Formel 1 - Russland-Check: Schlägt Hamilton zurück?

Russland bislang Hamilton-Land

Sebastian Vettel gegen Lewis Hamilton - in Russland geht das Giganten-Duell in die nächste Runde. Statistisch ist das Resultat in Sochi eine klare Sache.
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Hamilton vs. Vettel: Das Duell geht in die nächste Runde: (00:50 Min.)

Bislang war es ein Fernduell. Obwohl sich Sebastian Vettel und Lewis Hamilton die bisherigen drei Siege der Saison untereinander aufteilten, kam es auf der Strecke bislang zu keiner echten Konfrontation, sieht man mal von Vettels Verfolgung in Australien ab. In Russland steht die vierte Runde des neuen Mega-Duells an, möglicherweise auch erstmals nicht nur auf dem Papier. "Natürlich will er mich da draußen töten und besiegen. Das gilt auch andersherum", meinte Hamilton bereits nach dem China GP in Richtung seines Rivalen in Rot.

In Bahrain hatte zwar Vettel wieder die Nase vorne, auf der Strecke begegnet sind sich die beiden Rivalen aber nicht. Ob das auch in Sochi so sein wird, ist die eine Frage. Die andere aber wird sein, ob sich Vettel in der WM nun absetzen kann oder ob es dem Mercedes-Piloten gelingt, wie bereits in China zurückzuschlagen. Motorsport-Magazin.com macht den großen Russland-Check für die beiden Dominatoren der bisherigen Saison.

Check 1: Die Russland-Historie

Insgesamt drei Rennen gab es erst auf der Strecke im Olympiapark von Sochi. Und die Resultate der beiden Rivalen könnten unterschiedlicher kaum sein. Während Hamilton die ersten beiden Ausgaben 2014 und 2015 gewann sowie im vergangenen Jahr nach Aufholjagd auf Rang zwei landete, ist die Bilanz für Vettel deutlich schlechter. Platz acht im ersten Rennen, dazu immerhin Rang zwei vor zwei Jahren. Aber null Punkte 2016, als Daniil Kvyat ihn aus dem Rennen schoss.
Zwischenstand: 1:0 für Hamilton

Lewis Hamilton gewann 2014 die erste Auflage des Russland GP - Foto: Sutton

Check 2: Auto und Strecke

Die Strecke in Russland weist besondere Charakteristika auf. Der Streckenverlauf mit seiner gekrümmten Start-Ziel-Gerade, die jedoch problemlos Vollgas durchfahren werden kann, sowie zahlreiche weitere Geraden erfordern viel Motorleistung. Die allermeisten Kurven verlaufen im 90-Grad-Winkel und sind daher eher mittelschnell und wenig anspruchsvoll. Ein Highlight mit den neuen Autos wird die langgezogene Kurve vier, die einen Winkel von insgesamt 180-Grad umfasst. Schnelle Kurven sind auf der Strecke aber sonst Mangelware.

Ohnehin lagen der Ferrari und der Mercedes bislang sowohl aerodynamisch, als auch im Topspeed nahezu gleichauf. Der große Unterschied konnte in allen Rennen am Sonntag festgestellt werden. Die Rennpace des Ferrari war jener des Mercedes überlegen. Ein Grund: die neuen Reifen, die für alle Fahrer und Teams noch Neuland sind. Die Silberpfeile kämpften in Australien und Bahrain mit überhitzenden Hinterreifen, Ferrari kam deutlich besser zurecht.

In Sochi wartet ein Asphalt, der extrem glatt ist und die Reifen kaum fordert. Pirelli bringt die drei weichsten Mischungen an den Kaukasus, dennoch wird wenig Verschleiß erwartet. Auch die Temperaturen sind deutlich geringer als noch in der Wüste von Bahrain, wenngleich die Prognosen strahlenden Sonnenschein bei über 20 Grad Lufttemperatur erwarten. Ein klarer Vorteil für eines der beiden Autos ist nicht erkennbar.
Zwischenstand: 2:1 für Hamilton

Der Asphalt in Sochi schont die Reifen - Foto: Sutton

Check 3: Die Formkurve der Fahrer

Aller guten Dinge sind drei. Sebastian Vettel ist in seinem dritten Jahr bei Ferrari endlich da angekommen, wo er sich selbst sehen wollte: Im Kampf um den Titel. Zwar ist die Saison noch recht jung und auch 2015 gewann er bereits drei Rennen. Doch lag dies meist in Mercedes-Problemen begründet. Aus eigener Kraft konnte den Silberpfeilen niemand das Wasser reichen. In dieser Saison bislang wirkt Vettel aufgeräumt und befreit, der neue Geist in Maranello scheint zu beflügeln. Vettel agiert bislang souverän und fast fehlerfrei. Einzig in China warf er im Qualifying eine mögliche Pole weg.

Doch auch Hamilton wirkt gewohnt stark. Inzwischen attestiert ihm Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff gar gehobene soziale Kompetenzen. Im Winter bereitete er sich nach eigener Aussage akribisch auf die neuen Herausforderungen vor. Wie gut er drauf ist, zeigte er bei schwierigen Bedingungen in China, als er die Konkurrenz dominierte. In Bahrain vermasselte Hamilton den Start, ein Problem, das bereits ausgemerzt schien. Eine Antwort auf die Frage, ob er Vettels Tempo hätte mitgehen können, verhinderte eine zu spät ausgegebene Teamorder von Mercedes. Da wie eingangs erwähnt der direkte Zweikampf der beiden Fahrer bislang fehlte, ist auch hier ein Gleichstand zu vermelden.
Endstand: 3:2 für Hamilton

Ein echtes Duell um den Sieg gab es zwischen Vettel und Hamilton bislang nicht - Foto: Sutton

Fazit: Historie das große Manko für Vettel

Fahrer und Autos stehen vor dem Russland GP auf einer Stufe, hier kann sich keiner einen Vorteil sichern. Für Hamilton aber spricht ganz klar seine bisherige Bilanz im Riesenreich. Drei Starts, zwei Siege, ein zweiter Platz. Vettel dagegen hat bislang eher negative Erfahrungen mit dem Sochi Autodrom gemacht, besonders das vergangene Jahr wird bei ihm noch präsent sein. Gelingt es Vettel, Hamilton auch auf einer seiner Leibstrecken zu bezwingen, wäre das ein starkes Signal für den weiteren Saisonverlauf. Vom Vorsprung in der WM-Wertung, den der Heppenheimer ausbauen würde, mal ganz abgesehen.


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