Formel 1 - Wehrlein K. o.: Das Risiko abseits des F1-Cockpits

Da hört der Spaß auf

Pascal Wehrlein kann wegen des Unfalls beim RoC nicht an den Testfahrten. Schon in der Vergangenheit stoppten Freizeitunfälle Michael Schumacher & Co.
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Motorsport-Magazin.com - Das Race of Champions ist für die Teilnehmer normalerweise eine äußerst entspannte Abendveranstaltung: Motorsport-Größen aus aller Welt geben sich die Klinke in die Hand und treten bei verhältnismäßig geringen Geschwindigkeiten im Stadion gegeneinander an. Aufgrund dieser Unbedenklichkeit ist es wenig verwunderlich, dass die Formel-1-Piloten für das Event, im Gegensatz zu zahlreichen anderen Freizeitaktivitäten, von ihren Teams jederzeit eine Freigabe erhalten.

Für Pascal Wehrlein jedoch hatte sein Auftritt beim RoC schwerwiegende Folgen: Durch seinen Unfall am ersten Wettkampftag wird er, wenn in der letzten Februarwoche der Formel-1-Zirkus bei den Testfahrten in Barcelona die neue Saison einläutet, nicht im Cockpit sitzen. Während die Piloten in früheren Zeiten regelmäßig mit der Gefahr auf der Strecke konfrontiert waren, scheinen Freizeitaktivitäten heute fast gefährlicher zu sein. In jüngeren Jahren kam es immer wieder zu Unfällen fernab des Arbeitsplatzes.

2009 - Michael Schumachers Motorradunfall

Michael Schumacher war zwischen 2007 und 2009 regelmäßig mit dem Motorrad auf der Rennstrecke - Foto: Andreas Beil

Im Jahr 2009 war Michael Schumacher bereits im dritten Jahr seiner ersten Formel-1-Fahrer-Rente. Der Rekordweltmeister hatte seit seinem Rücktritt Ende 2006 jedoch nicht den Fuß vom Gas genommen. Bei Rennstreckentrainings und Amateurrennen war der damals 40-Jährige häufig auf dem Motorrad anzutreffen. So auch Anfang 2009, als er in Vorbereitung auf seine Einsätze in der IDM bei Testfahrten in Cartagena stürzte. In den Medien kursierten regelmäßig Bilder eines gestürzten Michael Schumachers und auch der Unfall in Spanien schien zunächst keine große Sache zu sein. Der Unfall von Felipe Massa im Training zum Ungarn-GP änderte jedoch alles.

Die Verletzungsfolgen vom Motorrad-Unfall im Februar, als ich mir Brüche im Bereich Kopf und Hals zugezogen habe, sind leider noch immer zu schwer.
Michael Schumacher

Ferrari brauchte plötzlich einen Ersatz und wandte sich an Schumacher. Dieser war von der Idee eines spontanen Comebacks in den Farben seiner ehemaligen Weggefährten äußerst angetan. Nach einem Test in Mugello wurde jedoch klar, dass es sich bei dem Zwischenfall in Cartagena nicht um einen harmlosen Sturz gehandelt hatte. Schumacher war körperlich nicht dazu in der Lage, einen F1-Boliden am Limit zu bewegen: "Die Verletzungsfolgen vom Motorrad-Unfall im Februar, als ich mir Brüche im Bereich Kopf und Hals zugezogen habe, sind leider noch immer zu schwer." Das Comeback in Rot fiel damit ins Wasser.

2005 - Die Tennisball-Affäre um Juan Pablo Montoya

Montoya war sein Tennisball-Unfall zumindest gegenüber den Medien peinlich - Foto: Sutton

Es war das dritte Rennwochenende der Saison 2005 - doch McLaren-Neuzugang Juan Pablo Montoya war nicht am Start. Der Grund für das Fernbleiben des Kolumbianers war eine Haarrissfraktur in der Schulter. Die offizielle Begründung seitens des Teams: Ihr Pilot hatte sich am Wochenende zuvor bei einem Tennis-Match verletzt. Die kuriose Beschreibung des Unfalls: Montoya soll auf einem Tennisball ausgerutscht sein.

Ich würde lieber sagen, dass es alles außer Tennis war - denn es hört sich irgendwie dumm an.
Juan Pablo Montoya

Im Paddock war JPM jedoch weniger als Tennis-affin bekannt. Viel eher vermuteten Insider einen Unfall beim Motocross als wahren Grund für die Verletzung. Die Spekulationen rissen nicht ab, doch Montoya selbst bekräftigte stets die offizielle Version des Unfallhergangs: "Es war Tennis. Ich würde lieber sagen, dass es alles außer Tennis war - denn es hört sich irgendwie dumm an. Aber so war es halt." Zwei Rennen später in Barcelona saß er wieder im Cockpit und über den Vorfall wuchs mit der Zeit das Gras.

