Seit meinem GP2-Debüt in Valencia habe ich aufregende Tage hinter mir. Dass ich dort auf Anhieb das Sprintrennen gewinnen würde, hätte ich mir nicht träumen lassen. Sicher hat es ein bisschen geholfen, dass ich als Siebter des Feature-Rennens dann aus der ersten Reihe starten durfte. Aber das tat der Freude natürlich keinen Abbruch - und bei mir zu Hause in Pocking wurde das Ereignis auch dementsprechend gefeiert. Schließlich gibt es bei uns in der Gegend kaum international erfolgreiche Motorsportler.
Bevor ich dann nach Imola gefahren bin, hatte ich noch den ganzen Dienstag nach Ostern voll zu tun: "Filmstar" spielen - ein Fernsehteam von Red Bull war da und hat alles mögliche gefilmt, zu Hause bei meinen Eltern, beim Training - zwölf Stunden lang. Ganz schön anstrengend - fast mehr als ein Renntag.
Der neutrale Tag
Dann ging's nach Italien. In Imola war die Atmosphäre natürlich ganz was anderes als in Valencia - es war ja mein erster GP2-Start im Rahmen eines Formel-1-Wochenendes. Schon am Donnerstag bin ich mit einem Pass von Toro Rosso mal ins Formel-1-Fahrerlager und in die Boxengasse gekommen - normalerweise dürfen wir GP2-Piloten da ja gar nicht hin. Schon eindrucksvoll, was da so alles rum steht - vor allem an Motorhomes. Die Energy Station von Red Bull ist natürlich der absolute Hammer... Ich kannte die Formel 1 ja bisher nur von Testfahrten - ein Rennwochenende hatte noch nie live erlebt, noch nicht einmal von der Tribüne aus. Ich hatte dafür eigentlich nie Zeit, war ja immer mit meinem eigenen Fahren beschäftigt.
Sportlich war ich dann am Freitag im Freien Training von Anfang an sehr gut dabei, dass es am Ende auf der Zeitenliste nicht mehr ganz so toll aussah, lag daran, dass ich kurz vor Schluss mit einem Getriebedefekt stehen geblieben bin. Da haben mich dann halt noch einige überholt. Vor dem Qualifying hatte ich ein bisschen Bammel, durch den engen Zeitplan im Rahmenprogramm der Formel 1 haben wir da ja nur 30 Minuten Zeit, da muss wirklich auf Anhieb alles passen. Es lief dann auch erst mal ganz gut, mit dem ersten Reifensatz bin ich sogar gleich mal die zweitschnellste Zeit gefahren. Aber dann gegen Ende, als alle ihren zweiten Anlauf mit dem zweiten Reifensatz starteten, da hatte ich einfach kein Glück. Zweimal bin ich im Verkehr stecken geblieben und konnte meine Zeit nicht mehr verbessern. So war ich am Ende nur Neunter, obwohl ich wusste, dass ich eigentlich hätte um einiges schneller fahren können. Ein Platz in der zweiten Reihe wäre drin gewesen!
Das ist natürlich einerseits frustrierend, andererseits aber auch beruhigend zu wissen, dass man schneller ist als einige Leute vor einem. Ich habe schon darauf gehofft, im Rennen noch ein paar Plätze nach vorn zu kommen - auf fünf oder sechs vielleicht...
Der schöne Tag
Am Start bin ich gleich mal an meinem Teamkollegen Nicolas Lapierre vorbei gegangen, dann habe ich erst mal ein bisschen abgewartet bis zu meinem Boxenstopp in der siebten Runde. Der klappte gut, aber kaum war ich wieder draußen, kam das Safety-Car raus, weil es mal wieder irgendwo heftig geknallt hatte. Im ersten Moment habe ich da schon gedacht, "Sch...", denn normalerweise ist es ja immer günstiger, in einer Safety-Car-Phase an die Box zu kommen. Aber erstaunlicherweise lag ich, nachdem alle durch waren, noch genauso auf Platz sechs wie vor meinem Stopp - nur dass ich jetzt teilweise andere Leute vor mir hatte. Unter anderem meinen Teamkollegen, mit dem ich mir bald einen heißen Kampf um den dritten Platz lieferte. Andere vorher waren leichter zu überholen, obwohl es ja immer heißt, dass Überholen in Imola sowieso fast unmöglich wäre. Aber Nicolas war wirklich eine harte Nuss, er hat voll gegengehaltet, mir auch ein paar Mal die Tür zugemacht. Ich war zwar schneller, aber er war nie unfair. Wir sind nur einfach ein echtes Rennen gegeneinander gefahren, es hat auch viel Spaß gemacht. Sieben Runden vor Schluss hat er sich dann in der ersten Schikane, der "Acqua minerale", einen Fehler geleistet und ich war endlich vorbei. Dann konnte ich ihm auch wegfahren, war mir also ziemlich sicher, dass mein dritter Platz nicht mehr in Gefahr geraten würde. Wieder auf dem Podest - toll! Aber es sollte noch besser kommen. Ich konnte sogar zu Nelson Piquet jr. aufschließen, der offenbar Probleme hatte und mich dann auch ohne größeren Widerstand vorbeiließ. Platz zwei - damit hätte ich vorher nun wirklich nicht gerechnet.
