Formel 1 - Angeblasener Diffusor: Worum wird gestritten?

Heiße Luft

Drosselklappen, Schleppbetrieb, angeblasene Diffusoren – in der F1 wird wild über die Regeln diskutiert. Motorsport-Magazin.com bringt Licht ins Technik-Dunkel.
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Worum geht es beim angeblasenen Diffusor?

Renault-Technikchef James Allison erklärt die Veränderungen für Silverstone: "Wenn ein Fahrer mit dem Fuß voll vom Gaspedal geht, muss die Einheitselektronik ECU so eingestellt sein, dass der Motor (zu allen Zwecken) das Gas schließt – bislang war es möglich, den Motor so einzustellen, dass das Gas offen blieb und die Motorleistung anderweitig reduziert wurde."

"Zudem muss die ECU so eingestellt werden, dass die Benzinversorgung für den Motor abgestellt wird, wenn ein Fahrer komplett vom Gas geht – damit soll das so genannte "hot blowing" verhindert, bei dem Energie aus dem Auspuff durch Verbrennung gesteigert wird."

Mit anderen Worten: es gibt zwei Wege, den Diffusor so anzublasen, dass er zusätzlichen Abtrieb erzeugt, der rund vier bis fünf Zehntel bringt. Mercedes führt zu diesem Zweck Benzin in das System ein, Renault regelt die Geschwindigkeit herunter, lässt den Motor aber weiter zu einem gewissen Grad Gas geben, um so Auspuffgase auf den Diffusor (hinteren Teil des Unterbodens) zu blasen.

Worum wird gestritten?

Es wäre wohl besser gewesen, wenn man diese Änderungen erst nach dem Saisonende vorgenommen hätte.
Martin Whitmarsh

In Valencia legte FIA-Technikchef Charlie Whiting in einer langen Pressekonferenz folgende Werte fest: "Wenn die Fahrer komplett vom Gas gehen, darf das Gas bei 12.000 Umdrehungen maximal 10% offen sein, bei 18.000 Umdrehungen sind es maximal 20%."

Schon damals gab Whiting zu, dass ein Hersteller etwas mehr verlange – gemeint war Renault, die argumentierten, dass sie schon 2009 mit mehr gefahren seien. Das konnte die FIA anhand der Aufzeichnungen nachsehen. Renault war mit dieser Regelung jedoch nicht glücklich, da Mercedes dadurch in ihren Augen einen Vorteil erhielt.

Noch während des ersten Freien Trainings in Silverstone wurden weitere technische Vorgaben von der FIA veröffentlicht, wonach die Renault-Motoren 50% Gas geben dürfen, wenn der Fahrer vom Pedal geht – das kam für Ferrari und Mercedes überraschend. Dieses Entgegenkommen in Richtung Renault sollte aus FIA-Sicht den angeblichen Vorteil ausgleichen, dass die FIA Mercedes erlaubte, weiter Benzin einzuspritzen, wenn die Motoren im Schleppbetrieb sind.

Das Heck der Boliden steht im Mittelpunkt - Foto: Sutton

Renault begründete die Notwendigkeit jedoch anders: "In aller Fairness zu Red Bull muss man anmerken, dass sie aus ihrer Warte sagen, es sei ein Zuverlässigkeitsthema", sagte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh süffisant. Renault argumentiert, dass die offene Drosselklappe ein wichtiger Bestandteil der Motorkühlung sei. "Sie müssen aus Standfestigkeitsgründen Luft durch den Motor blasen", so Whitmarsh weiter. "Ich kenne dieses Prozedere nicht, aber vielleicht tut dies Charlie." Übrigens: Mercedes soll mit 68% offener Öffnung fahren dürfen, wenn sie kein Benzin einspritzen.

Warum führt die FIA mitten in der Saison neue Regeln ein?

Im vergangenen Jahr verbot die FIA den F-Kanal und den Doppeldiffusor – allerdings erst nach Saisonende zum neuen Jahr. Anders beim warm angeblasenen Diffusor: die Einschränkungen werden mitten in der Saison vorgenommen.

Als Begründung gibt die FIA an, dass der F-Kanal und der Doppeldiffusor legale, aerodynamische Komponenten gewesen seien. Beim Motor handele es sich nicht um eine aerodynamische Komponente, weshalb die Nutzung dieses als solche illegal sei. Jederzeit hätte ein Team dagegen Protest einlegen und alle Rennergebnisse anfechten können. Diesem Imageschaden wollte die FIA vorbeugen.

"Es gab sechs technische Anweisungen zu diesem Thema bislang, aber wenn sich die Eckpfeiler ständig bewegen, ist es sehr schwierig", klagte Whitmarsh. "Es wäre wohl besser gewesen, wenn man diese Änderungen erst nach dem Saisonende vorgenommen hätte."


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