2011 - Robert Kubicas verhängnisvolle Leidenschaft

Robert Kubicas Formel-1-Karriere wurde durch einen Rallye-Unfall beendet - Foto: Citroen

Robert Kubica galt Ende des vergangenen Jahrzehnts als eines der größten Talente in der Formel 1. Als Vollblut-Racer durch und durch war der Pole auch abseits seiner beruflichen Verpflichtungen als F1-Pilot gerne schnell unterwegs. Im Februar 2011 nahm der damalige Renault-Pilot an der Ronde di Andora teil - einer eher bedeutungslosen Rallye, bei der er wieder einmal seiner Leidenschaft für diese ganz andere Art des Rennfahrens frönen wollte. Auf der ersten Etappe kam er jedoch mit seinem Skoda Fabia S2000 von der Strecke ab und schlug mit hoher Geschwindigkeit in eine Leitplanke ein.

Die Streckenbegrenzung durchbohrte die Front des Fahrzeugs und fügte Kubica schwerste Verletzungen an der rechten Körperseite zu. Besonders schlimm erwischte es seinen Arm, welchen die Ärzte in einer siebenstündigen Operation vor der Amputation bewahren konnten. Die Öffentlichkeit war zunächst der Annahme, dass Kubica nur für die Saison 2011 außer Gefecht sein würde. Doch tatsächlich markierte der Rallye-Unfall das Ende seiner Formel-1-Laufbahn. Kubica saß seit dem Crash nicht mehr in einem F1-Auto und hat die vollständige Beweglichkeit seines rechten Arms und des Handgelenks bis heute nicht wiedererlangt.

2011 - Kimi Räikkönens Snowmobil-Crash

Kimi Räikkönens Snowmobil-Crash zog wider Erwarten doch eine OP nach sich - Foto: Sutton

Kimi Räikkönen übernahm für die Saison 2012 das verwaiste Kubica-Cockpit beim Renault-Nachfolger Lotus. Der Finne jedoch schlug bei seinen Freizeitaktivitäten in der Winterpause ebenfalls über die Strenge. Neben Rallye-Fahrzeugen und Motocross-Maschinen zählen noch diverse andere motorisierte Untersätze zu den Hobbies des Vollgas-süchtigen Iceman. Im Dezember 2011 nahm er deshalb an einem Snowmobil-Rennen in Saalbach Hinterglemm teil- ganz offiziell mit Sponsoring von Red Bull, die ihn zu dieser Zeit auch in der WRC unterstützten.

Kimi geht es gut. Es gibt keinen Anlass zur Besorgnis.
Lotus via Twitter

Räikkönen verunfallte jedoch und musste mit einer Verletzung am linken Handgelenk von den Ärzten an der Strecke behandelt werden. Sein Team teilte kurz darauf auf Twitter mit, dass alles nur halb so wild sei: "Kimi geht es gut. Es gibt keinen Anlass zur Besorgnis, er hat nur ein verstauchtes Handgelenk." Tatsächlich kam der Vorfall danach zunächst nicht mehr zur Sprache und Räikkönen startete planmäßig in die Rennsaison 2012. Unter der Saison wurde jedoch klar, dass es sich nicht nur um eine Stauchung gehandelt hatte. Aufgrund anhaltender Probleme kam der Iceman nach dem Ungarn-GP in der Sommerpause unters Messer - ohne jedoch eine Rennteilnahme zu verpassen.

2005 - Nick Heidfelds ominöser Fahrradunfall

BMW trennte sich Ende 2005 von Williams und nahm Nick Heidfeld gleich mit - Foto: Sutton

Mit dem Wechsel zu BMW Williams saß Nick Heidfeld in der Saison 2005 erstmals in einem Auto, das konkurrenzfähig genug war, um ihn in Schlagdistanz zur Spitze zu bringen. Doch abgesehen von ein paar Podestplätzen und einer Pole Position am Nürburgring war mit dem FW27 nicht viel zu holen. Die Spannungen zwischen dem Team und Motorenpartner BMW nahmen angesichts der ausbleibenden Erfolge stetig zu. Bei Testfahrten im Sommer zog sich Heidfeld dann bei einem Unfall eine Gehirnerschütterung zu, in Folge derer er für die Rennen in Monza und Spa-Francorchamps ausfiel. Völlig überraschend sagte Heidfeld dann allerdings auch die letzten beiden Saisonrennen in Japan und China ab.

Ich bin aufgrund einer Unachtsamkeit meinerseits mit einem Motorrad kollidiert.
Nick Heidfeld

Grund soll ein Trainingsunfall in der Heimat gewesen sein. Nach offiziellen Angaben war Quick Nick bei einer Trainingseinheit mit dem Fahrrad in einen Unfall verwickelt und zog sich einen Riss des rechten Schulterblattes sowie Stauchungen an den Fingern und Schürfwunden zu. "Ich bin aufgrund einer Unachtsamkeit meinerseits mit einem Motorrad kollidiert. Dadurch kann ich auch beim nächsten Rennen nicht starten", so die Aussage des damaligen Williams-Piloten. Da zu diesem Zeitpunkt bereits klar war, dass BMW sich von Williams trennen und ab 2006 als Partner von Sauber und mit Heidfeld in einem der Cockpits antreten würde, kam vielerorts Skepsis über den Wahrheitsgehalt der offiziellen Begründung auf.


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