Für 1.047 Zuschauer des Champ Car Rennens in Cleveland begann gestern Teil 1 der Wiedergutmachung des Indianapolis F1-Desasters. Denn besagte Fans durften dank ihrer vorgezeigten GP-Tickets kostenlos den Sieg von Paul Tracy erleben.

Hinter dem Forsythe-Piloten kamen A.J. Allmendinger und Oriol Servia knapp hintereinander auf den beiden weiteren Podestplätzen ins Ziel. Und zwar noch vor Alex Tagliani und dem amtierenden Meister Sebastien Bourdais.

Für den einzigen deutschen Starter Timo Glock reichte es am Ende wegen eines Drive-Through Penalty nur zu Rang zehn. Dabei wäre für den Rocketsports-Piloten mehr drin gewesen. Doch unmittelbar vor dem ersten Pflichtstopp liefen die Dinge aus dem Ruder. "In der Runde, in der ich zum Tanken an die Box kommen musste, hat sich irgendwer gedreht, und es gab eine Gelbphase."

Das heißt nach amerikanischem Renn-Recht: Die Boxengasse ist zunächst einmal gesperrt. "Ich musste aber unbedingt in der Runde an die Box, denn ich hatte keinen Sprit mehr – mein Motor produzierte schon Aussetzer", klagte Timo. Also kam Glock rein – und wurde dafür mit einer Durchfahrtsstrafe gesühnt. Die trat er noch in derselben Safety-Car-Phase an – und wurde dadurch hinter Marques auf den 13. Rang zurück geworfen.

Der frühere Formel 1-Pilot aus Argentinien drehte sich direkt nach dem Neustart unmittelbar vor Glock. "Ich musste ihm rechts durchs Gras ausweichen, weil mir links, auf der Strecke, der Platz zum Bremsen ausgegangen wäre. Dabei rodelte ich 300 Meter durch die Wiese. Die Öffnungen für die Luftzufuhr meiner Bremsöffnungen setzten sich mit Gras zu." Das Rocketsports-Team zog daraufhin den zweiten Boxenstopp vor, um Glock so in einem anderen Rhythmus zum Tanken zu holen als den Rest des Feldes.

"Als ich beim zweiten Stopp stand, fing das Gras in den Bremshutzen auf einmal an zu kokeln." Aber die Mechaniker konnten den entflammten Neuschnitt nicht aus den Öffnungen knibbeln – und schickten Glock wieder auf die Reise. Das führte zu einem permanenten Überhitzen der Bremsen. "Vorn wurden sie mehr gekühlt als hinten", beschrieb Glock die immer ungleicher werdende Bremskraftverteilung. "Das Bremspedal wurde immer weicher, und das Auto begann bei jedem Bremsvorgang zu übersteuern. Auf einmal fehlte mir eine Sekunde auf die anderen – nachdem ich vorher mindestens genau so schnell gewesen war wie Allmendinger, der letztlich Zweiter wurde."

Glocks Hoffnungen auf eine späte Gelbphase, die ihn wegen der unterschiedlichen Boxenstopp-Sequenz weit nach vorn hätte spülen können, erfüllten sich ebenfalls nicht. Letztlich langte es nur zum zehnten Platz. "Da fährt man sich bei 40 Grad Außentemperatur die Seele aus dem Leib und kämpft wie ein Wahnsinniger", knirschte er, "und dann wird man wegen läppischen zehn Sekunden, die die Boxengasse für meine Bedürfnisse in der Gelbphase zu früh geschlossen wurde, um den Lohn der Arbeit gebracht. Natürlich ist das Vorgehen absolut korrekt. Aber es bleibt dennoch frustrierend, wegen so einer Winzigkeit einen fast sicheren Platz unter den ersten Fünf verpasst zu haben."

Das Rennergebnis

1. Paul Tracy 1:45:43.856
2. A.J. Allmendinger + 3.113
3. Oriol Servia + 3.913
4. Alex Tagliani + 10.184
5. Sebastien Bourdais + 13.261
6. Jimmy Vasser + 20.360
7. Justin Wilson + 23.488
8. Andrew Ranger + 25.211
9. Ricardo Sperafico + 31.736
10. Timo Glock + 47.724
11. Tarso Marques + 1 Runde
12. Marcus Marshall + 2 Runden
13. Nelson Philippe + 2 Runden