"Der meistbeschäftigte Mann im Fahrerlager" dieses Etikett hat sich Peter Mücke an DTM-Wochenenden wirklich verdient. Denn der Berliner Teamchef hat ja nicht nur drei Autos in der DTM am Start - sondern auch noch zwei in der Formel-3-Euroserie und sechs in der Formel BMW. Das Rennen in Oschersleben ist sozusagen sein zweites Heimspiel nach dem EuroSpeedway - für Mücke allerdings trotzdem nicht wirklich etwas Besonderes: "Der einzige Unterschied besteht darin, dass hier vielleicht ein paar mehr Leute vorbeikommen, die uns kennen. Ansonsten bauen wir uns in jedem Fahrerlager der Welt ungefähr gleich auf."

Vom freien Training in der DTM sofort zur Formel BMW, dann gleich anschließend die Formel 3, dann ins DTM-Qualifying - nur ein kurzer Eindruck von Mückes Arbeitsplan an einem Samstag: "Da geht es wirklich von Früh bis Abend rund!"

Warum er sich diesen Stress antut? "Weil ich es will", lacht Mücke, "und wenn man etwas wirklich will und es einem Spaß macht, dann ist es ja auch kein echter Stress. Ich bin jetzt seit 34 Jahren im Motorsport, fahre auch selbst noch Rennen" - zum Beispiel in der Tourenwagen-EM. "Meine Leute können das auch nicht verstehen, wenn ich dann an einem DTM-freien Wochenende noch unterwegs bin, um selber ins Lenkrad zu greifen - dann die Nacht durch zurückfahre - und Montag früh ankomme und sage, ich bin erholt und entspannt."

Peter Mücke steht ständig an einem Kommandostand., Foto: Sutton
Peter Mücke steht ständig an einem Kommandostand., Foto: Sutton

Dass das System Mücke überhaupt funktioniert, liegt daran, dass der Chef sich für jede der drei Serien eine entsprechend kompetente Struktur aufgebaut hat. "Ich habe Leute, an die ich delegieren kann." Die Oberaufsicht behält er aber selbst - und er legt größten Wert darauf, dass alle drei Serien gleich berücksichtigt werden, nicht etwa die medienwirksamere DTM bevorzugt wird.

Nachwuchsförderung liegt ihm besonders am Herzen, nicht nur, weil sich sein Sohn Stefan vom Formel-BMW-Sieger zum F3-Vizemeister und inzwischen zum etablierten DTM-Piloten entwickelt hat. Der ist inzwischen in seiner Aufgabe als Teamleader neben den beiden Youngstern Daniel la Rosa und Susie Stoddart so beschäftig, dass er kaum noch Zeit hat, sich darum zu kümmern, was die Formel-Fahrer im Team so machen: "Manchmal weiß ich nicht einmal, auf welchen Plätzen die gelandet sind."

Schließlich hat er eigene große Ziele: Das Mücke-Team soll die beste Truppe mit einem 05er-Auto in der DTM werden - und er möglichst der erfolgreichste Fahrer aus dieser Gruppe.

In Hockenheim schien er auf dem besten Weg dazu, bis zur Feindberührung mit Alex Margaritis. Die anschließende teaminterne Diskussion darüber verlief dann "nicht zwischen Vater und Sohn, sondern zwischen Teamchef und Fahrer", wie beide Beteiligten einhellig bestätigen - "anders würde das auch überhaupt nicht funktionieren." Das Thema ist längst abgehakt, Rennunfall eben, passiert nun mal - auch der Lausitzring, wo niedrige Temperaturen zu Setup- und Reifenproblemen führten und die erhofften Top-Ergebnisse ausblieben. "In Oschersleben wird wieder angegriffen - wir wissen ja, dass wir es draufhaben."

Dann soll auch der DTM-Nachwuchs wieder weiter vorne stehen. Auch Susie Stoddart, von der beide Mückes sehr beeindruckt sind. Stefan gibt zwar zu, im ersten Moment ein bisschen "gezuckt" zu haben, als er hörte, dass eine Frau ins Team kommen werde, "aber ich muss sagen, nachdem sie das erste Mal bei uns gefahren ist, war mir ganz schnell klar, dass das überhaupt keinen Unterschied macht, dass sie erstens richtig gut ist und zweitens auch ein toller Kumpel." Vater Mücke betont: "Ich habe selten einen jungen Fahrer gehabt, der so professionell, so diszipliniert und so ehrgeizig gearbeitet hat wie Susie."

Stefan Mücke fährt gerne in der DTM., Foto: DTM
Stefan Mücke fährt gerne in der DTM., Foto: DTM

Dabei hat er sehr viele gesehen - auch viele höchst erfolgreiche: Fünf Fahrer aus dem Mücke-Team haben es im Moment in die Formel 1 geschafft oder sind auf dem Sprung: Christian Klien in einem Stammcockpit, Robert Kubica, Markus Winkelhock und Adrian Sutil als Testpiloten, und der junge Sebastian Vettel, der gerade am Lausitzring mit einem dritten Platz in der F3-Euroserie die Gesamtführung übernahm, in Wartestellung für einen Testfahrer bei BMW. "Das zeigt doch, dass unser System so falsch nicht sein kann."

Stefan Mücke hat sich derartige Träume im Moment ziemlich abgeschminkt - auch wenn er ja einmal ein sehr erfolgreicher Formel-Fahrer war. "Aber ich bin einen anderen Weg gegangen - und die DTM ist doch sicherlich eine der professionellsten und hochwertigsten Rennsportkategorien überhaupt, sie kommt wahrscheinlich direkt nach der Formel 1. Da an die Spitzte zu kommen, das ist doch auch ein sehr, sehr erstrebenswertes Ziel."

Immer wieder werden er und sein Vater gefragt, ob sie sich nicht auch eine Ausweitung des Formel-Engagements, etwa in Richtung GP2-Serie vorstellen könnten. "Aber man muss da realistisch bleiben. Man muss die Kosten sehen - und das was man den Sponsoren für ihr Geld bieten kann. Und da bietet die DTM wesentlich mehr. Dazu kommt die Logistik: Das gesamte Engagement an einem Ort, alle Serien, in denen wir antreten, unter dem Dach der DTM - das vereinfacht schon vieles", sind sie sich einig. "Das ist für uns absolut die ideale Konstellation!"