Ein bisschen kräftiger und runder sind sie schon geworden seit ihrer größten Zeit. Die meisten zumindest - Ausnahmen wie Christian Danner oder Riccardo Patrese bestätigen die Regel. Schnell sind sie trotzdem immer noch, die 15 "alten Herrren" aus der Formel 1 der Siebziger bis Neunziger, die jetzt als "GP Masters" ihren Spaß haben, wenn sie ein paar Mal im Jahr in identischen 600-PS-Rennern ihre Runden drehen, mit den ehemaligen Formel-1-Weltmeistern Nigel Mansell und Emerson Fittipaldi als prominentesten Namen.
Und sie reden nicht nur vom "Spaß haben", sie haben auch tatsächlich welchen. Eine halbe Stunde im GP-Masters-Fahrerlager reicht, um das zu erkennen. "So eine Kameradschaft, wie wir sie jetzt hier haben, das haben wir doch in unserer aktiven Zeit nie erlebt", sagt Patrick Tambay, "man müsste mal in unseren gemeinsamen Umkleideraum ein Mikrofon einschmuggeln, das wäre lustig, was da raus käme..."
Gemeinsam, das ist ein Schlüsselwort: Man zieht sich nicht nur gemeinsam um, man isst auch gemeinsam in einem großen Hospitality-Zelt, man trifft sich abends zum Bowling-Match - und das erstaunlichste: Selbst dort, wo eigentlich im Rennsport härteste Konkurrenz herrscht, wird zusammengearbeitet: Freier Datenaustausch zwischen allen Teams und Fahrern, jeder kann sehen, was der andere macht, wo er wie viel Gas gibt, wo er bremst. Hans-Joachim Stuck zum Beispiel stellte fest: "Mansell nimmt mir vor allem beim Bremsen Zeit ab - da muss ich wohl noch was ändern..."
Denn "Spaß haben" bedeutet nicht, dass nicht zumindest einige im Cockpit großen Ehrgeiz entwickeln. Nigel Mansell, Sieger der beiden ersten Rennen in Südafrika und Katar, ist der große Gejagte - Emerson Fittipaldi, der mit Abstand Älteste, hat ihm schon mal scherzhaft angedroht: "Tut mir ja leid bei deinem Heimrennen - aber hier schlage ich dich." Und Christian Danner, in Katar Zweiter, gibt zu: "Es ist schon schön, wenn man jetzt auf gleichen Autos mal zeigen kann, wo man auch gegen ehemalige Weltmeister steht" - in der Formel 1 bekam er dazu ja nie eine wirkliche Chance.

Manches ändert sich freilich nie: Kommt einem ein Kollege im Qualifying in die Quere, dann fliegt schon mal die Faust aus dem Cockpit. Und auch manche Leute ändern sich wohl nie. Alain Prost etwa, der zu Beginn auch mitmachen wollte, dann aber ausstieg, weil er befürchtet, Mansell bekomme als der Star des ganzen ein etwas besseres Auto als der Rest.
Auch das Angebot, doch drei Tage in Paul Ricard zu testen, konnte ihn nicht umstimmen, hinter vorgehaltener Hand lästern einige Kollegen, das sei eben "die gleiche Paranoia, die er schon immer hatte." Aber wenn er nicht wolle, dann solle er es eben lassen, inzwischen hätten sich sowieso eine Menge anderer Fahrer interessiert, die in Zukunft mitmachen wollen, "wir müssen niemandem hinterherlaufen", so Tambay.
Auch wenn die rein körperliche Anstrengung doch nicht zu unterschätzen ist. Nach dem Hitzerennen in Katar schworen sich viele, nun doch etwas für ihre Kondition zu tun, vielleicht ein paar Pfunde zu verlieren. Auch Nigel Mansell, der Sieger, der sich darüber im Klaren war, dass er keine Chance gegen den deutlich fitteren Christian Danner gehabt hätte, wäre das Rennen noch zehn Minuten länger gegangen. Geklappt hat dieses Vorhaben aber nicht, "eher habe ich noch ein paar Pfunde draufgelegt", musste der Weltmeister von 1992 unter allgemeinem Gelächter gestehen.
Emerson Fittipaldi dagegen schaffte eine angekündigte Veränderung. Er ließ sich seine Koteletten wieder auf alte Länge aus Hippiezeiten wachsen. "Vielleicht bringt das ja auch den alten Speed wieder", hofft der Brasilianer, der im Brustton der scheinbaren Überzeugung zur allgemeinen Unterhaltung feststellte: "Wir haben alle noch eine große Zukunft als Rennfahrer." Fragt sich nur, wann sich dann Nigel Mansell seinen Schnurrbart wieder wachsen lässt...

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