Formel 1 - Crash, Boom, Bang! Die Regen-Opfer von Interlagos

São Paulos Hightech-Schrottplatz

Der Regen machte den Fahrern in Brasilien ganz schön zu Schaffen. Für einige endete das Rennen in der Mauer, andere schrammten haarscharf am Crash vorbei.
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Romain Grosjean - Vorstart

Das an diesem Rennsonntag nach heftigen Regenfällen überflutete Autodromo José Carlos Pace forderte schon vor dem Rennstart sein erstes Opfer. Romain Grosjean, der sich am Samstag sensationell auf Platz sieben qualifiziert hatte, verlor auf dem Weg in die Startaufstellung die Kontrolle über seinen Haas-Boliden. Kurz vor Kurve 13, dem letzten Linksknick, der auf die Start- und Zielgeraden von Interlagos führt, brach dem Franzosen völlig unvermittelt das Heck aus. Grosjean konnte das Auto nicht mehr abfangen und Schlug in der Mauer ein.

"Was soll ich sagen? Ich hatte nicht einmal Vollgas gegeben. Ich war kaum schneller als Gutierrez, und das Auto hat sich einfach gedreht. Es war einfach Pech. Es gab an diesem Punkt schlichtweg keinen Grip. Ich habe Schlupf bekommen, mich gedreht und bin gecrasht. Es tut mir so leid für die Crew", so der tiefbetrübte Grosjean. Da ihm dieses Missgeschick etwa 20 Minuten vor dem Start unterlief, war es seinen Mechaniker nicht mehr möglich, die zerstörte linke Fahrzeugseite rechtzeitig wieder in Schuss zu bringen. Für den Franzosen war der Große Preis von Brasilien damit schon beendet, bevor er überhaupt begonnen hatte.

Marcus Ericsson - Runde 13

Sauber-Pilot Marcus Ericsson zählte zu den ersten Fahrern, die wenige Runden nach der Freigabe des Rennens auf Intermediates wechselten. Kurz darauf wurde er wohl auch aus diesem Grund das erste Unfallopfer des Grand Prix von Brasilien 2016. Auch ihn erwischte es in beim Herausbeschleunigen auf die Start- und Zielgeraden - allerdings befand er sich in Kurve 13 bereits einige Meter nach der Unfallstelle von Grosjean.

Der Schwede schlug erst auf der rechten Seite in die Mauer ein, bevor er auf der gegenüberliegenden Seite mitten in der Boxeneinfahrt zum Stehen kam. Der Unfall des Sauber-Piloten löste die zweite Safety-Car-Phase aus. "Auf der Bergauf-Passage kurz vor Start und Ziel habe ich das Auto wegen zu viel Wasser auf der Fahrbahn verloren - in einer solchen Situation ist man am Ende nur noch Passagier und kann den Aufprall nicht mehr vermeiden", so Ericsson.

Marcus Ericsson erwischte es im Rennen als erstes - Foto: Sutton

Kimi Räikkönen - Runde 20

Kaum war das Rennen in Runde 20 wieder freigegeben, krachte es gleich an beiden Enden des Feldes erneut. Hinter dem Silberpfeil-Duo an der Spitze, verlor Kimi Räikkönen mitten auf der Start- und Zielgeraden bei hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über seinen Ferrari. Der Finne schlug erst auf der rechten Seite in die Bande ein, bevor der Boliden quer vor dem herannahenden Feld über die Strecke rutschte und an der Boxenmauer anhielt. Räikkönen hatte großes Glück, dass ihn keiner der nachfolgenden Fahrer erwischte.

Vor allem für Verstappen und ein Manor verfehlten den Ferrari nur knapp. "Es hat gar nicht so schwer geregnet, aber es stand überall viel Wasser. Das größte Problem war das Aquaplaning, und ich bekam es an einer Stelle, an der ich es nicht erwartet hatte. Ich habe mich einfach auf der Geraden gedreht! Ich hätte das Auto beinahe noch abgefangen, aber dann bin ich an einer ganz ungünstigen Stelle abgeflogen", so der Finne.

