Auf kein Formel BMW-Wochenende habe ich mich mehr gefreut als auf das Norisring-Wochenende. Schließlich ist Nürnberg nur 38 Kilometer von mir zu Hause entfernt. Auch wenn ich hier vorher noch nie gefahren bin, war es für mich ein richtiges Heimrennen. In den letzten drei Jahren war ich immer dabei, aber eben nur als Zuschauer. Jetzt war ich zum ersten Mal selbst einer der Piloten. Und als ich das erste Mal auf die Strecke gefahren bin, war das schon ein komisches Gefühl, an all den Leitplanken vorbeizurasen.

Auch Willi Weber ist von Marcos Klasse überzeugt., Foto: BMW
Auch Willi Weber ist von Marcos Klasse überzeugt., Foto: BMW

Trotz nur zweier Kurven ist der Norisring nicht unbedingt der einfachste Kurs und auch die Atmosphäre hier ist einmalig. Natürlich haben sich viele Verwandte und Freunde die Chance nicht nehmen lassen, mich anzufeuern. Beim Fahren selbst merkt man davon zwar nicht so viel, aber wenn man außerhalb der Strecke seine Familie treffen kann, ist das schon toll und sorgt für zusätzliche Motivation.

Sportlich bin ich mit meinen zwei vierten Plätzen nicht ganz zufrieden. Hätte es im ersten Rennen nicht die Regenunterbrechung gegeben wäre ich sicher Zweiter geworden. Doch während der Pause hat mein Teamchef Joseph Kaufmann den Flügel hochgeklappt, was die richtige Entscheidung gewesen wäre, wenn es weitergeregnet hätte. So aber fehlte mir der Topspeed auf der Geraden und die Balance hat auch nicht mehr gestimmt. Deshalb musste ich am Ende Campos-Hull und Quinn passieren lassen.

Im zweiten Rennen bin von Position vier gestartet und musste mit neuen Bremsbelägen fahren. Zwar machte ich direkt am Start einen Platz gut, doch ohne die volle Bremskraft fand ich mich am Ende der ersten Runde nur an fünfter Stelle wieder. Doch in einem Duell mit Niall Quinn, das sich fast über das gesamte Rennen hinzog, konnte ich mir am Schluss den vierten Platz zurückholen.

Trotzdem habe ich in der Gesamtwertung Boden auf Jens Klingmann verloren und bin auf Platz drei zurückgefallen. Beschweren kann ich mich in meinem ersten Jahr in der Formel BMW darüber aber nicht, auch wenn ich mir nach den guten Ergebnissen von Oschersleben und dem Lausitzring natürlich etwas mehr erhofft habe. Aber Jens wird auch nicht alle Rennen gewinnen und wenn das Team und ich weiter so gut zusammenarbeiten, bin ich mir sicher, dass unsere Zeit noch kommen wird.

Marco unterhält sich mit Rennfahrer-Kollege Adrien Tambay., Foto: BMW
Marco unterhält sich mit Rennfahrer-Kollege Adrien Tambay., Foto: BMW

Schon jetzt kann ich sagen, dass ich den Umstieg vom Kart in die Formel sehr gut gemeistert habe. Ich habe mich schon bei den ersten Tests ziemlich gut zurechtgefunden und konnte direkt vorne mitfahren und die Startprobleme von Oschersleben haben wir schon abstellen können. Ich merke, wie ich von Rennen zu Rennen besser werde. So habe ich in Nürnberg durch die Duelle mit Niall Quinn viel Erfahrung dazu gewonnen, wie man das Auto im Grenzbereich beim Überholen beherrschen muss. Ich kenn das zwar aus dem Kartsport, aber in der Formel BMW ist das doch noch etwas ganz anderes.

Etwas Besonderes werden auch die nächsten zwei Rennen auf dem Nürburgring. Denn dort starten wir im Rahmen der Formel 1. Wenn es hier mit dem ersten Sieg klappt, wäre das umso schöner.