also Wege finden, den gleichen Motor in anderen Formeln einzusetzen, dann muss das eine tolle Idee sein."


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