Jolyon Palmer und Daniil Kvyat - Runde 20

Ausgelöst durch Räikkönens Unfall an der Spitze, wurde das Feld durch die Ausweichmanöver der dahinterfahrenden Piloten zusammengestaucht. Jolyon Palmer konnte Daniil Kvyat im Zuge dessen nicht mehr ausweichen, und zerstörte die rechte Vorderradaufhängung an seinem Renault. "Ich habe nicht gesehen, was vor mir passiert ist. Ich konnte kaum weiter schauen als bis zu meinem Lenkrad. Ich war sogar auf den Regenreifen unterwegs, doch ich habe ihn berührt. Er wurde plötzlich langsamer und ich konnte nichts machen", so der Brite, für den das Rennen, im Gegensatz zu Kvyat, nach der Kollision beendet war.

Felipe Massa - Runde 47

Lokalmatador Felipe Massa wiederfuhr in Runde 47 der wohl tragischste Unfall an diesem Sonntag in Interlagos. Ausgerechnet bei seinem letzten Auftritt vor den heimischen Zuschauern, wurde auch er ein Opfer der heimtückischen Streckenbeschaffenheit zwischen der letzten und der ersten Kurve. An gleicher Stelle wie zuvor Ericsson, verlor auch Massa die Kontrolle über sein Fahrzeug und schlug zuerst auf der linken Streckenseite in die Mauer ein, bevor sein Williams in der Boxeneinfahrt strandete.

Sichtlich ergriffen und unter dem Jubel der Zuschauer machte sich Massa auf den Weg zurück an die Box, wobei er mit einer brasilianischen Flagge einen letzten Gruß an die Fans sandte. "Es ist natürlich ein schlimmes Gefühl, das Rennen nicht beendet zu haben. Für meine Fans, für Brasilien. Es ist ein besonderer Ort für mich. Aber ich denke, Gott weiß, was er tut, wenn er mich an solch einem Ort zum Anhalten bringt."

Felipe Massas letztes Brasilien-Rennen nahm ein trauriges Ende - Foto: Sutton

Wer gerade noch die Kurve bekommen hat

Sebastian Vettel - Runde 11

Dass Sebastian Vettels Rennen kein sonderlich erfolgreiches werden würde, zeichnete sich bereits früh ab. In Runde elf verlor der Ferrari-Pilot im letzten Sektor die Kontrolle über seinen Wagen, drehte sich durch die Wiese und schlitterte zurück auf die Strecke. Dabei hatte Vettel Glück, nicht vom hinterherfahrenden Daniel Ricciardo getroffen zu werden, der nur knapp ausweichen konnte. "Ich hatte Aquaplanning, habe mich gedreht, aber ich war nicht der Einzige, den es erwischt hat", kommentierte Vettel. Später ritt an selbiger Stelle auch noch Fernando Alonso aus, der das Rennen wie Vettel aber fortsetzen konnte.

Max Verstappen - Runde 39

Max Verstappen wurde - völlig zu Recht - zum Mann des Rennens gewählt. Neben einigen spektakulären Überholmanövern zeigte der Red-Bull-Pilot auch eine unglaubliche Fahrzeugbeherrschung, als er eingangs der Start- und Zielgeraden mit dem linken Vorderreifen auf die Kerbs kam, wodurch der Wagen ins Driften geriet, er die Schieflage jedoch gekonnt abfing und dabei nicht einmal eine Position an den hinter ihm fahrenden Nico Rosberg verlor. "Eindrucksvoller als Schumacher", zog Dr. Helmut Marko im Interview mit Motorsport-Magazin.com den Hut.

Nico Rosberg - Runde 45

Um ein Haar hätte Nico Rosberg seinen so kostbaren zweiten Platz, der ihm weiterhin beste Chancen auf den Titelgewinn ermöglicht, in den Sand gesetzt. Wie so viele andere Fahrer, verlor auch der Mercedes-Pilot in Kurve zwölf die Kontrolle über seinen Wagen, konnte den ausbrechenden Silberpfeil aber gerade noch abfangen, bevor dieser Schaden nahm.

Nico Rosberg kam mit dem Schrecken davon - Foto: Sutton

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