Formel 1 - Rosberg: Ich dachte, ich habe die Pole

Überrascht und enttäuscht

Nico Rosberg rechnete fest damit, in Barcelona auf Pole zu stehen, doch wieder einmal hatte sein Teamkollege Lewis Hamilton die Nase vorne.
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Motorsport-Magazin.com - "Ich dachte, ich habe sie." Nico Rosberg war die Enttäuschung nach dem Qualifying in Barcelona ins Gesicht geschrieben. Zum vierten Mal in dieser Saison musste er seinem Teamkollegen Lewis Hamilton den Vortritt lassen - und das, obwohl er sowohl im Training am Samstagmorgen als auch in Q1 und Q2 die Nase vorne hatte. "Ich unterschätze ihn natürlich nie, weil ich wusste, dass er seine Runden einfach zu nicht zusammenbekommen hat", blickte Rosberg auf seinen Stallgefährten. "Aber ich dachte, meine Runde wäre gut genug. Ich war überrascht und enttäuscht, dass er mich geschlagen hat."

Ich war überrascht und enttäuscht, dass er mich geschlagen hat
Nico Rosberg

Da Rosberg am Freitag mit seinem Silberpfeil noch nicht gänzlich zufrieden war, gelang es ihm erst im Zuge des dritten Freien Trainings, die gewünschten Einstellungen am Setup vorzunehmen. "Am Ende war das Auto okay, wenn auch anstrengend zu fahren, was nicht nett zu sagen ist, wenn man so eine Pace wie wir hat", schilderte er. "Die anderen denken vielleicht, dass wir verrückt sind, aber es war schwierig im Qualifying zu fahren." Hamilton sei es allerdings nicht anders ergangen, weshalb Rosberg vermutete, dass der drehende Wind eine entscheidende Rolle gespielt haben könnte.

Alles ist drin

Weil Sebastian Vettel in Q3 mit einem defekten Getriebe ausrollte und die rote Flagge gezückt wurde, musste Rosberg seinen ersten Run abbrechen. Laut dem Deutschen keine entscheidende Beeinträchtigung, einfacher wurde es dadurch für ihn aber freilich nicht. "Die Runde wäre auf jeden Fall auch schnell gewesen", meinte er. Dem Wahl-Monegassen ist bewusst, dass das Momentum momentan auf Seiten Hamiltons ist - schließlich gewann der Brite die letzten drei Saisonrennen. "Das ist ein Teil des Sports", betonte Rosberg. "Ich muss dranbleiben und weiterpushen und es wieder zu meinen Gunsten umkehren."

Gibt es eine Neuauflage des Bahrain-Duells? - Foto: Sutton

Trotz der vorläufigen Niederlage im stallinternen Duell ist der 28-Jährige fest davon überzeugt, sich in Barcelona durchsetzen können. "Ich weiß, dass morgen alles drin ist, Zweiter in der Startaufstellung zu sein, ist nur ein kleiner Nachteil", strich er hervor. "Die Gerade ist lang, wenn ich einen bisschen besseren Start habe, bin ich vorne." Was das Setup betrifft, liegt zwischen den beiden Mercedes-Piloten lediglich ein kleiner Unterschied, weshalb gelte: "Ich muss versuchen, als Fahrer den Unterschied rauszukitzeln."

Langeweile? Blödsinn!

Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda erwartet, dass sich seine Piloten wie schon in Bahrain einen harten Kampf liefern werden. "Der Rosberg ist so genervt wie alle Rennfahrer, inklusive mir, wie Vettel oder wie sie alle heißen, wenn sie von ihren Teamkollegen im gleichen Auto niedergeblasen werden. Das ist für einen Rennfahrer die Höchststrafe, aber charakterlich ist er in Ordnung, eine starke Persönlichkeit", sagte der Österreicher. "Er wird morgen alles geben, um das wieder umzudrehen. Das Rennen ist immer etwas anders als das Qualifying. Ich bin sehr gespannt, wie beiden gegeneinander fahren werden."

So lang die volle Pulle gegeneinander fahren, kann ich garantieren, wird niemand langweilig
Niki Lauda

Wie sehr Mercedes die Formel 1 auch nach der dreiwöchigen Pause dominiert, zeigt der Rückstand von rund einer Sekunde, den Daniel Ricciardo als Dritter aufweist. "Unser Ziel ist, den Vorsprung auszubauen", betonte Rosberg. "Wir haben ihn gehalten, was fantastisch ist, denn Barcelona ist ein Meilenstein in der Saison. Wenn man hier schnell ist, behält man den Vorteil für die nächsten Rennen." Allerdings erwartet der WM-Führende, dass es beim nächsten Rennen in Monaco aufgrund der Streckencharakteristik enger zugehen wird - vor allem Red Bull hat er auf der Rechnung. "Wir müssen weiterpushen, aber es sieht so aus, als würden wir uns gut schlagen."

Davon, dass die Silberpfeil-Dominanz der Formel 1 schadet, will Lauda rein gar nichts wissen. "Die Blöden finden immer wieder langweilige Aspekte, aber wenn die beiden morgen wieder wie in Bahrain gegeneinander fahren, dann verstehe ich nicht, warum einem langweilig sein sollte", hielt der dreifache Weltmeister fest. "Ich erinnere an Senna und Prost. Es geht nicht darum, welche Autos vorne fahren, sondern wer gegeneinander fährt. So lang die volle Pulle gegeneinander fahren, kann ich garantieren, wird niemand langweilig."


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