Formel 1 - Interview - Pastor Maldonado: Montreal ein Lotus-Problemkurs

Gerade und langsame Kurven tödlich

Vor dem siebten Saisonrennen der Formel 1 in Kanada spricht Lotus-Pilot Pastor Maldonado über die Probleme, Aussichten für Montreal und die Motivation im Team.

Motorsport-Magazin.com - Monaco war defintiv eines deiner kürzesten Rennen. Wie frustrierend war das?
Pastor Maldonado: Ich war sehr enttäuscht, denn ich hatte erwartet, in den Punkten zu stehen. Das Auto hat sich von seiner Performance her sehr stark angefühlt. Die Chancen in Monaco stehen für alle immer sehr hoch und ich war bereit, ein gutes Rennen hinzulegen. Leider hat es aber nicht sollen sein. Wie jeder gesehen hat, waren wir ja aber nicht das einzige Team mit technischen Problemen im letzten Rennen, jedoch müssen wir nun auf jeden Fall härter arbeiten und versuchen, schnellstmöglich jede noch so kleine Störung zu beheben, sodass wir uns stetig steigern können. Natürlich sind diese Probleme extrem frustrierend, jedoch werden wir von Rennen zu Rennen stärker, was sehr positiv ist.

Natürlich sind diese Probleme extrem frustrierend, jedoch werden wir von Rennen zu Rennen stärker, was sehr positiv ist
Pastor Maldonado

Hinsichtlich seiner Leistungsfähigkeit schienen dem E22 vor allem die extrem langsamen Kurven nicht zu liegen?
Pastor Maldonado: In Monaco war das tatsächlich so, aber die Strecke dort ist auch mit keiner anderen vergleichbar. Aber ja, wir müssen unsere allgemeine Leistungsfähigkeit in langsamen Kurven extrem verbessern. In mittelschnellen und schnellen Kurven - wie in Barcelona beispielsweise - waren wir sehr wettbewerbsfähig. Wir haben dort nur im letzten Sektor Zeit gegenüber der Konkurrenz verloren, da dieser ein extrem langsamer Abschnitt der Strecke ist. Höchstgeschwindigkeit auf der Geraden und langsame Kurven sind momentan aber mit Sicherheit unsere größten Schwachpunkte.

Unglücklicherweise bietet der Kurs in Kanada eine sehr lange Gerade und viele langsame Kurven...
Pastor Maldonado: Es könnte für unser Team sicherlich ein extrem schwieriges Wochenende werden. Wir erwarte mir Sicherheit nicht, an der Spitze zu stehen, denn das Layout der Strecke passt einfach überhaupt nicht mit den momentanen Stärken und Schwächen unseres Autos überein. Auch ist der Kurs nicht besonders aggressiv zu den Reifen, wir müssen also sehen, wie es wird, wenn wir auf die Strecke rausgehen. In einem Formel-1-Rennen kann immer noch alles passieren und das ganze Team arbeitet extrem hart, das Auto an die Gegebenheiten anzupassen, mehr Traktion in den langsamen Kurven und mehr Topspeed auf der Geraden über das Setup herauszuholen.

Pastor Maldonado machte bislang nur bei Tests in Barcelona sportlich von sich Reden - Foto: Sutton

Magst du den Kurs in Montreal?
Pastor Maldonado: Es ist einfach unglaublich, dort zu fahren und ich genieße es jedes Mal wieder aufs Neue. Jedoch hat das Rennen dort noch viel mehr zu bieten als die tolle Strecke, nämlich den unglaublichen Zuspruch durch die Fans. Das ganze Wochenende über herrscht einfach eine tolle Atmosphäre und die Stadt liegt sehr nahe zur Strecke, was die ganze Stimmung noch einmal irgendwie intensiviert. Natürlich hat das Rennen auch eine große Historie und ist definitiv eines der Highlights der Saison.

