Formel 1 - Kolumne - Pro und Contra

Nicht nur lange, sondern schnelle Beine?

Frauen in der Formel 1. Als Grid Girl seit Ewigkeiten am Start, am Kommandostand oder in der Pressearbeit gefragt wie nie - auf den Strecken aber kaum gesehen.
von

Motorsport-Magazin.com - Michèle Mouton, Giovanna Amati, Danica Patrick, Maria de Villota, Rahel Frey, Susie Wolff. Alles Namen, die bei einem halbwegs interessierten Motorsport-Fan sofort ein Aha-Erlebnis hervorrufen. Aber warum wissen die meisten genau, wer diese sechs Frauen sind? Genau, weil es kaum andere ihres Geschlechts im Motorsport gibt. Am Freitag drehte Susie Wolff ihre Runden in Silverstone. Mit Platz neun am Ende war das ein achtbares Ergebnis. Kaum jemand achtete auf Kimiya Sato, auf Gary Paffett und wie sie alle heißen. Bitter böse Sprüche fielen hinter vorgehaltener Hand: "Klappt die Laderampen nach oben, eine Frau ist auf der Strecke."

Frauen sind im Motorsport von Anfang an eine Seltenheit. Hinter den Kameras, an den Kommandoständen oder als Pressesprecher ist das weibliche Geschlecht mittlerweile schon fast in der Überzahl, doch auf der Strecke will und will es nicht mit dem Erfolg für eine Frau in der Formel 1 klappen. Motorsport-Magazin.com überlegt nach dem Einsatz von Susie Wolff nun: Sollten Frauen in der Formel 1 fahren?

Pro: Vorurteile ade: schnelle Frauen braucht das Land

von Michelle Noah

Susie Wolff weiß, wo sie hin möchte - Foto: Sutton

Wir haben eine Frau als Bundeskanzlerin, eine Frau die ins All geflogen ist, aber wo bleibt die Frau in der Formel 1? Frauen sagt man ja so einiges nach: "Frau am Steuer, das wird teuer". Doch es ist falsch, alle Frauen über einen Kamm zu scheren, denn es gibt Ausnahmen, die das Gegenteil beweisen. Susie Wolff zum Beispiel. Die 30-Jährige zeigte bei den Young Driver Tests einmal mehr, dass sie eine gute Figur im Formel-1-Boliden macht. Bekommt die Formel-1-Machowelt nun langsam mehr und mehr weiblichen Einfluss? Ja, bestes Beispiel Monisha Kaltenborn, die erste Teamchefin in der Formel-1-Geschichte. Oder auch Claire Williams, welche als Nachfolgerin ihres Vaters Frank Williams gilt. Auch Frauen können im Motorsport den Sprung an die Spitze schaffen.

So langsam müssen die Männer Angst vor der weiblichen Konkurrenz haben. Vorbei die Ausrede, dass Frauen mit der physischen Belastung nicht zurechtkommen würden. Eine Frau, die mit dem Motorsport aufwächst und viel Zeit hinter dem Lenkrad verbringt, hat überhaupt keine Nachteile. Vor allem gibt es heutzutage eine Reihe an technischen Hilfsmitteln, die das Fahren eines Formel-1-Boliden auch für das weibliche Geschlecht zumutbar erscheinen lassen. Doch der Weg dahin ist die Schwierigkeit. Bisher wurden die talentierten Damen nur zu F1-Testfahrten eingesetzt. Die Chance auf ein Cockpit bekamen sie nicht. Braucht die Formel 1 überhaupt eine weibliche Pilotin? Die bisherigen Fahrerinnen kann man an einer Hand abzählen. Doch die Formel 1 ist eine der weltweit beliebtesten Sportarten und würde vielleicht noch attraktiver werden, wenn eine Frau das Fahrerfeld aufmischt. Das würde die Aufmerksamkeit des Teams und der Rennserie um einiges steigern.

