Formel 1 - Frauen in der Formel 1

Seltenheit in der Männerdomäne

Susie Wolff tritt bei den Young Driver Tests aus der zweiten Reihe hevor. Motorsport-Magazin.com blickt auf die Frauen in der F1-Geschichte zurück.
von

Motorsport-Magazin.com - Seit April 2012 ist Susie Wolff bei Williams als Entwicklungshelferin angestellt. Am dritten und letzten Tag der Young Driver Tests in Silverstone darf die 30-Jährige endlich auch hinter das Steuer. Bisher steuerte sie den FW35 lediglich im Rahmen eines Straightline-Test vergangenen Februar. Im Vorfeld musste sich die Schottin viel Kritik gefallen lassen - nicht nur, weil sie die Ehefrau von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ist.

Als Frau hat sie in der männerdominierten Welt generell ein schweres Standbein. Frauen gibt es in der Formel 1 viele - sie heißen Grid Girl oder PR-Beauftragte, TV-Journalistin oder Hostess. Mit Saubers Monisha Kaltenborn hat die Königsklasse mittlerweile sogar eine Teamchefin in leitender Position. Doch Frauen hinter dem Steuer? Fehlanzeige. Dabei war das nicht immer so, doch die letzte aktive Dame im Fahrerlager liegt schon 20 Jahre zurück. Es ist die bis dato längste Durststrecke ohne weibliche Teilnehmerin im Feld - und das in einer so modernen Epoche voller Öffentlichkeitsbewusstsein, Förderprogrammen und Gleichstellung.

Gerade einmal fünf Damen versuchten sich in der über sechzigjährigen Geschichte des Sports in der Formel 1. Von Erfolg oder Dauer waren diese Bemühungen jedoch nicht gekrönt, dabei würde eine Formel-1-Pilotin der Szene durchaus gut tun und in Zeiten von Markenbotschaftern und PR-Püppchen Farbe in den grauen Rennsportalltag bringen. Wie das genau gehen soll? Die Geschichte ist einmal mehr das beste Beispiel...

Aller Anfang ist schwer

Am 15. Juni 1958 setzte Maria Teresa de Filippis im belgischen Spa einen Maserati 250F ein und wurde so zur ersten Frau, die jemals an einem Formel-1-Grand-Prix teilnahm. Bereits zehn Jahre vor ihrer F1-Premiere gewann sie so ihr erstes Rennen in einem Fiat 500 - im Alter von gerade einmal 22 Jahren. Ihre Erfolgssträhne setzte sich fort und die Tochter eines aristokratischen Großindustriellen wagte den Sprung ins einsitzige Formelauto. Für ihr Debüt suchte sich die als willensstark und sturköpfig geltende De Filippis Maserati heraus.

Zu Ferrari wollte ich nie. Was hätte ich dort gesollt - von Enzo Ferrari herumkommandiert werden?
Maria Teresa de Filippis

"Zu Ferrari wollte ich nie. Was hätte ich dort gesollt - nur weil ich Italienerin bin? Nein, ich wollte zu dieser Zeit nicht von Enzo Ferrari herumkommandiert werden. Ich habe mit ihm gesprochen und ihm gesagt, dass ich nicht für sein Team fahren will. Damals sagte er etwas und jeder sprang sofort - das war nichts für mich", erinnerte sich De Filippis viele Jahre später an ihren F1-Einstieg. Beim ersten Versuch, sich für ihr neues Team zu qualifizieren, scheiterte sie zwar noch an den Schwierigkeiten des Straßenkurses in Monaco, doch schon beim zweiten Anlauf in Belgien schaffte sie es in die Startaufstellung.

