Formel 1 - Mercedes zeigt erstes Detail vom 2017er Auto

Fire-Up des F1 W08 Hybrid

Mercedes veröffentlicht ein Video vom ersten Anlassen des neuen Boliden. Darauf ist auch schon ein kleines Detail zu erkennen.
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Mercedes lässt den F1 W08 Hybrid an: (00:48 Min.)

Die gesamte Formel-1-Welt wartet gespannt auf den 21. Februar - an diesem Tag nämlich stellt Renault als erstes Team den 2017er Boliden vor. Die Rahmenbedingungen sind vielversprechend: Breitere Reifen, breitere Autos, großer Diffusor und ästhetischere Flügel-Dimensionen.

Mercedes hat nun als erstes Team ein Video vom neuen Auto veröffentlicht. Viel ist darin allerdings nicht zu sehen. Das Video zeigt, wie sich Ingenieure und Mechaniker um den vermutlich F1 W08 Hybrid getauften Wagen versammeln und zum ersten Mal die Power Unit im Heck anwerfen.

Der Mercedes-Auspuff 2016 - Foto: Sutton

Am Sound lässt sich nicht erkennen, ob es sich tatsächlich um die neue Generation der PU106 handelt. Das einzige Teil, das vom neuen Auto zu sehen ist, ist der Auspuff. Interessant: Hier ist tatsächlich eine kleine Änderung im Vergleich zum Vorjahr zu erkennen. Während das zentrale Hauptrohr vorgeschrieben ist, gibt es bei den kleinen Wastegate-Pipes kleinere Freiheiten.

Mercedes setzt in diesem Jahr wieder auf zwei kleine Zusatz-Rohre. In der vergangenen Saison entschied sich lediglich Renault für die Lösung mit nur einem Wastegate-Pipe. Doch die Anordnung der Zusatz-Rohre hat sich bei Mercedes 2017 leicht geändert. Während sie 2016 direkt nebeneinander unter dem Hauptrohr angebracht waren, sind sie nun weiter auseinander und am Ende mit dem Hauptrohr verbunden. 2017 hingen sie frei schwebend unter dem Hauptrohr.

Renault fuhr 2016 mit einem Zusatz-Rohr - Foto: Sutton

Andere Teams wie zum Beispiel Red Bull fuhren in der vergangenen Saison mit dieser Anordnung, von vielen auch Mickey-Maus-Auspuff genannt. Im Gegensatz zur Mercedes-Anordnung 2016 ist sie breiter, dafür aber nicht so hoch. Der Grund für die Neuanordnung ist vermutlich das Packaging. Für die Auspuffendrohre sind die Kundenteams übrigens selbst zuständig, sie erhalten nur gewisse Parameter vom Motorenhersteller.

Darum haben die Autos 3 Auspuffrohre

Seit der abgelaufenen Saison haben die Formel-1-Boliden zwei, respektive drei Auspuffendrohre, zuvor hatten die Turbo-Hybrid-Aggregate lediglich ein großes, zentrales Rohr. Die Änderung wurde eingeführt, um die Autos lauter zu machen. Im Mittelpunkt dieser Idee steht das sogenannte Wastegate-Ventil. Dieses Ventil befindet sich zwischen Abgaskrümmer und Turbolader. Soll der Turbolader weniger stark vom Abgasstrom angetrieben werden, öffnet sich das Ventil und leitet die Abgase am Turbolader vorbei. Quasi ein Bypass.

Die Wastegate-Gase umgehen den Turbo - Foto: Renault/Motorsport-Magazin.com

In der Vergangenheit war das Wastegate-Ventil essentiell, um den Ladedruck zu regeln. Heute ist das etwas anders: Weil am Turbolader nicht nur der Kompressor, sondern auch noch die MGU-H hängt, wird der Ladedruck größtenteils von der MGU-H geregelt. Wenn sie rekuperiert, ist der Widerstand für den Turbo größer.

In der modernen Formel 1 wird der Ladedruck größtenteils über die MGU-H geregelt. Wird die Drehzahl aber zu hoch - das Reglement erlaubt maximal 125.000 Umdrehungen pro Minute -, greif das Wastegate ein. Das ist auch der Grund, warum die Motoren schon 2015 geringfügig lauter waren als 2014: Neben den Verbrennungsmotoren wurden auch die elektrischen Komponenten effizienter. Somit muss die MGU-H weniger angetrieben werden, die Wastegate-Ventile können häufiger öffnen.

Die Querschnittsflächen sind eingeschränkt - Foto: Sutton

Öffnen die Wastegate-Ventile, gelangen Energiereiche Abgase ohne den Umweg Turbolader direkt in das Auspuffendrohr. Die Lautstärke steigt. Deshalb ist der Renault-Motor auch deutlich leiser als die Aggregate von Mercedes und Ferrari: Die Wastegate-Ventile sind schlichtweg nicht so oft geöffnet.

Aktuell gibt es zwei Wastegate-Ventile. Eines hinter dem linken, eines hinter dem rechten Abgaskrümmer. Nach der Umgehung des Turboladers führte der Bypass früher in das große zentrale Endrohr. So schrieb es das Reglement vor. Seit 2016 ist das anders: Nach den Wastegate-Ventilen dürfen die Abgase gar nicht mehr in das zentrale Auspuffendrohr führen, es muss einen eigenen Auspuff für die Wastegate-Gase geben. Dabei ist es den Teams freigestellt, ob sie jeweils ein Rohr für jede Seiten oder ein einzelnes Gesamtrohr verbauen wollen.

Die Positionierung ist ebenfalls festgelegt - Foto: Sutton/Motorsport-Magazin.com

Wie groß die Rohre sein dürfen, ist festgelegt. Die Querschnittsfläche des Zentralen Hauptrohres muss zwischen 7.500 und 14.000 Quadratmillimeter betragen. Veranschaulicht bedeutet das einen Rohrdurchmesser zwischen 10 und 13,5 Zentimeter. Beim Wastegate-Auslass ist die Fläche ebenfalls festgelegt. Egal ob ein oder zwei Rohre, die Querschnittsfläche muss insgesamt zwischen 1.590 und 2.375 Quadratmillimeter liegen. Bei einem einzelnen Rohr bedeutet das einen Durchmesser zwischen 4,5 und 5,5 Zentimeter. Bei zwei Rohren misst der Durchmesser zwischen 3,2 und 3,9 Zentimeter. Wichtig: Die zwei Rohre müssen gleich groß sein.

Natürlich gibt es auch bei der Anordnung Vorschriften, damit keine Karosserieteile angeblasen werden können. Wie der große Auspuff müssen auch die Wastegate-Rohre nach hinten rausblasen. Von oben betrachtet dürfen die Rohre nur maximal 5,0 Grad schräg liegen. Von der Seite betrachtet gilt der gleiche Grenzwert, allerdings dürfen die Gase nicht nach unten, sondern nur gerade oder maximal 5,0 Grad noch oben entweichen. Auch die mittige Position ist vorgeschrieben: Kein Endrohr darf mehr als 100 Millimeter von der Fahrzeugmitte entfernt sein. Für die Höhe gilt: Zwischen 350 und 550 Millimeter über der Fahrzeugreferenzebene.


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