Jeder Rennfahrer will so viel wie möglich im Auto sitzen, testen und Rennen fahren. Letztes Jahr konnte ich nicht immer so viel fahren, wie ich es gerne gehabt hätte - das sieht dieses Jahr anders aus, ich starte gleich in zwei Rennserien. Es gibt also keinen Grund, mich zu beklagen.
Viel mehr hatte ich zwischen Dezember und März mit meiner Diplomarbeit zu schnaufen, die doch sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat. Ich bin froh, dass dieser Stress endlich vorbei ist. In dieser Hinsicht kommt mir mein Doppelengagement in der Mini Challenge und dem Porsche Sports Cup Endurance sehr gelegen, denn so kann ich mich parallel in Ruhe auf meinen FH-Abschluss im Sommer konzentrieren und trotzdem mehr Rennpraxis sammeln. Das heißt aber nicht, dass ich nicht mehr in den Carrera Cup zurückkehren möchte - das ist für 2009 fest eingeplant.
Unbekannte Serie, bekanntes Auto
Der Porsche Sports Cup Endurance bietet mir die perfekte Gelegenheit, mich auf die nächste Saison vorzubereiten. Ich fahre mit dem gleichen Auto mit dem ich letzte Saison im Carrera Cup angetreten bin. Es gibt ein paar kleine Änderungen, aber die sind nicht so entscheidend, wie es bei einem anderen Modell der Fall gewesen wäre. Klar, ich möchte zusammen mit meiner Teamkollegin Eve Scheer Erfolg haben, schließlich wollen wir nicht nur mitfahren, aber es spielt auch ein gewisser Trainingseffekt eine Rolle.
Die Rennen gehen über zwei Stunden, die ich zwar nicht komplett im Cockpit sitzen werde, aber mit einer guten Stunde bin ich doch sehr viel länger unterwegs als bei einem Sprintrennen. So bekomme ich viel Fahrzeit, kann viele Kilometer zurücklegen und mich noch mehr an den Porsche gewöhnen und Erfahrung sammeln. Gleichzeitig fahre ich nicht wie bei Testfahrten alleine gegen die Uhr, sondern habe ein echtes Rennwochenende mit Wettkampfcharakter.
Für die längeren Rennen muss ich mich sicher ein bisschen mehr vorbereiten, weil es natürlich einen Unterschied macht, ob ich "nur" 35 Minuten oder eine Stunde im Auto sitze - selbst wenn immer wieder Pausen dazwischen sind. Aber diese verbesserte Fitness und Kondition kommen mir ja zugute, wenn ich wieder kürzere Rennen bestreite.
Bekannte Serie, unbekanntes Auto

Letztes Jahr habe ich mich voll auf den Carrera Cup und den für mich unbekannten Porsche konzentriert. Dieses Jahr kenne ich den Porsche schon und nutze deshalb die Gelegenheit, in der Mini Challenge zusätzliche Rennpraxis zu sammeln. Die Umstellung zwischen den beiden Autos sollte kein Problem darstellen. Ich kenne den Porsche aus dem letzten Jahr und ich kenne den Mini aus zwei Jahren in der Mini Challenge - nach ein paar Runden sollte ich mich wieder zurechtfinden.
Etwas ist trotzdem neu: durch den Modellwechsel fahren wir dieses Jahr mit einem neuen Mini, aber das ist für alle Fahrer gleich. Mit dem alten Auto bin ich zuletzt einige Runden in Hockenheim gefahren, aber es bleibt das Fragezeichen, wie gut und wie schnell ich mit dem neuen Auto zurechtkommen werde. In diesem Punkt ist es vielleicht nicht ganz perfekt, dass ich zwischen zwei Autos hin und her springe und mich nicht voll auf den neuen Mini konzentrieren kann. Ich bin aber guter Dinge, dass alles nach einer gewissen Eingewöhnungszeit funktionieren wird.
Die Umstellung sollte kein Nachteil sein. Im Gegenteil, ich sehe darin sogar einen Vorteil. Denn in der Mini Challenge fahre ich weiterhin normale Sprintrennen, in denen es Rad-an-Rad-Duelle und Zweikämpfe gibt, die in einem Langstreckenrennen eher verloren gehen. Somit ergänzen sich die Mini Challenge und die Endurance Rennen optimal.
Dabei ist klar: ich sehe die Mini Challenge nicht als Spaßveranstaltung. Wenn ich mitfahre, möchte ich gewinnen. Das Starterfeld ist noch schwierig einzuschätzen, aber in den letzten Jahren war es sehr gut. Es wird garantiert nicht einfach, Rennen zu gewinnen. Trotzdem will ich nicht nur mitfahren und Spaß haben, es soll schon etwas dabei herausspringen.

diese Motorsport Kolumne