Der Bann war gebrochen

Die Wahrnehmung ist moderner geworden - nicht nur auf sondern auch neben der Piste - Foto: Sutton

Spätestens mit ihrem zehnten Platz beim Debüt in Spa ließ De Filippis die Kritiker verstummen. Im selben Jahr folgten mit den Rennen in Portugal und Italien noch zwei weitere Auftritte, bei denen sie allerdings ausfiel. Für die Saison 1959 wechselte sie ins Porsche-Team von Jean Behra. Als aber hr französischer Teamkollege bei einem Sportwagenrennen auf der Berliner AVUS ums Leben kam, nachdem sie ihm für den Lauf ihr Cockpit überlassen hatte, war De Filippis geschockt und kehrte dem aktiven Sport den Rücken.

1974 versuchte sich Maria Grazia "Lella" Lombardi in England erstmals für einen Grand Prix zu qualifizieren und scheiterte. Die ob ihrer Kurzhaarfrisur keck wirkende Italienerin gab jedoch nicht auf und avancierte mit zwölf Starts bei insgesamt 17 Antritten letzten Endes zur Rekordstarterin der Formel 1. Bereits bei ihrem zweiten Rennen auf dem Montjuïc Circuit in Barcelona gelang es Lombardi als erster und bisher einziger Frau überhaupt, in die Punkteränge vorzustoßen. Da der Lauf auf Grund eines schweren Unfalls von Rolf Stommelen aber noch vor der Hälfte der zu absolvierenden Distanz abgebrochen wurde, wurden die Punkte geteilt - für ihren sechsten Platz erhielt die March-Pilotin demnach gerade einmal einen halben WM-Zähler.

Der erste und einzige F1-Sieg

Lella Lombardi 1976 im Brabham - Foto: Sutton

Obwohl sich Lombardi immerhin drei Jahre lang in der Formel 1 hielt, konnte sie an diesen Erfolg nicht mehr anknüpfen. Bessere Zeiten erlebte die quirlige Pilotin später bei NASCAR- und Sportwagenrennen. 1980 trat mit Desiré Wilson die nächste Dame in der Königsklasse auf den Plan. Bereits Ende der sechziger Jahre hatte die Südafrikanerin mit Kleinstrennwagen und Starts in der Formel-V-Meisterschaft ihre Rennfahrerkarriere begonnen. Siege in der Formel Ford ebneten ihr dann den Weg nach oben, bis sie ab 1978 schließlich in der britischen Aurora-AFX-Meisterschaft an den Start ging - einer durchaus stark besetzten Rennserie für ältere Formel-1-Boliden.

Entführung, Briatore & Brabham

Tyrrell-Pilotin Desiré Wilson in ihrer südafrikanischen Heimat - Foto: Sutton

In ihrer dritten Saison konnte sie dort Geschichte schreiben und beim Lauf in Brands Hatch in einem Theodore-Wolf als allererste Frau ein Formel-1-Rennen gewinnen. Die Veranstaltung zählte jedoch nicht zur offiziellen Weltmeisterschaft, weswegen Wilson Punkte, Medienpräsenz und die große Ehre verwehrt blieb. Die Letzte im Bunde der bislang fünf Formel-1-Fahrerinnen war 1992 Giovanna Amati. Hinter der Italienerin, die auch als optischer Hingucker das Fahrerlager aufzupeppen wusste, lag bereits in jungen Jahren ein bewegtes Leben. Mit Erfolgen in niederen Klassen und beachtlichen Leistungen in der japanischen und europäischen Formel 3000 machte Amati auf sich aufmerksam.

1992 kaufte sich die damals 29-Jährige dann bei Brabham ein Cockpit in der Königsklasse. Bei drei Versuchen in Südafrika, Mexiko und Brasilien, konnte sie sich jedoch nicht für das Rennen qualifizieren, ehe ihr das Geld ausging und sie im Team durch keinen Geringen als den späteren Formel-1-Weltmeister Damon Hill ersetzt wurde. Anschließend wechselte Amati auf die Langstrecke und später in die Motorsportmedien, wo ihr ihre Fachkenntnis und Bekanntheit einen Job beim Fernsehen einbrachte.


Weitere Inhalte:

Motorsport-Magazin.com fragt
Facebook
Wir suchen Mitarbeiter
x