Formel 1 - Möglicher Ferrari-Protest spaltet Meinungen

Experten glauben nicht an Einspruch

Das Videomaterial von Sebastian Vettels vermeintlichem Überholmanöver unter gelb sorgt für Aufregung - doch nicht einmal in Spanien glaubt man an einen Protest.
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Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettel und Red Bull stehen möglicherweise noch ein paar bange Stunden ins Haus - bis zum Freitag hat Ferrari Zeit, Einspruch gegen das Ergebnis des Großen Preises von Brasilien und damit auch gegen den Ausgang der Weltmeisterschaft 2012 einzulegen. Auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com bestätigte Ferrari-Pressesprecher Luca Colajanni, dass man derzeit alles zur Verfügung stehende Videomaterial auswerte. "Alles, was die Glaubwürdigkeit der Weltmeisterschaft gefährdet, muss genauestens untersucht werden", hieß es seitens der Italiener. Von der FIA gibt es bis dato immer noch keine offizielle Stellungnahme, ob eine Untersuchung der Vorfälle bereits eingeleitet oder vorbereitet wurde. Bislang scheint demnach kein Protest eingegangen zu sein.

Auf diese Art und Weise sollte Ferrari keine Weltmeisterschaft gewinnen.
Carlos Gracia

Selbst der spanische Delegierte der obersten Motorsportbehörde, Carlos Gracia, konnte sich eine aktive Handlung der Scuderia eigentlich nicht vorstellen, glaubte er doch, dass weder dem Image des Sports noch dem der Marke mit einem nachträglichen Sieg am grünen Tisch geholfen sei. "Auf diese Art und Weise sollte Ferrari keine Weltmeisterschaft gewinnen", meinte Garcia. In Bezug auf die Faktenlage scheint die Angelegenheit derweil immer klarer zu werden. Letzten Endes geht es darum, den Beweis zu erbringen, dass die Flagge, die von einem Streckenposten in den entscheidenden Sekunden bei Vettels strittigem Überholmanöver gegen Jean-Eric Vergne geschwenkt wird, gelb ist.

Mögliches Strafmaß ohne Spielraum

WM-Finale im Fokus: Wie geht die FIA nun vor? - Foto: Sutton

Ist sie grün, ist ein Einspruch zwecklos, da das Manöver des Red-Bull-Piloten dann legal wäre. Ist sie jedoch tatsächlich gelb, gibt es eigentlich keine zwei Meinungen - auch, was das weitere Vorgehen der FIA betrifft, ginge es dann wohl vor ihr Berufungsgericht. Im Sportreglement heißt es: "Wird festgestellt, dass ein Fahrer in einer Gelb-Zone überholt hat, wird er entweder mit einer Durchfahrtsstrafe durch die Boxengasse mit verminderter Geschwindigkeit bestraft, solange das Rennen noch läuft, oder durch die Addition von 20 Sekunden auf das Rennergebnis, falls der Vorfall am Ende des Rennens stattfindet, beziehungsweise erst nach dem Rennen untersucht wird."

Zwar fand der kontroverse Überholvorgang bereits in Runde vier des Laufs auf dem Autodromo Carlos Pace in Interlagos statt - letzter Fall, die Untersuchung nach Rennende, trifft aber dennoch zu. Sollte die FIA herausfinden, dass das Manöver nicht korrekt war, bleibt ihr gemäß den strikten Statuten des Regelwerks gar keine andere Wahl, als 20 Sekunden auf Vettels Rennergebnis zu addieren, wodurch der Deutsche vom sechsten auf den achten Platz zurückfallen und der Titel um einen WM-Punkt in die Hände Fernando Alonsos übergehen würde, der am vergangenen Sonntag in Sao Paulo Zweiter wurde.

Webber gelassen - Presse erzürnt

Von Red Bull gibt es zu der möglichen Gefahr einer nachträglichen Bestrafung bislang kein Statement. Lediglich Mark Webber, der bereits bei seiner Tasmania Challenge in Australien weilt, meldete sich in Bezug auf die Vorwürfe zu Wort. Für den 35-Jährigen stand jedoch fest: "Ich denke, dass das Rennen gewonnen ist - es ist vorbei." Eine Nachbehandlung hielt er für unwahrscheinlich. "Es sollte alles klar sein", so Vettels Teamkollege, der angab, sich ob der Causa keinerlei Sorgen zu machen. In den spanischen Medien wird derweil weiter die Skandal-Trommel gerührt: Während die Marca in ihrem Aufmacher titelte 'Vettel außerhalb der Regeln', war man auch bei der El Mundo davon überzeugt, dass der Heppenheimer bestraft werden sollte.

Wenn Ferrari bislang noch keinen Protest eingelegt hat, dann liegt das wohl daran, dass sie nicht glauben, dass der Fall eindeutig ist.
Jaime Alguersuari

Dass sich Ferrari selbst aber bislang eher zurückhaltend über die Möglichkeiten eines groß angelegten Protests geäußert hat - sowohl jetzt als auch direkt nach Rennende, als es allerdings vornehmlich um ähnliche Vorwürfe gegen Vettel ging, die sich jedoch auf Überholmanöver gegen einen HRT und Kamui Kobayashi bezogen, die letztendlich verworfen wurden - werteten sogar die Experten in Alonsos Heimatland als Indiz, dass die Truppe aus Maranello keine Rechtsmittel einlegen wird. Ex-Pilot Jaime Alguersuari erklärte der heimischen Presse: "Wenn Ferrari bislang noch keinen Protest eingelegt hat, dann liegt das wohl daran, dass sie nicht glauben, dass der Fall eindeutig ist."

Flagge bei Vettels Überholmanöver: (1:00 Min.)

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