Formel 1 - Frauen in der Formel 1

Seltenheit in der Männerdomäne

Maria de Filippis, erste F1-Starterin, wäre am 11.11. 90 Jahre alt geworden. Motorsport-Magazin.com wirft daher einen Blick auf die Frauen in der Königsklasse.
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Motorsport-Magazin.com - Frauen in der Formel 1? In der Macho-Welt der Königsklasse ist das noch heute ungewöhnlich bis undenkbar. Doch es hat sie gegeben, die Damen im Cockpit. Maria Teresa de Filippis war 1958 die erste, aber nicht einzige Pilotin, die an einem Grand Prix teilnahm. Die Italienerin wäre am 11.11. dieses Jahres 90 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass blicken wir zurück auf jene Frauen, die bislang in der Formel 1 fuhren.

Frauen gibt es in der Formel 1 viele - sie heißen Grid Girl oder PR-Beauftragte, TV-Journalistin oder Hostess. Mit Saubers Monisha Kaltenborn hat die Königsklasse mittlerweile sogar eine Teamchefin in leitender Position. Doch Frauen hinter dem Steuer? Fehlanzeige. Dabei war das nicht immer so, doch der letzte aktive Einsatz einer Dame im Cockpit liegt schon mehr als 20 Jahre zurück. Es ist die bis dato längste Durststrecke ohne weibliche Teilnehmerin im Feld - und das in einer so modernen Epoche voller Öffentlichkeitsbewusstsein, Förderprogramme und Gleichstellungsbemühungen.

Aller Anfang ist schwer

Am 15. Juni 1958 startete Maria Teresa de Filippis im belgischen Spa im Maserati 250F und wurde so zur ersten Frau, die jemals an einem Formel-1-Grand-Prix teilnahm. Bereits zehn Jahre vor diesem Tag gewann sie ihr erstes Rennen in einem Fiat 500 - im Alter von gerade einmal 21 Jahren. Ihre Erfolgssträhne setzte sich fort und die Tochter eines aristokratischen Großindustriellen wagte den Sprung ins einsitzige Formelauto. Für ihr Debüt suchte sich die als willensstark und sturköpfig geltende De Filippis Maserati heraus.

Zu Ferrari wollte ich nie. Was hätte ich dort gesollt - von Enzo Ferrari herumkommandiert werden?
Maria Teresa de Filippis

"Zu Ferrari wollte ich nie. Was hätte ich dort gesollt - nur weil ich Italienerin bin? Nein, ich wollte zu dieser Zeit nicht von Enzo Ferrari herumkommandiert werden. Ich habe mit ihm gesprochen und ihm gesagt, dass ich nicht für sein Team fahren will. Damals sagte er etwas und jeder sprang sofort - das war nichts für mich", erinnerte sich de Filippis viele Jahre später an ihren F1-Einstieg. Beim ersten Versuch, sich für ein Rennen zu qualifizieren, scheiterte sie zwar noch an den Schwierigkeiten des Straßenkurses in Monaco, doch schon beim zweiten Anlauf in Belgien schaffte sie es in die Startaufstellung.

Der Bann war gebrochen

Spätestens mit ihrem zehnten Platz beim Debüt in Spa ließ de Filippis die Kritiker verstummen. Im selben Jahr folgten mit den Rennen in Portugal und Italien noch zwei weitere Auftritte, bei denen sie allerdings ausfiel. Für die Saison 1959 wechselte sie ins Porsche-Team von Jean Behra. Als aber ihr französischer Teamkollege bei einem Sportwagenrennen auf der Berliner AVUS ums Leben kam, nachdem sie ihm ihr Cockpit überlassen hatte, war de Filippis geschockt und kehrte dem aktiven Sport den Rücken.

1974 versuchte sich dann Maria Grazia "Lella" Lombardi in England erstmals für einen Grand Prix zu qualifizieren und scheiterte. Die Italienerin gab jedoch nicht auf und avancierte mit zwölf Starts bei insgesamt 17 Antritten letzten Endes zur Rekordstarterin der Formel 1. Bereits bei ihrem zweiten Rennen auf dem Montjuïc Circuit in Barcelona gelang es Lombardi als erster und bisher einziger Frau überhaupt, in die Punkteränge vorzustoßen. Da der Grand Prix aufgrund eines schweren Unfalls von Rolf Stommelen aber noch vor der Hälfte der zu absolvierenden Distanz abgebrochen wurde, halbierte sich die Ausbeute - für ihren sechsten Platz erhielt die March-Pilotin demnach gerade einmal 0,5 WM-Zähler.

Eine Frau gewinnt ein Formel-1-Rennen

Lella Lombardi beim Südafrika GP 1975 - Foto: Sutton

Obwohl sich Lombardi immerhin drei Jahre lang in der Formel 1 hielt, konnte sie an diesen Erfolg nicht mehr anknüpfen. Bessere Zeiten erlebte die Pilotin später bei NASCAR- und Sportwagenrennen. 1980 trat mit Desiré Wilson die nächste Frau in der Königsklasse auf den Plan. Bereits Ende der sechziger Jahre hatte die Südafrikanerin mit Kleinstrennwagen und Starts in der Formel-V-Meisterschaft ihre Rennfahrerkarriere begonnen. Siege in der Formel Ford ebneten ihr dann den Weg nach oben, bis sie ab 1978 schließlich in der britischen Aurora-AFX-Meisterschaft an den Start ging - einer durchaus stark besetzten Rennserie für ältere Formel-1-Boliden.

Tyrrell-Pilotin Desiré Wilson in ihrer südafrikanischen Heimat - Foto: Sutton

In ihrer dritten Saison konnte sie dort Geschichte schreiben und beim Lauf in Brands Hatch in einem Theodore-Wolf als allererste Frau ein Formel-1-Rennen gewinnen. Die Veranstaltung zählte jedoch nicht zur offiziellen Weltmeisterschaft, weswegen Wilson Punkte, Medienpräsenz und die große Ehre verwehrt blieben. Die bislang Letzte im Bunde der Formel-1-Fahrerinnen war 1992 Giovanna Amati. Mit Erfolgen in niederen Klassen und beachtlichen Leistungen in der japanischen und europäischen Formel 3000 hatte die Italienerin auf sich aufmerksam gemacht.

1992 kaufte sich die damals 29-Jährige dann bei Brabham ein Cockpit in der Königsklasse. Bei drei Versuchen in Südafrika, Mexiko und Brasilien konnte sie sich jedoch nicht für das Rennen qualifizieren, ehe ihr das Geld ausging und sie im Team durch den späteren Formel-1-Weltmeister Damon Hill ersetzt wurde. Anschließend wechselte Amati auf die Langstrecke und später zum Fernsehen, wo ihr ihre Fachkenntnis und Bekanntheit einen Job einbrachten.


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