Nachdem Oriol Servia bei den ersten Testfahrten des Champ Car Jahres in Sebring die beste Zeit vor Sebastien Bourdais gefahren hatte, fanden sich die neuen Panoz DP1 und auch die Teams in Houston ein, um die Saisonvorbereitungen fortzuführen. Dabei standen für den Beobachter klarerweise wieder die Rundenzeiten im Vordergrund, aber insgesamt konnte man die beiden Testtage in drei Drittel unterteilen.

Tag eins stand zunächst einmal ganz im Zeichen des Schlechtwetters und damit auch im Zeichen eines Fahrers mit Regen-Erfahrung. Der Brite Justin Wilson holte sich in den texanischen Sturzbächen die Bestzeit des ersten Tages vor Champ Car Meister Sebastien Bourdais und Paul Tracy. 1:30.162 Minuten hatte Wilson für seine Schwimmrunde gebraucht. Der einzige, der ihm dabei auf den Fersen bleiben konnte war Bourdais mit zwei Zehnteln Rückstand. Tracy bildete die Spitze des restlichen Feldes und hatte 1,9 Sekunden Rückstand.
Trotz des großen Rückstands stach aber dort immer noch ein Fahrer heraus. Robert Doornbos, der in der kommenden Saison als Vollzeit-Pilot in der Champ Car World Series dabei sein will, kam an seinem erst zweiten vollen Testtag im Minardi Champ Car auf den vierten Platz. "Ich beginne wirklich, mich an das Auto zu gewöhnen. Der Regen hat es zwar etwas schwerer gemacht, aber gleichzeitig war das auch besser für mich", sagte Doornbos.
Ebenfalls mit dabei war auch der Deutsche Andreas Wirth, der bei seinem ersten Einsatz im neuen Panoz den zehnten Platz erreichte. Zwar hätte er schon in Sebring im Auto von Dale Coyne Racing sitzen können, doch Verpflichtungen in Deutschland verhinderten das. Nichtsdestotrotz war das Team mit seiner Leistung im Regen zufrieden und auch Wirth wirkte nach seinen 51 Runden recht gut gelaunt: "Es war großartig, endlich Zeit im neuen Auto zu bekommen. Es ist ein sehr cooles Auto - sehr gut zu fahren. Es ist schade, dass wir nicht mehr Runden fahren konnten - es hat geschüttet. Leider hatten wir keine einzige trockene Runde. Ich freue mich darauf, jetzt so viel Zeit wie möglich zu fahren und auch etwas im Trockenen zu testen."
Der verregnete erste Testtag erlebte dann auch noch das zweite Drittel der Tests in Houston. Denn es war noch eine eigene Trainingssession für die stehenden Starts angesetzt, die im kommenden Jahr auf Kursen wo es die Sicherheit zulässt ein ständiger Begleiter der Champ Cars werden. Zwar musste die Session wegen des Wetters von 60 auf 30 Minuten verkürzt werden, aber die Piloten bekamen einen ersten Vorgeschmack auf das, was sie bereits beim ersten Saisonrennen in Las Vegas erwartet.