Du scheinst trotz des schwierigen Starts in die Saison sehr ruhig zu bleiben?
Pastor Maldonado: Immer wenn du durch eine harte Phase gehst, ist es das Wichtigste, komplett fokussiert zu bleiben und zu versuchen, das Problem bestmöglich zu lösen. Ich versuche einerseits, mich zu verbessern, andererseits helfe ich aber auch den Ingenieuren dabei, ihre Arbeit zu erleichtern und das Auto zu verbessern. Das Team befindet sich gerade in einer extrem wichtigen Phase, denn die Mitte der Saison rückt näher. Wir müssen alles geben und hart pushen, den Rückstand vom Beginn des Jahres irgendwie so schnell wie möglich aufzuholen. Wir wussten natürlich von Anfang an, dass es ein sehr schwieriger Beginn werden würde, aber es kommt nun einfach darauf an, nicht in Panik zu verfallen, ruhig zu bleiben, und noch härter als bisher zu arbeiten. Wir müssen einfach mehr und besser arbeiten als die anderen. Ich habe jedoch keine Zweifel, dass wir die Fähigkeiten haben, dies auch in die Tat umzusetzen. Natürlich ist es frustrierend, nicht dort zu stehen, wo wir hingehören - nämlich auf dem Podium. Es wäre natürlich in so einer Situation einfach, den Kopf in den Sand zu stecken und zu hadern. Ich denke jedoch, dass diese schwierige Phase uns letztlich stärker machen wird. Ich habe einen tollen Spruch gehört: Es gibt keine Abkürzung zu denjenigen Orten, die es wert sind, dort hinzugelangen. Ich denke, das trifft es ziemlich gut.

Es kommt nun einfach darauf an, nicht in Panik zu verfallen, ruhig zu bleiben, und noch härter als bisher zu arbeiten
Pastor Maldonado

Wie gut war der Test in Barcelona hinsichtlich der Demonstration des Potentials des Teams?
Pastor Maldonado: Es war einfach super gut. Um ehrlich zu sein war es der erste echt Test, den ich mit dem Team hatte, und es war toll, dass wir das gesamte Programm abgespult und gezeigt haben, was wir unter normalen Umständen leisten können. Alles hat einfach funktioniert. Ich habe mich im Auto sehr wohl gefühlt und durch die große Distanz viel mehr Selbstvertrauen gewonnen, wie auch das gesamte Team. Monaco kann nicht als Maßstab dafür herangezogen werden, wie sehr sich das Team tatsächlich verbessert hat und ich freu mich bereits auf die Gelegenheit, zu beweisen, wie stark wir wirklich sind und auch weiter sein werden.

Was denkst du, welche der kommenden Strecken dem E22 liegen werden?
Pastor Maldonado: Ich denk Silverstone, Budapest und Hockenheim sollten uns sehr entgegenkommen, da man dort eine Menge Downforce benötigt. Unser Auto wird dort deutlich effektiver sein. Wir verbessern uns Tag für Tag, und ich bin überzeugt, dass wir eher früher als später wieder in der Spitzengruppe mitfahren werden - und das nicht nur auf Strecken, die uns liegen.

Was sind deine Ziele für Kanada?
Pastor Maldonado: Ich möchte in erster Linie einmal ein komplett problemfreies Wochenende haben und das Rennen mit vielen Punkten beenden. Vor allem das unvorhersagbare Wetter in Kanada, das in der Vergangenheit schon öfter für Chaos gesorgt hat, kann dort alles durcheinander wirbeln. Es kann also alles passieren, aber ich möchte für das Team unbedingt ein paar Punkte holen. Es wird natürlich sehr schwer, denn wie gesagt liegt uns der Kurs nicht sonderlich, jedoch denke ich, dass wir ganz gut aufgestellt sind, wenn es uns gelingt, alles aus dem Auto herauszuholen und eine fehlerfreie Performance abzuliefern.


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