Formel 1 - Nach Strafe: Hamilton erklärt Schleichfahrt

Zwei eigene Fehler kosten Sieg

Lewis Hamilton war nach seinem zweiten Platz beim Bahrain GP richtig angefressen. Der Grund: Er macht sich selbst für die Niederlage verantwortlich.
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Motorsport-Magazin.com - Die Niederlage beim Bahrain GP gegen Sebastian Vettel hat Lewis Hamilton richtig mitgenommen. Nach seinem zweiten Platz beim Saisonauftakt in Australien freute sich der Mercedes-Pilot noch über einen spannenden Zweikampf und den neuen Gegner, am späten Sonntagabend saß er nach Platz in Bahrain zwei wortkarg in der Mercedes-Hospitality und quälte die Antworten auf die Fragen nach dem 'warum' aus sich heraus.

"In Australien kann ich mich nicht daran erinnern, dass es einen massiven Fehler von mir gegeben hätte", erklärte Hamilton seine Laune. "Da waren es nur die Umstände, dass meine Reifen hinüber waren und ich stoppen musste. Heute gab es gewisse Dinge, wenn ich die perfekt gemacht hätte, dann wäre ich in einer viel besseren Position gewesen, um den Sieg zu kämpfen. Ich habe sie nicht perfekt gemacht und mich damit selbst in die Position gebracht."

Den ersten Fehler machte Hamilton schon im Qualifying. Erst ging sein DRS nach Kurve zehn nicht auf, was ihn allein schon zwei Zehntelsekunden kostete. Anschließend machte er einen kleinen Fehler in der letzten Kurve. "Ich wäre sonst easy auf Pole gewesen", trauert Hamilton auch nach dem Rennen noch der vertanen Chance vom Samstag hinterher.

Hamilton macht zwei Fehler im Rennen

Im Rennen hätte Hamilton die Chance gehabt, die richtige Reihenfolge wiederherzustellen. Von Platz zwei aus ins Rennen gegangen, lag er nach Kurve eins aber hinter Vettel auf Rang drei. "Es war meine Schuld, dass ich die Position am Start verloren habe. Ich bin erst sehr gut weggekommen, war im perfekt im Fenster, aber hatte dann in der zweiten Phase ein bisschen Wheelspin."

Bottas hielt Vettel und Hamilton auf - Foto: Sutton

Im ersten Stint konnte Hamilton nicht viel machen: Bottas hielt mit seinen Reifenproblemen den ganzen Zug dahinter auf. Auf den Supersofts hatte der Mercedes-Pilot Mühe, in Dirty Air hinter Vettel im DRS-Fenster zu bleiben. Als Vettel am Ende von Runde neun früh zum Stopp kam, konnte Hamilton in frischer Luft schnell auf Bottas aufschließen.

Bevor Mercedes die Reihenfolge umdrehen konnte, kam das Safety-Car und sorgte dafür, dass die Spitzenreiter alle gleichzeitig mit dem Reifenwechsel nachzogen. Hamiltons Problem war nur, dass er sich direkt hinter Bottas befand und beim Reifenwechsel warten musste, bis sein Teamkollege abgefertigt war.

Hamilton macht den Räikkönen - und wird bestraft

Um die Wartezeit zu verringern und keine Zeit auf Ricciardo hinter ihm zu verlieren, ließ Hamilton unter Safety-Car-Bedingungen den Rückstand auf Bottas wachsen. "Ich hatte eine solche Situation schon einmal, nämlich mit Nico in Monaco. Dort hatte ich zu wenig Rückstand und musste warten. Man braucht etwa fünf Sekunden", so Hamilton.

Ich habe bis zur Boxenlinie runtergebremst und habe mich rollen lassen, bin nicht mehr aufs Gas gegangen. Es war wie ein Domino-Effekt.
Lewis Hamilton

Im Umlauf zuvor hatte Hamilton gerade einmal 0,7 Sekunden Rückstand auf Bottas. Doch durch die Geschwindigkeit unter SC-Bedingungen in langsamer Fahrt vergrößert sich der Vorsprung zeitmäßig. Nicht viel genug allerdings, weshalb Hamilton bis zur ersten Safety-Car-Linie langsamer machte und fast exakt auf die geforderten fünf Sekunden kam. Hinter der Safety-Car-Linie dürfte die Konkurrenz überholen, selbst wenn das Safety-Car auf der Strecke ist.

An der Safety-Car-Linie gab Hamilton wieder Gas, um Ricciardo hinter sich zu halten. Bis hierhin war alles gut. "Dann habe ich aber gesehen, dass es bei Valtteri Probleme gab und wusste, dass der Abstand nicht reichen würde. Ich habe bis zur Boxenlinie runtergebremst und habe mich rollen lassen, bin nicht mehr aufs Gas gegangen. Es war wie ein Domino-Effekt", schildert der dreifache Weltmeister.

Statt der maximalen 80 Stundenkilometer fuhr Hamilton zeitweise nur mit 57 km/h. Erst als Bottas' Boxenstopp beendet war, schaltet Hamilton aus dem Schleich-Modus wieder in den Rennmodus und beschleunigte auf 75 km/h. Dafür gab es eine Fünf-Sekunden-Strafe von den Rennkommissaren. Nachdem Kimi Räikkönen 2005 beim Belgien GP unnötig in der Boxengasse verlangsamte, ist das Langsamfahren verboten.

