Lichter blinken in der Ferne, Raketen und Feuerwerkskörper schießen durch den Nachthimmel, Grill- und Feuerstellen flackern am Streckenrand. Beim 24-Stundenrennen schläft der Nürburgring nie. In der Nacht gibt es selbst als Fahrer genug zu sehen, und ganz ehrlich: ein bisschen schauen musst du auch. Denn nur so erkennst du, ob es sich bei dem Warnlicht da vorne um einen Streckenposten auf der Fahrbahn oder einen Fan neben dem Kurs handelt. Im Laufe der 24 Stunden bekommst du einiges mit, egal ob du es möchtest oder nicht.

Prinzipiell habe ich kein Problem damit, nachts zu fahren. Schwierig wird es nur, wenn die Wetterverhältnisse nicht optimal sind. Dann ist jede Runde anders: bei der einen Durchfahrt ist der Streckenabschnitt nass, bei der nächsten ist die Ideallinie schon wieder trocken, dafür jedoch irgendwo ein anderes Stück nass. Unter solchen Bedingungen mit Slicks zu fahren, ist nicht leicht. In der Nacht erkennst du nicht sofort, ob die Ideallinie trocken oder nass ist. An manchen Stellen spähst du nach vorne und versuchst herauszufinden, ob die Strecke heller oder dunkler ist, sprich trocken oder feucht.
Die Nordschleife an sich gefällt mir sehr gut, egal ob bei Tag oder Nacht. Sie ist etwas Spezielles im Rennkalender und ich freue mich jedes Jahr darauf, bin aber danach auch jedes Jahr froh, wenn ich das Auto heil nach Hause gebracht habe. Hier ist die Gefahr größer, mit einem kleinen Fehler das Auto zu verlieren. Es gibt nicht viel Platz zum Korrigieren und die Leitplanken kommen sehr, sehr schnell näher. Ein Abflug ist meistens mit einem relativ großen Schaden verbunden. Trotzdem macht es riesig Spaß.
Im 24 Stundenrennen hatte ich nur zwei kritische Situationen zu meistern. Als der Nieselregen in der Nacht einsetzte, kam ich mit den Slicks auf nasser Fahrbahn ins Rutschen, aber ich hatte Glück, dass dort zwei, drei Meter Wiese waren, so dass ich das Auto abfangen konnte. Später gingen die Dämpfer an der Hinterachse auf der Döttinger Höhe kaputt. Das Auto fing wie wild an zu springen und drehte sich in der Luft, aber auch diesmal konnte ich es abfangen. Ich hatte schon vorher bemerkt, dass etwas nicht stimmte und war vorsichtshalber etwas langsamer gefahren, so dass ich nicht mit Höchstgeschwindigkeit abhob.
Die Doppelbelastung eines Starts in der Mini Challenge und beim 24h Rennen hielt sich für mich in Grenzen. In der Mini Challenge war das Programm relativ gut verteilt und weil ich vorher schon drei 24 Stundenrennen bestritten hatte, wusste ich ziemlich genau, was auf mich zukommen sollte. In der Nacht konnte ich sogar fast zwei Stunden schlafen und auch am Morgen habe ich mich noch einmal eine gute Stunde hinlegen können. Wirklich müde war ich aber nicht, das holt dich meistens erst nach Rennende ein. Viel Zeit zum Schlafen blieb uns sowieso nicht, da wir nur drei statt vier Fahrer auf unserem Auto waren und jeder nur einen anderthalb Stunden Stint gefahren ist. Somit blieben gerade einmal drei Stunden, bis ich wieder ins Auto musste. Diese Zeit verging wie im Flug: kurz mit den Mechanikern sprechen, etwas trinken, eine Kleinigkeit essen, den Rennanzug aufhängen, kurz hinlegen und schon musste ich wieder aufstehen.

Gelohnt hat es sich auf jeden Fall. Zu Beginn wussten wir überhaupt nicht, was auf uns zukommen würde. Das Auto wurde erst spät fertig und wir hatten so gut wie keine Möglichkeit, es vorher zu testen und Kinderkrankheiten auszusortieren. Das hat uns mit den Dämpferproblemen und einigen anderen Kleinigkeiten natürlich eingeholt. Dennoch sind wir sehr zufrieden, dass Auto ins Ziel gebracht zu haben. Klar, es wäre einiges mehr möglich gewesen, aber für die geringe Erfahrung, die wir mit dem Auto auf der Nordschleife hatten, war es sensationell, was das Team auf die Beine gestellt hat.
Beim Auto spürte ich eindeutig einen Unterschied zum normalen Mini Challenge-Auto. Durch das andere Fahrwerk und die anderen Reifen war das Fahrverhalten ganz anders. Natürlich wird es wie ein Fronttriebler gefahren, aber es hatte viel mehr Grip, lag besser auf der Straße und schluckte die vielen Unebenheiten der Nordschleife viel besser. Es ließ sich angenehmer fahren als das Challenge-Auto, das viel unruhiger lag und viel öfter den Bodenkontakt verlor.
Weil das Mini Challenge-Rennen auf der Nordschleife nur über vier Runden ging, musste ich mich etwas umstellen. Lange warten, überlegen, den Gegner etliche Runden beobachten und genau studieren, an welcher Stelle du schneller bist - das geht alles nicht. Du musst mehr riskieren, wenn du eine Lücke siehst sofort rein stechen. Alles muss ein bisschen früher und schneller passieren. Andererseits kann es sich durchaus auszahlen, nicht allzu ungeduldig zu sein. Harakiri-Aktionen sind auch hier nicht der beste Weg. Die meisten Fahrer kennen die Nordschleife nicht so gut wie andere Strecken, auch sind die Streckenbedingungen oft schwierig. Daraus resultieren mehr Fehler. Die Herangehensweise ist also etwas anders als bei einem 30 Minutenrennen auf einer deutlich kürzeren GP-Strecke.
Wichtig ist, den Kontakt zur Spitzengruppe nicht zu verlieren. Der lässt sich ohne Windschatten kaum wiederherstellen; obwohl es einige Passagen geben würde, wo du andere Fahrer ausbremsen könntest. Genau das ist mir leider im Rennen passiert: ich fuhr nah hinter Jürgen Schmarl, als er auf der ersten Runde Ende der Döttinger Höhe vor mir abflog und in die Leitplanken krachte. Um eine Kollision mit seinem Auto zu vermeiden, musste ich voll in die Eisen steigen. Auf diese Weise kamen zwei Autos von hinten an mich heran und ich verpasste den Anschluss nach vorne. Damit war das Rennen für mich früher als erwartet gelaufen. Es gab keine Chance mehr, an die Spitzengruppe heranzufahren. Mit Platz 8 konnte ich wieder Punkte sammeln, aber etwas mehr hatte ich mir schon erhofft. Aber auch diese Besonderheit gehört zur Nordschleife dazu - genauso wie die vielen Lichter in der Nacht.

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