Auftakt mit Hindernissen: Die neue Rallye-Saison hatte noch gar nicht richtig angefangen, da wurden die Piloten in ihrem Vorwärtsdrang empfindlich gestört. Das große Zuschaueraufkommen und ein falsch geparkter Reisebus sorgten dafür, dass der Großteil des Teilnehmerfeldes die ersten beiden Wertungsprüfungen (WP) am Freitagmorgen nicht in Angriff nehmen konnten. Die nächsten beiden WP wurden sogar komplett abgesagt. Die Protagonisten der Rallye-WM ließen sich von dem organisatorischen Durcheinander aber nicht aus der Ruhe bringen. Sie lieferten sich stattdessen packende Duelle und unterstrichen damit einmal mehr, warum die Veranstaltung rund um die Mittelmeer-Metropole Monaco zu Recht als "Königin der Rallyes" gilt.

Der amtierende Weltmeister mit Licht und Schatten am ersten Tag

Vor allem Sébastien Loeb fuhr am Freitag ins Rampenlicht: Der Weltmeister der vergangenen beiden Jahre wählte bei schwierigsten Witterungs- und Straßenverhältnissen stets die richtigen Reifen aus dem BFGoodrich Sortiment. Bis zum Abend des ersten Tages erarbeitete sich der Elsässer mit seinem Citroën Xsara WRC einen Vorsprung von über einer Minute auf seinen ärgsten Verfolger Marcus Grönholm im Ford Focus WRC. Doch dann unterlief dem sonst so zuverlässigen Loeb ein Fehler: Auf WP 6 kam er von der Strecke ab und konnte das Etappenziel anschließend nicht mehr aus eigener Kraft erreichen. "Ich dachte nicht, dass es an dieser Stelle derart rutschig sein könnte", gab sich Loeb uneingeschränkt die Schuld an dem Unfall. "Ich war viel zu schnell unterwegs. Wir drehten uns und rutschen rückwärts einen Abhang hinunter. Wir sind aber nirgendwo angeeckt, sodass der Wagen nicht allzu sehr beschädigt ist." Nachdem die Mechaniker seinen blauen Turbo-Allradler in einer Nachtschicht wieder instand setzten, konnte der "Monte"-Sieger der vergangenen drei Jahre das Rennen gemäß der "SupeRallye"-Regelung am Samstagmorgen wieder aufnehmen - musste dabei allerdings einen Fünf-Minuten-Zeitstrafe für eine nicht beendete WP in Kauf nehmen.

Größter Nutznießer des Loeb-Missgeschicks: Marcus Grönholm, der als Führender in den zweiten Tag startete. "Ich kann es kaum glauben", bekannte der Finne, der die Rallye Monte Carlo traditionell nicht zu seinen Lieblingsveranstaltungen zählt, am Freitagabend. "Ich komme mit den Bedingungen hier einfach nicht zurecht und lasse es daher immer sehr vorsichtig angehen. Ich bin heute gefahren wie meine eigene Großmutter." Rund anderthalb Minuten hinter ihm führten Subaru-Pilot Chris Atkinson sowie die BFGoodrich Partner Toni Gardemeister (Peugeot), Gilles Panizzi (Skoda) und Manfred Stohl (Peugeot) das Verfolgerfeld an.

Trotz seines - nach eigenen Angaben - "Oma-haften" Fahrstils baute Grönholm seinen Vorsprung mit konstant schnellen Zeiten am Samstag immer weiter aus. Hinter ihm begeisterten Stohl und Gardemeister die Fans mit ihrem packenden Zweikampf um Platz zwei. Die beiden BFGoodrich-bereiften Peugeot-Bändiger schenkten sich nichts und tauschten mehrfach die Positionen. Besonders beeindruckend: Auf der neunten WP schenkte Stohl seinem Kontrahenten mit der vierbesten Zeit auch dank der besseren Reifenwahl rund 27 Sekunden ein. Umso mehr muss es den Österreicher geärgert haben, dass ausgerechnet die elfte Prüfung - eine erneute Durchfahrt der neunten WP - aufgrund zu großen Zuschaueraufkommens abgesagt werden musste. Am Ende der Samstagsetappe musste sich Stohl mit dem dritten Rang zufrieden geben - drei Sekunden hinter seinem Kontrahenten Gardemeister.

"Wenn ich auf das Podium will, muss ich Gardemeister wohl unbedingt hinter mir lassen", ahnte Stohl bereits am Samstagabend. "Das wird schwer genug, denn er kennt die Rallye Monte Carlo als Zweiter des Vorjahres bestens. Aber wenn Sébastien Loeb weiter so fährt wie heute, wird er kaum zu stoppen sein." In der Tat münzte Loeb die Wut über seinen Ausrutscher vom Vortag in positive Energie um: Der Elsässer setzte auf allen fünf gefahrenen Samstags-WP die Bestzeit und arbeitete sich von Platz acht bis auf die vierte Position nach vorne. "Ich traf auch heute wieder die jeweils richtige Reifenwahl", freute sich "Super-Séb". "Ich muss zwar härter arbeiten, als mir eigentlich lieb ist - aber es macht richtig Spaß."

Spannende Duelle bis ins Ziel

Loeb schien derart viel Freude an seiner Arbeit gefunden zu haben, dass er am Schlusstag der "Monte" exakt da weitermachte, wo er am Samstag aufgehört hatte. Mit drei Bestzeiten auf den ersten vier WP setzte er seine Aufholjagd mit Riesenschritten fort. Lediglich auf der 14. WP musste er Gardemeister um fünf Sekunden den Vortritt lassen. Nach der 15. Wertungsprüfung hatte sich Loeb zunächst an Stohl vorbei auf Rang drei verbessert. Auf der 18. und finalen WP schnappte er sich schließlich auch noch Gardemeister. Der Finne durfte sich aber dennoch über einen Podestplatz freuen. Er konnte den dritten Rang gegen den heranstürmenden Stohl verteidigen, der sich auf den abschließenden beiden Wertungsprüfungen jeweils die Bestzeit notieren ließ. "Von meinen ersten beiden WP-Bestzeiten werde ich sicher noch meinen Enkeln erzählen", strahlte Stohl.

Als mit Abstand glücklichster Fahrer im Ziel präsentierte sich aber Marcus Grönholm: "Ein fantastischer Sieg", strahlte der Weltmeister der Jahre 2000 und 2002, der bei seinem ersten Auftritt im Ford Focus WRC seinen ersten Asphalt-Sieg einfahren konnte. "Ich habe heute nichts mehr anbrennen lassen, sondern nur noch meinen Vorsprung verwaltet." Grönholms Teamchef Malcolm Wilson war voll des Lobes für seinen Angestellten: "Eine unglaubliche Leistung. Es ist eigentlich völlig gegen seine Art, sich beim Fahren derart zurückzunehmen. Er fährt eigentlich immer auf Attacke. Deshalb glaube ich, dass wir an diesem Wochenende noch nicht einmal alles gesehen haben, was mit der Kombination Grönholm-Ford möglich ist."