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Formel 1 - Hintergründe der Formel 1: Bernie Ecclestone

An Autorennen habe ich nichts verdient - Teil 1

Keine andere Persönlichkeit hat die Formel 1 so geprägt, wie ein Gebrauchtwagenhändler aus der englischen Provinz. Wir beleuchten Bernie Ecclestones Werdegang.
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Motorsport-Magazin.com - In unserer neuen Serie "Die Hintergründe der Formel 1" nehmen wir die Menschen und Mächte, die in der Formel 1 den Ton angeben und -gaben unter die Lupe. Außerdem beleuchten wir die unterschiedlichen Facetten der Königsklasse des Motorsports. Den ersten Teil widmen wir dem Mann, der im Hintergrund die Strippen zieht: Bernie Ecclestone

Bernard Charles Ecclestone wurde am 28. Oktober 1930 in Ipswich, Großbritannien geboren. Nach dem Schulabbruch im Alter von 16 Jahren nahm er einen Job im örtlichen Gaswerk an, den er jedoch hauptsächlich nutzte, um vom dortigen Telefon aus hobbymäßig gebrauchte Motorräder und – teile zu kaufen und später zu verkaufen. Wenig später gab er den Job jedoch auf und konzentrierte sich auf den gewerbsmäßigen Handel mit gebrauchten Motorrädern als Teilhaber von Compton & Ecclestone.

Mit Nelson Piquet feierte Ecclestone seine größten Erfolge als Teambesitzer - Foto: Sutton

Nachdem er bereits früh Rennerfahrung mit Motorrädern gemacht hatte, startete Ecclestone 1949 erstmals auch mit Automobilen in der damaligen 500ccm-Formel 3 auf einem Cooper, später unter dem Namen seiner Firma, die inzwischen statt Motorrädern Autos verkaufte. Die Starts konzentrierten sich jedoch vorranging auf Strecken in Eccelstones Heimatland und seine Heimstrecke Brands Hatch. Nach einem Unfall 1951 stellte er seine Renntätigkeit ein und beließ es bei seinem florierenden Gebrauchtwagenhandel. Nach etlichen lukrativen Investitionen in Immobilien und Kredite war er einer der wohlhabendsten Menschen seines Gewerbes und nutzte jede Möglichkeit, Geld zu machen, wobei seine Methoden nicht immer von moralischer Standhaftigkeit zeugten.

Ich dachte, du hättest das vergessen. Naja, mach dir keine Sorgen. Und wenn du einen Verlust machst, ruf mich an.
Bernie Ecclestone

Als ihn ein Kollege zur Rede stellte, warum ein Bentley, den dieser Ecclestone verkauft hatte, bei einem späteren Rückkauf von Ecclestones Käufer einen niedrigeren Tachostand aufwies als zuvor, antwortete Bernie nur: "Ich dachte, du hättest das vergessen. Naja, mach dir keine Sorgen […] und wenn du einen Verlust machst, ruf mich an."

Just mit dem Tod Jochen Rindts kam Ecclestones Karriere erst so richtig in Fahrt - ein makaberes Detail - Foto: Sutton

Nachdem Ecclestone bereits ab 1957 als Manager der Rennfahrer Stuart Lewis-Evans und Roy Salvadori tätig war, kaufte er 1958 das Connaught Formel 1-Team. Als Lewis-Evans im Oktober desselben Jahres in Casablanca tödlich verunglückte, verkaufte er das Team und beschränkte sich wieder auf seine Geschäfte, bis er schließlich 1966 erneut begann, sich für die Formel 1 zu interessieren, diesmal als Manager des Deutsch-Österreichers Jochen Rindt.

Kurz nachdem dieser 1970 in Monza gestorben und später posthum zum Weltmeister gekürt worden war, erwarb Ecclestone 1972 den Brabham-Formel 1-Rennstall für 100.000 Pfund, dem damaligen Gegenwert von 185 VW Käfer Standard. Dieser Kauf ermöglichte es ihm, Mitglied in der F1CA (später FOCA), der 1963 von Lotus gegründeten Vereinigung der zu dieser Zeit vorherrschenden britischen Formel 1-Teams zu werden. Beim ersten Treffen der F1CA, dem er beiwohnte erkannte er erstmals, dass die Formel 1 sich zu diesem Zeitpunkt noch immer Großteils aus Garagenteams unter der Führung enthusiastischer und kompetenter Exzentriker zusammensetzte , die geniale Ingenieure waren, jedoch keine Ahnung von wirtschaftlichen Dingen hatten. Während die Rennstreckenbetreiber hohe Gewinne einfuhren, hatten die Teams mit dem Bankrott zu kämpfen. Als Ecclestone vorschlug, die finanziellen Interessen dieser Teams gegenüber den Veranstaltern und der FIA zu vertreten, stimmten ihm alle Mitglieder zu. Dass er dafür eine Provision erhalten sollte, war selbstverständlich.

Am Autorennen habe ich nichts verdient.
Bernie Ecclestone

Den Medien gegenüber behauptete er jedoch " […] ich habe nicht von dem Sport profitiert, den ich liebe, sondern mein Privatvermögen investiert und verlange nicht mal Spesen" und diktierte einem Journalisten: "Am Autorennen habe ich nichts verdient." Am Wahrheitsgehalt beider Aussagen darf gezweifelt werden.

Im nächsten Teil: die Ausweitung von Ecclestones Macht, erste Zerwürfnisse mit der FIA und weitere geniale Schachzüge, die den kometenhaften Aufstieg des Schulabbrechers weiter beschleunigten. Bereits morgen geht´s weiter.


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