Apropos Frauenquote. 2010 nahmen in der amerikanischen IndyCar-Serie fünf Frauen teil - ein Rekord. Da fiel den Männern regelrecht die Kinnlade auf den Boden. Besonders Danica Patrick stach heraus. Die zierliche Amerikanerin gewann in der Saison 2008 als erste Frau ein Rennen in der IndyCar-Serie. Dadurch schossen die Einschaltquoten in die Höhe und überaus viele neue Sponsoren klopften an die Tür. Frische Gesichter braucht der Sport - und das können ruhig auch weibliche sein. Frauen wie Susie Wolff oder Danica Patrick haben das Talent, Rennen zu bestreiten und könnten somit ein Aushängeschild der Formel 1 werden. Also Susie, Danica und Co. - ran ans Steuer! Rennfahrer gegen Rennfahrerin - das könnte eine neue Ära der Formel 1 einläuten.

Contra: Die Voraussetzungen stimmen nicht

von Marion Rott

Frauen und Rennfahren, dass passt nur schwerlich zusammen. Ob an der Strecke, hinter dem Kommandostand oder in jeglicher anderen Rolle mag das weibliche Geschlecht gute - manchmal sogar bessere - Arbeit leisten. Im Auto kommt es aber auf körperliche Fitness an, alle technischen Hilfsmittel hin oder her. Die Schweizer Rennfahrerin Cyndie Allemann erklärte einst, sie müsse immer härter als ihre männlichen Konkurrenten trainieren, immer mehr Einheiten machen, um auch nur annähernd das gleiche Fitnesslevel zu erreichen. Die Natur hat den Körper der Frau nun einmal zierlicher, kleiner und mit weniger Muskelmasse gebaut. Nur ein Blick auf andere Sportarten zeigt: Frauen können alles machen - auch Motorsport -, aber mit ihren eigenen Regeln. Ob es im Fußball, im Ski-Springen, im Schwimmen oder jeder anderen Sportart ist - Frauen sind extrem gut in dem was sie tun, aber den Männern körperlich - zumeist - nicht gewachsen.

Beitske Visser ist im Red-Bull-Junior-Kader - Foto: Tim Lüdin/Red Bull Content Pool

Ein weiterer Punkt ist die mentale Einstellung. Formuliert man es sehr überspitzt, haben Männer meist ein Ego von hier bis ins Unendliche. Doch genau das braucht ein wirklich guter Fahrer. Niemals würde Fernando Alonso an sich zweifeln, ein Sebastian Vettel ohne weiteres einfach aufstecken. "Wir sind alle Egoisten", gab Sauber-Pilot Nico Hülkenberg einst zu. Frauen hingegen unterstellt man, sie geben schneller nach und halten im Zweikampf nicht bis zum Äußersten drauf.

Die wohl größte Hürde ist aber weder der Körper noch der Kopf - es ist die Umwelt. "Es fehlt noch immer die breite Masse, aus der man eine Topfahrerin herausfiltern könnte", mahnt die Managerin von Michael Schumacher, Sabine Kehm. Wo sollen die ganzen jungen Talente herkommen? Welche Mutter freut sich, wenn ihre Tochter Kart-Fahren will, anstatt reiten zu lernen, verschwitzte Renn-Overalls anstatt pinker Kleidchen tragen möchte?

Es fehlt noch immer die breite Masse, aus der man eine Topfahrerin herausfiltern könnte
Sabine Kehm

Wir fliegen zum Mond, erfinden die verrücktesten Dinge, doch die Rollenverteilung hat sich in den letzten Jahrzehnten kaum verändert. 2013 war die ADAC Formel Masters-Pilotin Beitske Visser die erste Frau, die in das Red Bull Junior Team aufgenommen wurde - seit das Förderprogramm 2001 ins Leben gerufen wurde. Ein kurzer Blick auf die schier unendliche Zahl an männlichen Nachwuchs-Piloten zeigt, wie wenige männliche Piloten letztlich das Zeug haben, um in der Formel 1 zu fahren. Sicherlich gibt es da draußen große weibliche Talente, die aber wahrscheinlich nicht im Traum darauf kämen, es überhaupt im Motorsport zu versuchen. Und selbst wenn, wird der größte Prozentsatz bereits an den Schranke der Engstirnigkeit nicht mehr vorbeigelassen.


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