Auf dem Podium war ich dann in illustrer Gesellschaft: Mit Gianmaria Bruni hatte ein Ex-Formel-1-Fahrer gewonnen, als Dritter stand mit Lapierre noch der amtierende A1-Champion mit oben. Kein schlechtes Gefühl, wenn man gerade mal aus der Formel Renault gekommen ist. Und danach kamen dann auch einige Fernsehstationen zu mir ins Arden-Zelt, darunter auch ITV mit Louise Goodman, die für die Engländer ja auch die Formel-1-Boxeninterviews macht. In die Energy Station sollte ich dann auch gleich noch mal, da wollten auch noch ein paar "Wichtige" mit mir reden. Ich merke schon: Erfolg macht begehrt - und auch ein bisschen zusätzliche Arbeit. Aber der Tag war einfach klasse.
Der schlimme Tag
Der Sonntag war dann leider bei weitem nicht so schön. Früh zeitig gab es sogar noch eine zusätzliche Fahrerbesprechung, weil es einige von uns am Samstag wohl mit dem Einsatz doch etwas übertrieben hatten und es zum Teil drunter und drüber gegangen war. Scheint aber nicht viel geholfen zu haben, denn es ging im gleichen Stil wieder los - und diesmal war ich leider mittendrin. Weil es am Start heftig gekracht hatte, musste schon in der ersten Runde das Safety-Car raus, und um das anzuzeigen, gab es gelbe Flaggen, als wir gerade in der dritten Kurve waren. Was ich nie begreifen werde, ist, warum daraufhin einige Leute vor mir gar so wild gebremst haben. Es war die erste Runde, also war doch klar, dass, was auch immer es war, hinter uns passiert sein musste. Jedenfalls war ich so überrascht, dass ich nichts mehr machen konnte und voll dem Premat hintendrauf geknallt bin, der wohl seinerseits versucht hatte, Piquet auszuweichen, der anscheinend einer von diesen "Vollbremsern" war. An meinem Auto ist dadurch die Nase kaputtgegangen, außerdem habe auch gleich gemerkt, dass etwas an der Aufhängung nicht stimmt. Erst dachte ich, vielleicht ist nur was verbogen und bin deshalb weiter gefahren, aber dann ist die Spurstange gebrochen und ich musste an der Box aufgeben.
Das war natürlich schon ärgerlich, ich denke, zwei oder drei Punkte hätte ich im Rennen wieder holen können. Erst einmal habe ich mich aber relativ schnell wieder beruhigt, schließlich hatte ich das gute Ergebnis vom Samstag. Wenn da etwas passiert wäre, wäre es schlimmer gewesen, dachte ich. Auch als ich die Mitteilung bekam, dass ich nach dem Rennen zu den Sportkommissaren kommen sollte, um zu erklären, was da bei dem Unfall los war, habe ich das erst mal nicht so dramatisch gesehen. Schließlich haben mir viele Leute bestätigt, dass das ein ganz normaler Rennunfall gewesen sei. Auch Christian Danner und Hans-Joachim Stuck haben mich beruhigt und gemeint, dass das wohl nicht mehr als maximal eine Verwarnung geben könnte. Umso entsetzter und niedergeschlagener war ich dann natürlich, als ich das Urteil der Sportkommissare hörte. 2.500 Dollar Geldstrafe - und eine Strafversetzung um zehn Plätze nach hinten beim nächsten Rennen. Die Strafe muss ich aus eigener Tasche bezahlen, das tut natürlich schon weh. Aber besonders bitter ist, dass ich jetzt ausgerechnet am Nürburgring von so weit hinten ins Rennen gehen muss. Dabei hätte ich bei meinem ersten Auftritt zu Hause in der GP2 den deutschen Fans doch so gerne einen Podestplatz geschenkt - und das wird natürlich jetzt sehr schwierig.
Aber ich werde auf jeden Fall alles dafür tun, es trotzdem zu schaffen. Ich weiß, dass ich schnell genug sein kann, um mich weit vorne zu qualifizieren, wenn ich eine freie Runde erwische... Und wenn ich dann als 12. oder 13. losfahre, dann geht ja vielleicht doch noch was. In Imola bin ich ja auch vom neunten Startplatz aus noch nach vorne gekommen - sogar ohne von der Boxenstopp-Phase besonders zu profitieren. Wenn man da eine gute Strategie und noch ein bisschen Glück hat, kann man da ja ganz schnell ein paar Plätze gutmachen. Ich werde ganz sicher kämpfen bis zuletzt. Aufgeben gibt´s nicht!

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