Lauda: Hamilton hat sich selbst bestraft

"Es sollte nicht passieren, aber es kann passieren", sagte Niki Lauda zu Motorsport-Magazin.com. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Mercedes Formel 1 Teams weiter: "Er konnte dann noch hart genug fahren, um noch Zweiter zu werden, aber er hat sich damit selbst bestraft."

Doch Hamilton tröstet der zweite Platz nicht. "Ich fühle Schmerz in meinem Herzen. Wenn du Zweiter bist, solltest du glücklich sein? Das ist es aber nicht, warum wir existieren. Wenn irgendjemand denkt, ein Fahrer oder ich sei glücklich, wenn er Zweiter ist... Dafür existieren wir nicht! Wenn du einen starken und guten Fight hast, dann ist es ein gutes Gefühl, ich habe mich auch auf dem Podium noch gut gefühlt, aber als ich darüber nachgedacht habe, gab es gewisse Dinge, die ich besser hätte machen können. Du übst, übst, übst und übst, du hast nur 20 Möglichkeiten im Jahr und dann ist es schmerzhaft. Man kann es nicht anders sagen."

Hammer-Time auf Soft-Reifen

Nach dem ersten Stopp und Hamiltons Strafe begann das Rennen für den Briten eigentlich erst richtig. Auf den Soft-Reifen fand der Shanghai-Sieger die Pace und ging schnell an Ricciardo vorbei, an den er trotz Schleichfahrt Platz drei in der Box verloren hatte. Wegen Problemen mit den Schlagschraubern waren alle Mercedes-Stopps im Rennen etwas langsamer. "Wahrscheinlich lag es am Luftdruck", lautete Toto Wolffs erste Analyse.

Auf den Soft-Reifen ging es plötzlich deutlich schneller im zweiten Stint. An Bottas kam Hamilton allerdings erst zu spät und nur auf Geheißen des Teams vorbei. Da hatte Vettel allerdings schon einen Vorsprung von rund sechs Sekunden herausgefahren. Weil Vettel am Ende von Runde 32 zu seinem zweiten Stopp kam, übernahm Hamilton die Führung - allerdings mit dem Wissen, noch eine Fünf-Sekunden-Strafe zu haben.

Auf Soft war Hamilton deutlich konkurrenzfähiger - Foto: Sutton

Vettel flog auf frischen Soft-Reifen wieder an Hamilton heran, verkleinerte kontinuierlich den Rückstand nach dem Stopp. Einige glaubten, Hamilton würde auf Soft durchfahren, müsste Vettel am Ende nur fünf Sekunden hinter sich halten. Doch auch Hamilton stoppte noch einmal. "Es war immer klar, dass wir noch einen Stopp machen", sagte der Mercedes-Pilot zu Motorsport-Magazin.com.

Laut Pirelli wäre das aber durchaus möglich gewesen. Die Abnutzung der Reifen hielt sich in Grenzen, es galt nur das Überhitzen der Hinterreifen in den Griff zu kriegen. "Weil in den Trainings nie jemand einen so langen Stint gefahren ist, wäre es ein Risiko gewesen - aber eine Zeit lang dachte ich schon, dass er es vielleicht versucht", meinte Pirellis Mario Isola.

In Runde 41 kam auch Hamilton noch einmal zum Stopp und holte sich erneut die Soft-Reifen. Dabei ging der letzte Stint nur über 17 Runden, eine gute Distanz für die Supersoft-Pneus. Doch Mercedes kam mit dem Soft deutlich besser klar. In Riesenschritten knabberte Hamilton seinen Rückstand von 20 Sekunden auf Vettel ab, doch ganz ging die Aufholjagd nicht auf. Knapp sieben Sekunden fehlten dem Briten am Ende.

Wolff: Racepace nicht unser Problem

"Die Reifen sind absolut der Schlüssel", analysiert Hamilton. "Das Auto ist offensichtlich gut, aber es geht darum, wie wir die Reifen am Renntag nutzen, vor allem wenn es ein bisschen wärmer ist, wobei es heute sogar ein bisschen kühler war - aber sie sind ein großes Fragezeichen." Um die neue Generation der Pirelli-Pneus besser verstehen zu lernen, hängt Hamilton am Dienstag sogar höchstpersönlich einen Testtag in Bahrain an. Am Mittwoch testet Bottas.

Toto Wolffs Fazit nach den Plätzen zwei und drei fällt durchaus positiv aus: "Auf einer schnellen Runde haben wir einen leichten Vorteil, im Rennen sind wir ziemlich gleichauf - auch wenn das natürlich eine mustige Aussage ist, wenn man das Rennen verliert. Aber Lewis' Pace war im gesamten Rennen gut. Ich denke, es wird in den nächsten paar Rennen eng."

Doch trotz ähnlicher Racepace und der der besseren Ausgangssituation hat es für Mercedes nicht zum Sieg gereicht. "Es waren viele kleine Verluste", erklärt Wolff. "Am Anfang die Probleme mit Valtteris Luftdrücken, dann kam Vettel direkt am Start auf Platz zwei, anschließend der clevere Undercut von Ferrari und dann hatten wir wegen fehlender Power nicht die perfekten Boxenstopps. Ich denke nicht, dass uns Racepace fehlt."


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