Die letzten Rennen verliefen für mich nicht gerade nach Plan. In Frankreich holte ich die Plätze 12 und 8, bei meinem Heimrennen in Hockenheim gab es Platz 9 und einen Ausfall, in Ungarn hatte ich einen Ausfall und Platz 11 und in der Türkei gab es am letzten Wochenende Platz 13 und noch einen Ausfall. Angesichts dieser Bilanz ist es kein Wunder, dass mein motorsport-magazin.com-Kolumnistenkollege Sven Heidfeld scherzte: "Timo Glock scheint zur Halbzeit sein Pech abgelegt und in doppelter Form an Michael weitergegeben zu haben." Aber davon lasse ich mich nicht unterkriegen: Es stehen noch ein Rennwochenende und zwei Läufe an und da werde ich alles geben, um die Saison in Monza so zu beenden, wie ich sie in Valencia begonnen habe. Vielleicht kommt nach fünf punktelosen Wochenenden ja endlich das Rennglück zu mir zurück.

Schauen wir dennoch auf Istanbul zurück. Der Verkehr dort ist wie ein Stock Car-Rennen - und das schon auf dem Weg zur Strecke. Den Kurs habe ich vor einigen Wochen mit einem Formel Renault-Boliden kennen gelernt. Mit diesem kleinen Auto erschien mir die breite Strecke von Istanbul aber fast schon als zu riesig. Mit einem GP2-Auto macht es aber viel Spaß hier zu fahren; schließlich weist die Strecke einige der schnellsten Kurven des Jahres auf.

Das härteste Rennen

Aber egal wie schön die Strecke für die Fahrer ist, unserem Auto lag sie nicht. Das deutete sich schon im Qualifying an. Das Team hatte schon im Vorjahr Probleme und selbst Heikki Kovalainen war hier letztes Jahr im Qualifying zu langsam. Wir scheinen auf langsameren Strecken besser zu sein, denn in Ungarn waren wir richtig konkurrenzfähig. Aber sobald es lange Geraden zu bewältigen gibt, ist es schwierig unser Setup daran anzupassen. Das Auto ist dann einfach zu nervös und sehr schwierig zu fahren.

Das erste Rennen am Samstag war dadurch zwangsläufig das für mich härteste Rennen dieser Saison. Wir waren weit weg von der Pace der Spitzenleute und ich musste mich bei jedem Zweikampf nach hinten statt nach vorne orientieren. Die einzige Belohnung, die ich für die fruchtlose Aufholjagd von Startplatz 18 auf Rang 13 erhielt, war ein Bad in einem mit Trockeneis improvisierten Dampfbad.

Schon der Start ins Rennen war verkorkst: Ich hatte ein ziemliches Kupplungsproblem. Schon bei einem Probestart in der Boxengasse ist mir der Motor ausgegangen und auch auf der Einführungsrunde habe ich einen Start probiert, wobei mir der Motor fast noch einmal abgestorben wäre. Irgendwo steckte da der Wurm drin. Ich habe sogar versucht die Kupplung schleifen zu lassen, aber das hat auch nicht besser funktioniert. Kein Wunder also, dass ich am Start einige Positionen verloren habe. Danach konnte ich mich zwar wieder ein bisschen nach vorne kämpfen, aber das war's. Wir waren einfach zu langsam. Am Ende hatte ich sogar noch ein Problem mit der Benzinversorgung, so dass mich Nicolas Lapierre überholen konnte. Aber in den letzten Kurven habe ich mir den Platz von ihm zurückgeholt - das war immerhin etwas!

Das kürzeste Rennen

Am Sonntag war meine Arbeit schnell getan: Schon in der ersten Runde wurde ich unverschuldet abgeschossen. Der Start war erneut nicht weltbewegend, da ich immer noch unter dem mysteriösen Kupplungsproblem litt. Nachdem ich also einige Plätze verloren hatte, traf mich eines der DAMS-Autos in der Seite und schickte mich neben die Strecke. Ich hatte keine Chance zu reagieren oder auszuweichen.

Was mich daran am meisten ärgert, ist nicht die Tatsache, dass ich schon wieder ohne eigenes Verschulden ausgefallen bin. Vielmehr hatte ich mein Team nach vielen Diskussionen davon überzeugt, eine Setup-Variante zu probieren, die fast alle anderen Teams auch verwenden, welche unserem Auto bislang aber nicht gelegen hat. In unserer Situation hatten wir jedoch nichts zu verlieren. Deshalb bauten wir einen anti-roll bar ein, also einen Stabilisator, den wir sonst nie benutzen. Leider kann ich nicht sagen, ob es sich ausgezahlt hat - denn weniger als eine Runde ist nicht unbedingt genügend Zeit für einen ausführlichen Test.

Dennoch machen wir meine Ingenieure für das Saisonfinale in Monza Mut. Dort sollten wir viel konkurrenzfähiger sein als in Istanbul. Ich selbst bin jedenfalls topfit. Immerhin habe ich seit Kurzem mit Andreas Kos meinen eigenen Fitnesstrainer. Andi hat schon mit Heinz-Harald Frentzen zusammengearbeitet und soll das Training noch mehr auf meine Bedürfnisse zuschneiden. Er ist ein sehr netter Kerl, ein typischer Österreicher eben. Ich bin mir sicher, dass wir zusammen viel Spaß haben werden - auch wenn es unsere Hauptaufgabe ist hart zu trainieren.