Formel 1 - Jetzt spricht Bernie: Habe F1 zu teuer verkauft

Zu viel Geld für ein zu schlechtes Produkt

Bernie Ecclestone stellt sich in Bahrain erstmals seit seiner Absetzung als Formel-1-Chef den Medien - und gibt sich teilweise selbstkritisch.
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Motorsport-Magazin.com - Bahrain wurde in den letzten Jahren immer mehr zum politischen Mittelpunkt der Formel-1-Szene. In Sakhir gipfelten die Diskussionen über Power Units und Qualifikationsformate. In diesem Jahr gibt sich Bernie Ecclestone zum ersten Mal die Ehre. Es ist nicht nur sein erster Besuch in diesem Jahr, es ist das erste Mal seit Jahrzehnten, dass Bernie Ecclestone das Formel-1-Fahrerlager nicht als mächtigster Mann der Szene betritt.

Sie haben mich nie nach irgendwas gefragt.
Bernie Ecclestone über die Arbeit mit Liberty Media

Nachdem Liberty Media die Stimmrechte an der Formel 1 gekauft hatte, setzte das amerikanische Medienunternehmen als erste Amtshandlung Geschäftsführer Bernie Ecclestone ab. Chase Carrey, Ross Brawn und Sean Bratches übernahmen die Aufgaben des 86-Jährigen als Dreigespann.

Als Ehrenpräsident hat Ecclestone keine aktive Aufgabe in der Geschäftsführung mehr. Er sollte aber die neuen Geschäftsführer mit seiner Erfahrung unterstützen. "Sie haben mich nie nach irgendwas gefragt", sagte Ecclestone nun. "Ich habe nur heute Morgen mit Chase über ein oder zwei Probleme gesprochen."

Verbittert ob seiner Absetzung ist Ecclestone nicht: "Ich bin glücklich. Ich bin noch im Unternehmen, nur nicht mehr als Geschäftsführer. Den Job hat Chase übernommen. Ich bin beschäftigt, ich vermisse nichts. Ich bin noch immer mit den gleichen Dingen wie in der Vergangenheit beschäftigt."

Ecclestone fühlt sich verantwortlich

"Es ist komisch hierherzukommen, weil ich all die Leute überzeugt habe, diese Orte zu bauen. Ich fühle mich ein bisschen verantwortlich dafür", so Ecclestone - der auch eigene Fehler einsieht: "Ich habe ihnen für das, was wir abgeliefert haben, zu viel Geld abgenommen. Ich fühle mich etwas verantwortlich. Wenn sie mich fragen, helfe ich ihnen - das hat aber mit Liberty nichts zu tun. Wir haben nicht die Show geliefert, für das, was wir von den Leuten verlangt haben."

Ecclestone machte Bahrain die Formel 1 schmackhaft, 2004 fand der erste GP statt - Foto: Sutton

Ecclestone bezeichnete die Formel 1 noch als aktiver Geschäftsführer als 'scheiße'. Doch die Antrittsgebühren für die Rennstrecken waren unverändert hoch. Dadurch mussten die Promoter hohe Eintrittspreise verlangen, um sich zu refinanzieren, wodurch vielerorts die Zuschauer ausblieben. Doch als Formel-1-Geschäftsführer war es sein Job, möglichst hohe Einnahmen zu generieren. "Ich bin Gebrauchtwagenhändler", scherzt Ecclestone.

Ecclestone sieht keinen Unterschied im Image

Ecclestones Nachfolger kümmern sich vor allem um die Außendarstellung der Formel 1. Etwas, das dem Formel-1-Zampano nie besonders am Herzen lag. "Ich habe bislang auch noch keinen Unterschied gesehen", so der 86-Jährige. "Aber wenn man ein gutes Produkt hat, gibt es auch nichts zu vermarkten, es vermarktet sich selbst. Der Grund, warum wir Zuschauer verloren haben, ist, dass wir ein schlechtes Produkt hatten."

Das Produkt komme allerdings langsam wieder in Schwung: Lewis Hamilton und Sebastian Vettel gehen punktgleich als WM-Führende in das dritte Rennwochenende. "Ich glaube, das Racing ist jetzt besser als es letztes Jahr war. Ferrari hat sich zusammengerauft, jetzt muss Red Bull noch das gleiche machen und dann gibt es gutes Racing mit Mercedes. Dann ist es gut, das will die Öffentlichkeit."

Ecc-xit! Ecclestones F1-Aus ein Fluch oder Segen?: (13:47 Min.)


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