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WRC - Schotter vs. Asphalt: Auto-Umbau unter Zeitdruck

1300 Teile in 75 Minuten

Am Freitagabend werden die Autos bei der Rallye Spanien in nur 75 Minuten von Schotter auf Asphalt umgebaut. Motorsport-Magazin.com erklärt, was genau passiert.
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Motorsport-Magazin.com - Auf dem Monitor tickt die Zeit herunter. Das Auto von Weltmeister Sebastien Ogier ist in alle Einzelteilte zerlegt. Die Mechaniker arbeiten konzentriert, jeder Handgriff sitzt. Und die Uhr tickt. Teile werden hin- und hergetragen. Und die Uhr tickt. Die Fans beobachten gespannt das Vorgehen. Und die Uhr tickt. Sie tickt von 75 Minuten herunter auf null. In dieser Zeit muss der Polo R WRC des dreifachen Weltmeisters komplett von Schotter auf Asphalt umgebaut werden.

Spanien ist nicht nur das Land von Cerveza, Strand und Sonne, sondern auch das Land der besonderen Herausforderungen. Die WRC hat hier ihre einzige Veranstaltung, die sowohl auf Schotter, als auch auf Asphalt stattfindet. Ein großer Umgewöhnungsprozess für die Fahrer, aber auch ein Kraftakt für die Mechaniker im Hintergrund. Die Crew hat am Freitagabend pro Auto nur 75 Minuten Zeit, um es komplett umzubauen. Motorsport-Magazin.com fragte bei Volkswagen Crew Chief Ralf Arneke nach, wie dieser Service vonstattengeht.

Ralf Arneke bei der Arbeit an Jari-Matti Latvalas Polo R WRC - Foto: Volkswagen Motorsport

Am Samstag - dem ersten von zwei Asphalttagen in Spanien - verlässt der Polo den Servicepark mit rund zehn Zentimeter niedrigerer Standhöhe des Fahrwerks. Zudem werden neue Dämpfer, Vorder- und Hinterachse und Bremskühlung montiert. "Alles in allem verbauen wir in diesen 75 Minuten knappe 1300 Teile", erklärt Arneke.

Alles in allem verbauen wir in diesen 75 Minuten knappe 1300 Teile
Ralf Arneke

Ein Mammutakt, der nur möglich ist, weil alle Bauteile bereits vorgefertigt, zusammengebaut und im Werk auf der Messbühne im Fahrzeug eingemessen wurden. Während der Service-Zeit bedeutet das, ausbauen, einbauen und keine Zeit verlieren. Zusätzliches Training benötigt die achtköpfige Mechaniker-Crew dafür nicht, denn alles ist Routine und hundertfach ausgeführt. Wann die Crew mit dem Umbau beginnt, ist ihr durch den "Flexi-Service" freigestellt.

Der Zeitmonitor tickt - Foto: Volkswagen Motorsport

Der Ablauf

Für den Arbeitsbeginn ist eines entscheidend: Ausschließlich die acht Mechaniker mit den entsprechenden Armbinden dürfen die Autos berühren. Selbst eine Kleinigkeit aus dem Auto herausnehmen, ist einem anderen nicht gestattet. Sobald die Crew mit ihrer Arbeit beginnt, tickt die Uhr herunter. "Wir beginnen damit, die Vorder- und Hinterachse und gleichzeitig die Stoßdämpfer abzumontieren", erklärt der Volkswagen Crew Chief. "Das Ausbauen geht recht schnell, denn wir können Schlagschrauber benutzen. Für das Einbauen benötigt es hingegen mehr Sorgfalt, da die Schrauben mit dem richtigen Drehmoment festgezogen werden müssen. Nach rund 15 Minuten ist das Auto soweit zerlegt, dass wir mit dem Neueinbau beginnen können."

Ich sage, dass unser Auto nach 60 Minuten fertig ist und dann haben wir noch 15 Minuten, damit das Auto am nächsten Morgen wieder tipptopp sauber und fertig dasteht.
Ralf Arneke

Für die beiden Tage auf Asphalt muss eine Bremskühlung montiert werden - die Bremssättel werden auf festem Untergrund wassergekühlt. Hierfür ist ein zusätzlicher Ausgleichsbehälter notwendig. Diese Aufgaben erfordern etwas mehr Zeit, aber niemals die letzten Sekunden. "Ich sage, dass unser Auto nach 60 Minuten fertig ist und dann haben wir noch 15 Minuten, damit das Auto am nächsten Morgen wieder tipptopp sauber und fertig dasteht", legt Crew Chief Arneke die Messlatte hoch. Bisher mit Erfolg: Diese Service-Zeit wurde bei Volkswagen bisher immer eingehalten.

Die Mechaniker sind gefordert - Foto: Volkswagen Motorsport

Das Zeitrisiko: Fahrer

Jeder vorher detailliert geplante und strukturierte Ablauf kann aber plötzlich ins Wanken geraten, sollte der Fahrer auf den Prüfungen das Auto beschädigt haben. "Passiert ein Unfall, ist das eine andere Hausnummer, denn dadurch entsteht natürlich mehr Arbeit", bestätigt Arneke. Zunächst muss geklärt werden, welche Beschädigungen das Auto genau davongetragen hat, um zu wissen, was bereits im Vorfeld vorbereitet werden muss.

Das sind Extra-Arbeiten, die nicht geplant sind, aber natürlich passieren können.
Ralf Arneke

In der Mediazone begutachten der Fahrzeugingenieur und der Car Chief das Auto und schreiben alle Details auf. Dazu zählen auch die Aussagen des Fahrers, was nicht funktioniert, oder wo Probleme aufgetreten sind. "Zudem muss das Auto danach angesehen werden, ob beispielsweise bei einem Zusammenprall mit einem Strohballen oder einem Reifenstapel ein Karbon-Seitenteil beschädigt wurde. Dieses Teil muss im Notfall herausgesägt und entsprechend mit einem Ersatzteil bestückt werden. Das sind Extra-Arbeiten, die nicht geplant sind, aber natürlich passieren können." Und alles in 75 Minuten. Denn die Uhr tickt.


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