Formel 1 - Malaysia: Die Strecke, die die Formel 1 veränderte

Der erste Tilke-Prototyp

Hermann Tilke revolutionierte 1999 mit dem Sepang International Circuit in Malaysia die Formel 1.
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Motorsport-Magazin.com - Mit dem Sepang International Circuit brach 1999 ein neues Zeitalter in der Formel 1 an. Malaysia investierte Millionen für die modernste Rennstrecke der Welt. Mit mindestens 16 und maximal 22 Meter Breite setzte die Strecke unweit der malaysischen Metropole Kuala Lumpur neue Standards in der Königsklasse des Motorsports. Architekt der Strecke: Hermann Tilke.

Für den Aachener Architekten war der Sepang International Circuit ebenfalls der Aufbruch in ein neues Zeitalter. Tilke hatte ich zwar schon zuvor einen Namen als Strecken-Architekt gemacht, in Malaysia zeichnete er sich allerdings erstmals für Entwurf und Umsetzung einer kompletten Formel-1-Strecke selbst verantwortlich. Für Umbauten wurde Tilke schon zuvor aktiv, ein komplett neues Formel-1-Projekt war er zuvor noch nicht angegangen.

Bei Fahrern ist Sepang - abgesehen vom Klima - extrem beliebt. Die Strecke bietet alle erdenklichen Kurvenarten und bietet vor allem viele, schnelle, flüssige Passagen. Um trotzdem gute Überholmöglichkeiten zu bieten, gibt es zwei lange Geraden mit harten Bremspunkten. Das Strecken-Layout ist der Prototyp der modernen Formel-1-Strecke.

Die Tribünen sind charakteristisch für Sepang - Foto: Sutton

Weitläufige Auslaufzonen garantierten schon im Jahr 1999 höchste Sicherheitsstandards, die heute auf allen modernen Strecken üblich sind. Auch bei der Architektur der Tribünen und der Boxenanlage setzte Tilke in Malaysia neue Maßstäbe. Die charakteristischen Tribünen fassen 135.000 Sitzplätze.

An 11 von 21 Strecken maßgeblich beteiligt

Für Tilke war der Malaysia GP der Startschuss, für die Formel 1 ebenfalls. Das Architektur- und Ingenieursbüro hat heute Außenstellen in Abu Dhabi, Bahrain, Aserbaidschan und Mexiko. Das Unternehmen baut neben Rennstrecken auch Hotels, Verwaltungsgebäude, Wohngebäude und Einkaufszentren.

Tilke wuchs vor allem mit dem Formel-1-Kalender - Malaysia war nur der Anfang. 2004 feierten mit dem Bahrain Internation Circuit und dem Shanghai International Circuit gleich zwei Kurse aus seiner Feder Premiere in der Formel 1. 2005 wurde erstmals im Istanbul Park gefahren - natürlich ebenfalls von Tilke gebaut.

Mit Singapur, Valencia, Abu Dhabi, Südkorea, Indien, USA, Russland und Baku folgten bis 2016 acht weitere Strecken, an denen Tilke zumindest bei der Konzeptfindung und Streckenführung beteiligt war.

Bekannte Strecken, an denen Tilke mitwirkte

  • Autódromo Hermanos Rodríguez (Mexiko)
  • Bahrain International Circuit
  • Bilster Berg Drive Resort
  • Buddh International Circuit (Indien)
  • Circuit de Catalunya
  • Circuit of the Americas (Austin)
  • Baku City Circuit
  • Fuji International Speedway
  • Hockenheimring
  • Istanbul Park
  • Korean International Circuit
  • Marina Bay Street Circuit (Singapur)
  • Moscow Raceway
  • MotorLand Aragón
  • Nürburgring
  • Paul Ricard
  • Red Bull Ring
  • Sachsenring
  • Sepang International Circuit (Malaysia)
  • Sochi Autodromo
  • Valencia Street Circuit
  • Yas Marina Circuit Abu Dhabi

Tilke: Meine Strecken sind nicht gleich

Mit seinen hochmodernen Strecken macht sich Tilke nicht nur Freunde. Motorsport-Puristen bemängeln die neuen Strecken oftmals und bezeichnen sie als Einheitsbrei. "Gleich sind sie sicher nicht, aber sie haben natürlich Elemente, die immer gleich sind", erklärt Tilke. "Lange Geraden brauchen wir. Erst einmal muss man irgendwo Speed generieren, zweitens zum Überholen. Geraden machen einfach auch spannende Rennen."

Auf die großen Auslaufzonen würde Tilke selbst auch gerne verzichten. "Es gibt natürlich die Vorschriften der FIA, was die Auslaufzonen angeht. Nehmen Sie eine Strecke wie Bahrain und stellen die Leitplanke direkt an die Strecke - das ist schon anders, aber das geht heute nicht mehr. Und deshalb sind Zwänge da."

"Dann kommt noch etwas dazu", fügt Tilke an. "Wir bauen nicht nur für die Formel 1, sondern auch für andere Rennserien, insbesondere Motorräder. Die wollen in bestimmten Arten von Kurven noch mehr Auslaufzonen haben. Das ist auch verständlich, denn die Motorradfahrer tun sich direkt weh. Wenn die eine Schulter gebrochen haben, ist die Saison vielleicht vorbei. Die Auslaufzonen werden durch die Motorradfahrer also nochmal größer, zumindest wenn sie Motorrad-geeignet sein sollen. Das sind Zwänge, in denen wir stecken. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen."

Tilkes neuestes Projekt ist die Kuwait Motor Town. Als Klasse eins Strecke von der FIA eingestuft, könnten hier sogar Formel 1 Grands Prix stattfinden. Das ist allerdings (noch) nicht angedacht. Die MotoGP und die Langstreckenweltmeisterschaft gelten als wahrscheinliche Kandidaten.


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