Am Donnerstagmittag lässt Ford Racing eine regelrechte Bombe in der Motorsport-Welt platzen: Die US-Traditionsmarke kehrt in die Rallye zurück. Schon nächstes Jahr wird das Partnerteam M-Sport mit einem Ford Fiesta (Rally2 mit Kit) unterstützt, mit 2028 folgt die Rückkehr als eigenständiges Werksteam. 2029 soll es dann einen komplett neuen WRC-Ford geben, der von einem Rallye-inspirierten neuen Pkw-Modell abgeleitet wird.
Ford blickt auf ein 50-jähriges Vermächtnis in der Rallye-WM zurück. Seit der ersten Saison 1973 war der US-Autobauer werksseitig vertreten. Das Team verewigte sich mit vier Marken- und vier Fahrertiteln sowie mit legendären Modellen wie dem Ford Focus und dem Fiesta in der Geschichte des Rennsports. 2012 zog sich die Marke dann zurück, dank M-Sport ging aber immer noch ein Ford an den Start.
"Im Rallye-Sport beweist sich der Charakter von Ford unter den härtesten Bedingungen. Außerdem kommen hier mehrere Generationen von Fans zusammen, die es aufregend finden, wenn ein Auto scheinbar unmögliche Dinge leistet", meint Jim Baumbick, Präsident von Ford Europa.


Warum Rallye? Warum jetzt? Ford-Chefs erklären Gründe
Aber warum Rallye? Dafür gibt es mehrere Gründe. Einerseits bietet sich ein schrittweiser Einstieg mit 2027 an, da sich nächstes Jahr das Reglement ändert. Die teuren und komplexen Hybrid-Einheiten entfallen zum Start, und die Topkategorie setzt stattdessen auf kostengünstigere Technik auf Basis von Rally2-Standards mit standardisiertem Stahl-Rohrrahmen. Ford sieht das als idealen Zeitpunkt.
Außerdem will die US-Marke ihre Pkw-Modellpalette in Europa neu ausrichten. "Wir werden keine Toaster auf Rädern bauen. Das haben wir jahrelang versucht. Es funktioniert nicht", so Baumbick. "Wir sind dann am besten, wenn wir Autos wie den Mustang, den Raptor, den Bronco oder dieses rallye-erprobte Portfolio bauen." 'Rallye-erprobt' soll dabei kein Marketing-Wort sein, wie der Europa-Chef verdeutlicht: "Wir sprechen nicht über Styling-Extras. Das ist ein Versprechen, das wir unseren Kunden geben wollen."
"Diese extremen Tests in Sand, Schotter und Schlamm verfeinern direkt die Haltbarkeit, den Antrieb, die Software und die Funktionen, die unsere Kunden jeden Tag fahren werden", ergänzt Mark Rushbrook, globaler Direktor von Ford Racing. Durch diesen Technologieaustausch soll ein endloser Kreislauf entstehen: von der Straße auf die Rennstrecke und wieder auf die Straße. Speziell sollen mit Ende 2029 fünf neue Ford-Modelle auf den Markt kommen, zwei davon inspiriert vom Rallye-Auto.
Ford will Toyota herausfordern: "Sind nicht hier, um einfach dabei zu sein"
Eine große Rolle bei Fords Rückkehr in die Rallye spielt die emotionale Komponente. Baumbick besuchte vor Kurzem das 75-Jahre-Jubiläum der Rallye Finnland, wo er überwältigt von der großen Fangemeinschaft und dem Hype war. Das bestätigte die Pläne, an denen schon seit Jahren gefeilt wird.
"Wir entwerfen und produzieren Nervenkitzel. Bei uns dreht sich alles um Emotionen und das Freisetzen von Emotionen. Wir wollen die Seele, das Ansprechverhalten und die Leistungsfähigkeit des Rallyesports in diese Fahrzeuge bringen", meint Baumbick. "Keine Rallye-Wertungsprüfung ist wie die andere. Sie verändert und entwickelt sich ständig weiter. Und ich liebe die Parallele zwischen dieser Umgebung und der Vielfalt der Straßen in Europa."
Für den Wiedereinstieg hat Ford große Ziele. Anfänglich lässt man es langsam angehen, doch mit 2029 will der US-Autobauer bereits die Platzhirsche von Toyota herausfordern. "Wir kommen nicht nur zur Rallye zurück, um einfach dabei zu sein... wir sind entschlossen, erfolgreich zu sein und zu gewinnen", so Rushbrook.


Stehen Fahrer schon fest? Muss Ford aus anderen Rennserien aussteigen?
Genaue Details können Baumbick und Rushbrook natürlich nicht verraten. Die Fahrerpaarung steht noch nicht fest, doch am liebsten wäre eine Mischung aus einem erfahrenen Piloten und einem Neuling. "Letztlich willst du beides, oder?", so Rushbrook. "Es steckt noch viel Entwicklungsarbeit im neuen Auto. Da brauchst du jemanden mit Erfahrung, der diese Prototypen gut fahren kann und dir gutes Feedback gibt. Aber du willst auch einen Fahrer für die Zukunft aufbauen."
"Wir wollen das Programm schrittweise aufbauen", ist Baumbick realistisch. "Wir werden in unserem ersten Jahr nicht sofort drei Top-Fahrer unter Vertrag nehmen. Es wird ein langsamer Fortschritt für 2027 sein, etwas mehr im Jahr 2028 und volle Kraft voraus in 2029."
Der Einstieg in die Rallye soll nicht das Ende eines Engagements in einer anderen Rennserie bedeuten. Ford tritt in der Rallye Dakar, NASCAR-Serie, WEC (LMGT3-Klasse), GT3-Sport (DTM, GT World Challenge, GT Masters und 24h Nürburgring) sowie als Motorenpartner in der Formel 1 (Red Bull Ford Powertrains) an. "Jede einzelne Rennserie, in der wir vertreten sind, hat ihren Grund. Es heißt nicht einfach: 'Oh, lasst uns überall Rennen fahren'. Jedes Engagement wird aus einem legitimen geschäftlichen Grund ausgewählt", beruhigt Rushbrook.



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