Formel 1 - Herausforderung Singapur: Der nächtliche Backofen

Heiß wie Hölle

Es ist unerträglich heiß, es ist Nacht, es ist verwirrend - es ist Singapur. Das Nachtrennen gewinnt nicht zwingend der schnellste, sondern der härteste Pilot.
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Motorsport-Magazin.com - Es ist nicht warm, es ist heiß. Selbst mitten in der Nacht herrschen in Singapur noch Temperaturen um rund 28 Grad und die Klimaanlagen laufen auf Hochtouren. Die Hitze selbst ist aber für die Fahrer nicht das eigentliche Problem - es ist die Luftfeuchtigkeit. Der Körper schwitzt, um die Wärme nach außen zu transportieren. Liegt aber die Luftfeuchtigkeit wie in Singapur bei rund 80 Prozent, kann der Schweiß nicht verdunsten. Daher ist die gefühlte Temperatur nochmals höher. "Man atmet nur diese feuchte Luft und im Auto ist es enorm heiß, wodurch man viel Flüssigkeit verliert", erklärt Adrian Sutil im Interview mit Motorsport-Magazin.com.

In den Autos ist es heiß wie Hölle - rund 60°C im Cockpit.
Lewis Hamilton

Ein kleiner Pluspunkt ist, dass die wichtigen Entscheidungen in der Nacht fallen, wenn die Temperaturen durch die fehlende Sonne etwas nachlassen. Für Lewis Hamilton ist das aber nur eine kleine Verbesserung. "In den Autos ist es heiß wie Hölle - rund 60°C im Cockpit. Es ist nicht schön und man muss damit umgehen können", beschreibt der Mercedes-Pilot. Er bereitet sich mit Sauna-Gängen aber die Herausforderung Hitze vor, aber vor zwei Stunden Rennen in Singapur graut selbst dem Weltmeister. "Ich glaube man kann es vergleichen, indem man in einer Sauna mit einem vollständigen feuerfesten Rennanzug und Helm sitzt. Wenn zehn das heißeste in der Sauna ist, dann ist das Singapur-Rennen eine Sieben."

Atempause - Fehlanzeige

Die Teams versuchen alles, um es den Fahrern so angenehm wie möglich zu machen - Foto: Sutton

Schweißtropfen, die während des Rennens über das Gesicht laufen, sind nicht die beste Voraussetzung, um im Rennen fehlerfrei zu bleiben. "Singapur ist eine unglaubliche körperliche Herausforderung. Es ist warm, feucht und es gibt keine Atempause - es ist wie sprinten", erläutert Hamilton. Deshalb spricht Teamkollege Nico Rosberg von der körperlich härtesten Strecke des Jahres. Da gibt es aus Sicht des Mercedes-Piloten nur ein Mittel: "Ich trinke viel während des Fahrens und auch über den gesamten Tag. Da kommen unglaublich viele Liter zusammen, aber so ist es dann okay."

Die Piloten erwartet am Sonntag ein Marathonlauf bei Hitze - und vor allem bei Dunkelheit. Wenn die Startampeln um 14:00 Uhr deutscher Zeit ausgehen, ist es in Singapur bereits 20:00 Uhr und die Sonne verschwindet. Um nicht völlig vom Jetlag übermannt zu werden, reisen die meisten Piloten auf letzter Rille an und behalten den deutschen Rhythmus bei. "Ich gehe sehr spät ins Bett, so zwischen drei und fünf Uhr nachts", schildert Vettel.

Den eigenen Körper belügen

Mit der Erfahrung der Jahre werden bereits im Vorfeld mit den Hotels Vereinbarungen getroffen, um absolute Dunkelheit in den Zimmern zu garantieren. Das Gehirn lässt sich aber nicht so einfach austricksen, wie Vettel feststellen musste. "Die Schwierigkeit besteht darin, dass man seinen Körper bezüglich Sonnenauf- und untergang anlügt. Irgendwann bekommt er das zwangsläufig mit, deshalb ist eine späte Anreise die einzige Möglichkeit, es so lange wie möglich hinauszuzögern."

Die Schwierigkeit besteht darin, dass man seinen Körper bezüglich Sonnenauf- und untergang anlügt.
Sebastian Vettel

Landsmann Adrian Sutil ist ebenfalls im deutschen Rhythmus geblieben. Allerdings merkt der Force-India-Mann immer wieder, wie seine innere Uhr anklopft und ihm erklären will, dass es eigentlich Zeit zum Schlafen wäre. "Man ist definitiv ein bisschen müder. Ich war gegen 3 Uhr schwimmen. Es ist ganz wichtig, dass man aktiv bleibt", erklärt der Deutsche sein Rezept für lange Nächte und schlafreiche Tage. Lewis Hamilton verrät noch eine andere Methode, um seinen Körper bewusst in die Irre zu führen: "Es ist leicht verwirrend für Körper und Geist. Es gibt natürliche Licht-Lampen im Zimmer, in den Büros und im Fahrerlager. Das hilft dem Körper zu denken, dass es Tag ist."

Wenn aber das natürliche Licht verschwunden und der Tag vorbei ist, beginnt die wirkliche Action - unter Flutlicht. "Es ist auf jeden Fall anders, als bei Tageslicht zu fahren", erzählt Vettel. Die Konzentration auf Details sei deutlich wichtiger und die Augen würden anders reagieren. "Ich bemerke die Anstrengung und bin danach deutlich müder." Doch ob Hitze, Rhythmus oder künstliches Licht: bisher fand noch jeder Singapur GP einen Sieger, weshalb Sutil die Situation gelassen nimmt. "Ich habe mich wie alle anderen gut vorbereitet - schließlich sind wir alle Sportler. Das Rennen wird sicherlich wie jedes Jahr hart, aber wir halten das durch."


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