Formel 1 - Kanada GP: Die sieben Schlüsselfaktoren

Wenn es Nacht wird in Montreal...

...hofft Mercedes auf einen neuen Rekord, die Verfolger auf Chaos und die Zuschauer auf jede Menge Action.
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1. - S wie Start

Nach den großen Diskussionen um die Pole Position in Monaco ließ Nico Rosberg in Montreal nichts anbrennen. Auf beiden seiner zwei schnellen Runden in Q3 fuhr er schneller als Lewis Hamilton, der sich erneut mit dem zweiten Rang zufrieden geben musste. Dahinter kommt lange nichts: "Es ist richtig klasse, dass wir eine halbe Sekunde Vorsprung haben. Es freut mich sehr, dass wir unseren Vorsprung beibehalten konnten", so Rosberg.

In Kanada wird es besonders eng - Foto: Sutton

Gewonnen ist nach der Pole allerdings noch nichts. "Man kann hier durchaus von hinten nach vorne fahren, deshalb wird es interessant, auch mit Sebastian Vettel auf Rang drei", warnt Niki Lauda. Zunächst wird es aber darum gehen, die erste Ecke schadlos zu überstehen. Nach dem lediglich 260 Meter kurzen Sprint zur ersten Kurve geht es erst scharf links und danach noch enger rechts herum. In der Vergangenheit zeigte sich, dass die 'Virage Senna' ein wahres Nadelöhr ist und es eine Seltenheit ist, sollten alle Frontflügel heil bleiben.

2. - S wie Strecke

Stadtkurs oder permanente Rennstrecke, das weiß in Montreal niemand so genau. Selbst wenn es in einer Kurve eine komfortable Auslaufzone gibt und man bei einem Fahrfehler nicht viel Zeit verliert, kann der kleinste Quersteher in der nächsten Ecke das sofortige Aus bedeuten. Leidvoll erfahren musste das zum Beispiel Esteban Gutierrez, der am Samstag im freien Training in die Mauer rutschte und im später folgenden Qualifying nicht teilnehmen konnte.

Wir werden sicher 340 bis 350 Stundenkilometer auf der Geraden erreichen.
Nico Rosberg

Der Circuit Gilles Villeneuve verlangt allerdings nicht nur den Fahrer, sondern auch den Autos alles ab. 4,361 Kilometer lang, 15 Kurven und mehrere harte Bremszonen und hohe Randsteine. Die Höchstgeschwindigkeit liegt am Ende der letzten Geraden bei über 330 Stundenkilometern, kurz darauf müssen die Fahrer die bekannteste Stelle der Strecke schadlos überstehen: Die berühmt-berüchtigte 'Wall of Champions', die am Ende der letzten Schikane vor Start und Ziel lauert. Nicht wenige Piloten haben mit ihr schon Bekanntschaft gemacht, darunter bekanntlich auch zahlreiche Weltmeister.

3. - S wie Setup

Wenn lange Geraden auf enge Kurven treffen, haben Teams und Fahrer generell ein Problem: Soll man das Setup eher auf Höchstgeschwindigkeit oder lieber auf eine gute Straßenlage in den Kurven abstimmen? "Das gesamte Feld ist sehr konkurrenzfähig und liegt hier eng beisammen - es wird entscheidend sein, die perfekte Balance zu finden. Es geht darum, alle Teile des Puzzles zusammenzubekommen", verriet Nico Hülkenberg bereits am Freitag.

Für Nico Rosberg zählt dagegen nur eines: Die maximale Geschwindigkeit. "Der Circuit Gilles Villeneuve ist der erste Kurs in dieser Saison, auf dem ein Paket mit wenig Abtrieb gefragt ist. Aus diesem Grund bringen die Teams hier normalerweise spezielle Low-Downforce-Pakete mit", berichtet der WM-Führende. "Wir werden sicher 340 bis 350 Stundenkilometer auf der Geraden erreichen."

4. - S wie Strategie

Wie viel Betrieb gibt es in der Boxengasse? - Foto: Sutton

Bei der Suche nach der Strategie sind die Teams vor allem von der Reifenwahl abhängig, denn die superweichen Reifen werden nicht besonders lange halten. Die Top-Teams in den ersten Startreihen müssen nach dem Qualifying genau mit diesen Pneus starten und werden schon nach etwas mehr als zehn Runden an der Box erwartet. Genau das könnte die Chance für die Verfolger sein, wie auch Nico Hülkenberg zu berichten weiß: "Platz elf ist gar nicht so schlecht, vielleicht geht da etwas mit einer alternativen Strategie mit einem Start auf den härteren Reifen."

