Es war leider eine wirklich lange und unangenehme Pause für mich. Seit dem F3 EuroSeries Rennen auf dem Norisring war ich nicht mehr im Renneinsatz. Danach hatte es ja die Probleme für mein Team gegeben, da sie nicht rechtzeitig die Meldung für die zweite Saisonhälfte eingereicht hatten. Für mich bedeutete das eine unfreiwillige Auszeit, in der ich eigentlich nur testen konnte. Das war zwar bei F3-Teams, bei denen ich auch Rennen hätte fahren können, aber aufgrund von kleinen Missverständnissen hat es leider nicht geklappt.

Am vergangenen Wochenende hatte ich aber die Chance in der F3000 International Masters in Estoril in Portugal mitzufahren und die habe ich sofort genutzt. Das Auto ist oberhalb der F3 EuroSerie anzusetzen. Es hat 500 PS und man erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 275 km/h, da geht also schon ordentlich was weiter. Es war eine total neue Erfahrung, weil man da wirklich Power ohne Ende hat. Gefahren bin ich für den ADM-Rennstall, der zu den besten in der Serie gehört.

Wie es sich für neue Erfahrungen gehört, muss man sich erst einmal darauf einstellen. Da gab es aber leider im Training das erste kleine Problem. Zwar sollte eineinhalb Stunden Trainingszeit zur Verfügung stehen, doch wegen zu starken Regens wurde die Session dann abgesagt. Für mich bedeutete das, dass ich direkt ins Zeittraining einsteigen musste und davor nur die Erfahrung eines Tests in Italien hatte. Zudem kannte ich die Strecke noch nicht und war zuvor auch noch nie mit frischen Reifen unterwegs. Auf trockener Strecke konnte ich mich dann aber im direkten Kräftemessen mit den erfahrenen Kollegen immerhin auf den Plätzen sieben und acht behaupten. Mein Teamkollege Luca Persiani, der auch noch um die Meisterschaft mitfuhr, nahm mir dabei gerade einmal vier, fünf Zehntel ab. Bei ihm habe ich auch gemerkt, wie viel Vorteil die Erfahrung bringt. Er hat genau gewusst, wann er mit den neuen Reifen rausgehen muss und, anders als in der EuroSeries, müssen dann gleich die ersten Runden sitzen. Das war auch ganz neu für mich.

Die Rennen: Das Podium war in Reichweite

Am Samstag waren dann die ersten Rennen und es hat geregnet. Im ersten Lauf bin ich von Platz acht gestartet. Auch hier wartete wieder eine neue Erfahrung auf mich, da ich mit dem Auto noch nie im Regen gefahren war - und das dann gleich im Rennen. Zudem war die Strecke nur feucht und ich und zwei andere Fahrer haben es riskiert, auf Slicks raus zu gehen. Der Gedanke war ganz einfach, wenn wir uns den ersten Runden halten und nicht drehen, dann können wir gewinnen. Außerdem würden sich die Regenreifen auflösen, wenn es trockener würde. Das hat auch funktioniert. Bis Mitte des Rennens war ich auf Platz sieben und es war nur ein Slick-Fahrer vor mir, der am Schluss auch Zweiter geworden ist. Ich wurde bei einem Überholmanöver leider abgeschossen und in den Kies geschickt. Wenn man im Nassen eine Berührung hat und auf Slicks ist, dann ist man leider gleich dahin. Das war dann eben nicht so optimal, aber glücklicherweise waren auch andere vor mir ausgefallen, wodurch ich das zweite Rennen von Platz 14 starten konnte.

Im zweiten Rennen war es dann zwar wieder nass, aber diesmal bin auch ich mit Regenreifen raus gefahren. Glücklicherweise ging es diesmal ohne größere Zwischenfälle und ich konnte mich vom 14. Startplatz auf Platz sechs nach vorne fahren. Noch besser als die Platzverbesserung waren aber meine Rundenzeiten. Ich war sieben Zehntel pro Runde schneller als mein Teamkollege, der immerhin auf Platz drei in der Meisterschaft steht. Viel mehr kann man beim Debüt eigentlich nicht verlangen. Auch der Teamchef war recht beeindruckt und damit war eigentlich schon viel erreicht.

Am Sonntag habe ich das erste Rennen dann von Platz sieben gestartet, da ich im zweiten Zeittraining ja Siebter gewesen war. Von dort bin ich dann bis auf den dritten Rang nach vor gefahren und hatte einen Zweikampf mit dem Meisterschaftsgewinner Jan Charouz, mit dem ich in der letzten Schikane leider eine leichte Berührung hatte und neben die Strecke kam. Es ging um Platz zwei, drei oder vier und ich musste mich mit dem vierten begnügen. An den Zeiten kann man aber sehen, dass der zweite gerade neun Zehntel und der dritte nur fünf Zehntel Vorsprung auf mich gehabt hat, wir sind also fast gleichzeitig über die Ziellinie. Zudem war ich wieder gute sechs Zehntel schneller als mein Teamkollege. Der vierte Lauf wurde dann wegen Regens abgebrochen.

Die Zukunft

Im Prinzip hatte ich aber in jedem Rennen die Chance auf das Podest, es hat halt leider nie sein sollen. Andererseits konnten die aufmerksamen Beobachter genau erkennen, dass ich schon sehr schnell unterwegs war und das war schon gut. Einer, der genauer hingeschaut hatte, war auch mein Teamchef. Im nächsten Jahr wird eine neue Rennserie gestartet, die man als GP3 bezeichnen könnte. Dort wird mit offenen Formel-3-Motoren gefahren, das Auto ist auch schon entwickelt und wird im Januar ausgeliefert und es gibt auch schon einen Vertrag mit Eurosport für die Übertragungen. Gefahren wird im Rahmen der WTCC und die Serie wird sich von den Fahrzeugen her ein bisschen über der EuroSeries und unter der GP2 ansiedeln. Für mich ist das ganze deswegen interessant, weil mein aufmerksam beobachtender Teamchef dort auch dabei sein will und mich als Fahrer mit an Bord haben möchte. Das einzige, woran es noch scheitern könnte, ist leider, wie so oft, das Geld. Es sieht aber nicht so schlecht aus.

Wenn ich dort unterkomme, dann auf jeden Fall beim ADM-Team, weil es das bisher beste Team war, für das ich in meiner Laufbahn fahren durfte. Die F3 ist für mich nicht mehr so interessant, weil nicht unbedingt der beste Fahrer, sondern der mit dem besten Budget gewinnt. Und das ist irgendwie schade für den Sport. Antinucci hat mittlerweile zwei Rennen gewonnen und liegt auf Platz fünf in der Meisterschaft. Ich weiß, wie viel Geld er bezahlt hat und er ist Fünfter. Das ist zwar ein Riesenerfolg, aber am Schluss interessiert das recht wenige. Im Prinzip geht es eigentlich nur um die ASM- und Manor-Fahrer und wenn ein Antinucci oder wer auch immer in einem ASM-Auto sitzt, wird er auch nicht viel schlechter sein.

Für mich ist deswegen die neue Serie im nächsten Jahr sehr interessant. Eurosport steht voll dahinter und hat sogar schon Berichte über das neue Auto gezeigt. Das Team will mich, ich will zum Team und jetzt kommt es nur darauf an, wie man sich arrangiert. Es sieht also so aus, als ob die Saison, die vorher nicht ganz so optimal gelaufen ist, doch noch einen schönen Abschluss erleben darf.