Katherine Legge hat aufgrund ihrer Wurzeln in der Formel 3, Formel Renault und Formel Ford bereits Erfahrungen damit und findet die neue Startprozedur gut: "Die stehenden Starts bringen einiges an Spannung zur Champ Car und es bringt ganz sicher ein ganz neues Element ins Rennen." Graham Rahal hat nur ein paar Starterfahrungen aus dem Champ Car Atlantic Championship und meinte: "Es ist viel schwieriger, die Starts in einem Champ Car zu machen, weil sie so viel mehr Kraft haben. Es ist schwer, die Kraft auf die Straße zu bekommen. Wenn man im dritten Gang aus einer Kurve kommt, kann es schwer sein, aus dem Stand ist es echt hart, vor allem wenn es nass ist."
Tag zwei präsentierte sich dem Champ Car Feld freundlicher. Die Strecke war trocken und damit die zweite Session der Starttests auch etwas einfacher und auch in voller Länge. Wegen des guten Wetters war aber das dritte Drittel der Testfahrten noch etwas interessanter als die Tests. Denn auf trockener Strecke konnten die Fahrer auch dementsprechend schnelle Runden drehen.
Dabei war es dann Will Power, der die Bestzeit markieren konnte. Der Rookie of the year des vergangenen Jahres verwies mit seiner Runde von 1:10.040 die beiden anderen Youngsters Graham Rahal und Neel Jani sowie Titelverteidiger Sebastien Bourdais auf die Plätze zwei bis vier. Diesmal waren die Abstände allerdings wesentlich geringer als am verregneten ersten Testtag. Bourdais lag rund drei Zehntel hinter Power und die ersten Sieben lagen innerhalb einer Sekunde.
"Die Tatsache, dass wir das Auto verstehen und wissen, wie wir das Auto schnell machen, ist das Wichtigste, was wir heute herausgefunden haben, aber es ist auch schön, am Ende des Tages der Schnellste zu sein", meinte Power. Neel Jani sagte nach seinem guten Auftritt: "Ich bin überrascht, wie groß das Talent hier bei den Champ Cars ist. Es ist gut zu wissen, dass wir mit den Spitzenleuten mitfahren können und nicht zu weit von der Pace weg sind."
Etwas anders dürfte sich Paul Tracy gefühlt haben, der im Anschluss an den Tag von der "schlimmsten Session meiner Karriere" sprach. Das Tüpfelchen auf dem I war, als am Ende noch seine schnellste Tagesrunde, die ihn auf den sechsten Platz gebracht hätte, aberkannt wurde, weil kurz davor bereits die schwarz-weiß karierte Flagge gefallen war. "Nichts ist heute für uns richtig gelaufen und wir sind jetzt so weit hinten. Aber nach all dem, was heute passiert ist, noch eine schnelle Runde zu fahren, ist etwas, auf das wir aufbauen können." Bei den nächsten Testfahrten in Laguna Seca von 7. bis 10. März kann Tracy und auch der Rest des Feldes zeigen, wie viel sie aus den gewonnenen Erkenntnissen von Houston umsetzen konnten.
Die Testzeiten des 2. Tages
Position/Fahrer/Nummer&Team/Zeit/Durchschnittsgeschwindigkeit/Runden
1) Will Power – #5 Team Australia – 1:10.040/122.330 mph/111 Runden
2) Graham Rahal – #2 Newman/Haas Racing – 1:10:079/122.262/151 Runden
3) Neel Jani – #21 Red Bull PKV Racing – 1:10:168/122.107/119 Runden
4) Sebastien Bourdais – #1 McDonald´s/Newman/Haas Racing – 1:10:333/121.820/156 Runden
5) Bruno Junqueira - #19 Dale Coyne Racing – 1:10.560/121.429/87 Runden
6) Simon Pagenaud - #15 Team Australia – 1:10:776/121.058/91 Runden
7) Nelson Philippe - #34 Conquest Racing – 1:11:035/120.167/116 Runden
8) Justin Wilson – #9 CDW/RuSPORT – 1:11:179/120.373/157 Runden
9) Robert Doornbos - #4 Minardi Team USA – 1:11:216/120.310/135 Runden
10) Oriol Servia - #10 RuSPORT – 1:11:257/120.241/191 Runden
11) Paul Tracy – #3 Indeck/Forsythe Championship Racing – 1:11:591/119.860/79 Runden
12) Katherine Legge – #11 Dale Coyne Racing – 1:11:607/119.653/93 Runden
13) Ryan Dalziel – #28 Pacific Coast Motorsports – 1:11:658/119.568/118 Runden
14) Alex Tagliani – #8 Rocketsports Racing – 1:12:161/118.734/98 Runden
15) Alex Figge – #29 Pacific Coast Motorsports – 1:13:567/116.465/115 Runden
Die Testzeiten des 1. Tages
1) Justin Wilson – #9 CDW/RuSPORT – 1:30.162/95.029 mph/59 Runden
2) Sebastien Bourdais – #1 McDonald´s/Newman/Haas Racing – 1:30.378/94.802/56 Runden
3) Paul Tracy – #3 Indeck/Forsythe Championship Racing – 1:32.063/93.067/14 Runden
4) Robert Doornbos - #14 Minardi Team USA – 1:32.286/92.842/48 Runden
5) Nelson Philippe - #34 Conquest Racing – 1:32.847/92.281/26 Runden
6) Graham Rahal – #2 Newman/Haas Racing – 1:33.163/91.968/54 Runden
7) Neel Jani – #21 Red Bull PKV Racing – 1:33.168/91.963/8 Runden
8) Alex Figge – #29 Pacific Coast Motorsports – 1:33.981/91.167/25 Runden
9) Will Power – #5 Team Australia – 1:34.256/90.901/8 Runden
10) Andreas Wirth - #19 Dale Coyne Racing – 1:34.314/90.845/51 Runden
11) Oriol Servia - #10 RuSPORT – 1:34.989/90.200/83 Runden
12) Ryan Dalziel – #28 Pacific Coast Motorsports – 1:35.573/89.649/33 Runden
13) Alex Tagliani – #8 Rocketsports Racing – 1:35.714/89.517/19 Runden
14) Simon Pagenaud - #15 Team Australia – 1:35.719/89.512/9 Runden
15) Katherine Legge – #11 Dale Coyne Racing – 1:36.215/89.051/40 Runden

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