Keinen Einfluss auf die Strategie wird das Wetter haben - am Sonntag wird in Montreal der bisher wärmste und sonnigste Tag es Wochenendes erwartet. Laut Fernando Alonso könnte das heißere Wetter sogar für abweichende Strategien sorgen. "Am Freitag sah es noch danach aus, als wäre der weiche Reifen die beste Wahl für das Rennen. Bei den höheren Temperaturen hat heute aber der superweiche Reifen gute Figur gemacht", fasst Alonso die aktuelle Lage zusammen. Je nach Rennsituation zieht es Alonso sogar in Betracht, einen zusätzlichen Boxenstopp einzulegen, um auf die weicheren Pneus setzen zu können.

5. - S wie Spannung

Ich rechne morgen mit einem engen Kampf.
Lewis Hamilton

Während das Rennen in Monaco eher einer Prozession glich, wird es in Montreal ganz anders zur Sache gehen, denn kaum eine Strecke im Rennkalender wartet mit dermaßen viel Spannungspotenzial wie der Circuit Gilles Villeneuve auf. Der Kurs ist mit seinen langen Geraden und beiden DRS-Zonen dafür bekannt, Überholmanöver am Fließband zu liefern, weshalb das Ergebnis des Qualifyings gut und gerne noch einmal auf den Kopf gestellt werden könnte. "Auf diesem Kurs kann man nach vorne fahren", weiß auch Niki Lauda. "Wenn man auf der Geraden den Flügel aufmachen kann, dann ist es als wenn der andere Fahrer stehen würde."

Unter besonderer Beobachtung stehen die beiden Mercedes-Piloten in der ersten Startreihe, die sich wie bei den vergangenen Rennen einen offenen Zweikampf liefern dürfen. Anders als in Monaco wird Lewis Hamilton aber Überholchancen bekommen, wenn er etwas schneller ist als Nico Rosberg. "Ich rechne morgen mit einem engen Kampf", lautete die Kampfansage von Hamilton. Auf einen erneuten Zwist zwischen den beiden Jugend-Freunden würde man bei Mercedes dennoch gerne verzichten. "Mal sehen wie sich das jetzt auf die Stimmung auswirkt. Es ist immer schwer für einen Rennfahrer Zweiter zu sein, vor allem hinter dem Teamkollegen", warnt Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda. Und immerhin geht es für Mercedes um einen kleinen Erfolg: Sechs Doppel-Siege in Folge hat bisher kein Team geschafft.

6. - S wie Safety-Car

Auch wenn Bernd Mayländer in den letzten beiden Jahren den Kanada Grand Prix ganz entspannt aus der Boxengasse verfolgen konnte, stehen seine Wahrscheinlichkeiten für einen Einsatz nicht schlecht. "Es können immer Fehler passieren", hält Nico Hülkenberg fest. "Einige Fahrer verlieren den Kopf - warum weiß ich nicht. Es passiert hier immer etwas." Wie schnell es gehen kann, zeigte zuletzt das Regenrennen 2011: Damals gab es sage und schreibe fünf Safety-Car-Phasen.

Kommt das Safety-Car wieder zum Einsatz? - Foto: Sutton

Hinzu kommt, dass die Boliden schwieriger zu fahren sind als noch in der letzten Saison, das haben die zahlreichen Unfälle und Dreher der letzten Tage gezeigt. Im Training am Samstag sorgte Esteban Gutierrez mit seinem Abflug für einen Abbruch, auch nach dem Ausrutscher von Marcus Ericsson im ersten Teil des Qualifyings musste die rote Flagge geschwenkt werden. Klar ist: Wenn ein Fahrer am Sonntag in der Mauer landen wird, macht sich das Safety-Car direkt auf die Reise.

7. - S wie Sprit

Sollte das Safety-Car das Feld während der 70 Runden nicht einbremsen, könnte ein weiterer Faktor sehr interessant werden: Der Benzinverbrauch. Mit einem Vollgas-Anteil von etwa 65 Prozent gehört die Strecke auf der Ile Notre-Dame zu den schnellsten Kursen im Rennkalender. "Im Hinblick auf den Benzinverbrauch ist dies eine der schwierigsten Strecken des Jahres, es wird also darauf ankommen, die maximale Rennspritmenge von 100 Kilogramm bestmöglich zu nutzen", weiß auch Paddy Lowe, technischer Direktor bei Mercedes.

Remi Taffin vom Motorenhersteller Renault hat mit seiner Mannschaft bereits zahlreiche Informationen sammeln können: "Im Rennen könnten mehr als die erlaubten 100 Kilogramm Benzin benötigt werden, daher wird die Nutzung des Energiespeichers sehr entscheidend sein." Wer das nicht schafft, könnte früher oder später in die unangenehme Situation kommen, einen Gang zurückschalten zu müssen.


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