MotoGP - Marquez vs. Vinales: Zurück in die Zukunft

Suzuki-Teamchef Brivio: Das WM-Duell der nächsten zehn Jahre

Sie sind zwei Ausnahmekönner: Maverick Vinales und Marc Marquez. Ihnen gehört die MotoGP-Zukunft. Dabei gab es dieses Duell schon früher mal.
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Motorsport-Magazin.com - 2017 könnte für die MotoGP einen durchaus delikaten Vorgeschmack auf die Zukunft bieten. Denn erstmals könnte es zu einem direkten WM-Fight zwischen den beiden jüngsten Kometen am MotoGP-Himmel kommen: Maverick Vinales und Marc Marquez. Das Duell zwischen den beiden jungen Spaniern wird von Fans und Fachwelt gleichermaßen mit Spannung erwartet. Denn in der kommenden Saison starten sie erstmals unter mehr oder weniger gleichen Voraussetzungen in der Motorrad-WM.

Vinales kann es mit der Werks-Yamaha, die er von Jorge Lorenzo geerbt hat, endlich auch konstant über das ganze Jahr hinweg mit Marquez aufnehmen. Die Umstellung von der Suzuki GSX-RR auf die Yamaha M1 ist jedenfalls mehr als nur geglückt, denn alle vier Wintertests (Valencia im November mit eingeschlossen) beendete Vinales an der Spitze des Klassements. Eine Leistung, die im Paddock verdammt viel Eindruck schindete.

Brivio sicher: Marquez vs. Vinales das Duell der Zukunft

Überblick: Der MotoGP TV Guide 2017: (02:47 Min.)

Ich habe nicht an Mavericks Speed gezweifelt, aber ich habe auch nicht erwartet, dass er jeden Test auf Platz eins beendet.
Suzuki-Teamchef Davide Brivio

"Ehrlich gesagt hat mich Maverick schockiert", blieb Vinales' bisherigem Teamchef Davide Brivio im Gespräch mit GPOne förmlich die Spucke weg. "Ich habe nicht an seinem Speed gezweifelt, aber ich habe auch nicht erwartet, dass er jeden Test auf Platz eins beendet. Es hat mich wirklich überrascht, wie schnell er sich an die Yamaha angepasst hat, und wie er es schafft, auf jeder Strecke und unter allen Bedingungen schnell zu sein."

Eine Statistik belegt das unfassbare Potenzial von Vinales eindrucksvoll: Nimmt man die beiden Testtage vom November aus Valencia dazu, dann beendete der Neo-Yamaha-Pilot sieben von elf offiziellen Testtagen auf dem Platz an der Sonne, nur einmal (an Tag 1 auf Phillip Island) lag er als Vierter nicht in den Top-3. Klar, dass Vinales als turmhoher WM-Favorit in die Saison startet. Zumal Repsol Honda und Marquez erneut einen Winter mit vielen kleineren und größeren Problemen durchlebten.

Maverick wird um den Titel kämpfen, nicht nur in dieser Saison, sondern in den nächsten zehn Jahren. Das Duell Marquez vs. Vinales wird lange andauern.
Suzuki-Teamchef Davide Brivio

Doch Suzuki-Teamchef Brivio will diese Schlussfolgerung nicht gelten lassen: "Es gibt niemals nur einen Favoriten. So etwas zu sagen macht keinen Sinn, aber: Maverick wird sicher zu den Favoriten gehören." Brivio ist sich sicher, dass sein ehemaliger Schützling zusammen mit Marquez die nächsten Jahre in der MotoGP prägen wird: "Er wird um den Titel kämpfen, nicht nur in dieser Saison, sondern in den nächsten zehn Jahren. Das Duell Marquez vs. Vinales wird lange andauern."

Marquez vs. Vinales: Letzter direkter Titelfight 2002

Debütsieg für Vinales: Die Highlights aus Silverstone: (01:34 Min.)

Brivio macht den Fans den Zweikampf der Zukunft also schon einmal sehr schmackhaft. Doch was viele nicht wissen: Zuletzt trafen Marquez und Vinales im Jahre 2002 im direkten Titelkampf aufeinander. Damals waren die Beiden neun bzw. sieben Jahre alt und starteten im spanischen Conti Cup, der vom heutigen Präsidenten der spanischen Motorradföderation, Ángel Viladoms, initiiert wurde. Viladoms erinnert sich bei Marca an eine lustige Anekdote aus jenem Jahr.

Wir mussten den Tank cutten, weil er sonst nicht an den Lenker gekommen wäre. Er war ein Zwerg.
Angel Viladoms von der spanischen Motorrad-Föderation über den 9-jährigen Marquez

"Marquez hatte ein körperliches Handicap. Wir mussten den Tank cutten, weil er sonst nicht an den Lenker gekommen wäre. Er war ein Zwerg", lacht Viladoms. Doch trotz dieses Nachteils hinterließ Marquez bereits damals bei den Beobachtern eine ordentliche Duftmarke. Zum Titel sollte es übrigens trotz des sichtbaren Talents nicht reichen - den holte sich Vinales. Dass beide 15 Jahre später in der Weltspitze der MotoGP auf Augenhöhe agieren würden, war damals jedoch laut Viladoms noch nicht absehbar: "Wir waren uns nicht bewusst, was da noch alles kommen würde."

Erst 2015 in der MotoGP wieder aufeinander getroffen

Auf der Suzuki konnte Vinales nicht regelmäßig mit Marquez mithalten - Foto: Repsol

Zurück in die Zukunft lautet also das Motto. Denn Marquez und Vinales trafen erst 2015 in der MotoGP erstmals wieder aufeinander. 2011, bei Vinales' WM-Einstieg in die 125er-Klasse war Marquez nämlich gerade frisch in die Moto2-Kategorie aufgestiegen. Als Vinales 2014 den Schritt zu den 600er-Bikes machte, war Marquez bereits frischgebackener MotoGP-Weltmeister.

Und in Diensten von Suzuki verfügte Vinales nicht über das nötige Material, um Marquez dauerhaft herauszufordern. So kommt es erst 2017, 15 Jahre danach, zu einer ernsthaften Neuauflage des Duells - einem Duell, das Erinnerungen an viele große Rivalitäten in der Vergangenheit wecken könnte.


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